Die perspektivlose Euphorie

Ich lobe den Tag wirklich niemals vor dem Abend. Ich glaube an nichts, nur an mich selbst. Denn selbst ist der Mann. Wundere dich nicht, wenn ich Lager wechsel. Der Wind steht schief. Ich richte meine Nase immer in die Luft. So geht das. Und wem das nicht passt, der wird passend gemacht. Ich bin mir selbst am nächsten, denn ich lasse keinen an mich ran. Dann bin ich unangreifbar. Unbesiegbar. Ich bin stark und laut. Denn nur die feste Stimme setzt sich durch. Hier schau, unter dem Balkon, meine treuen Freunde. Sie alle stimmen ein. Willfährige Lautaffen im Kanon, denke ich mir manchmal. Aber sie geben mir Stärke und Kraft. Ich steck mir eine an und schau auf mein Werk. Kinderlein, kommet. Hier gibt es vom Onkel einen Lolli. Ich muss mir immer ein neues Hobby suchen, für mich und den langweiligen Kaffeesatz. Apropos, willst du eine Tasse?

Kommt ja sonst keiner vorbei. Der Starrummel hat auch seine Schattenseiten. Ich werde nie angesprochen – im Club, oder an der Bar. Traut sich ja keiner. Deshalb lande ich auch keinen Stich. Aber ich bin in den Charts ganz oben. Wenn mich einer anpissen will, drop ich halt einen neuen Hit. Ich muss immer liefern. Aber ich schlafe schlecht. Komme kaum noch zu Ruhe. Den Druck brauche ich. Baue mir meinen eigenen Arschtrittapparaten. Los, mach, produziere. Denn damit kann ich mich selbst produzieren. Das bin ich. Getrieben, umtrieben, vertrieben. Wenn ich nicht mitspielen darf, baue ich halt meinen eigenen Sandkasten. Als Kind stand ich vor dem Süßigkeitenregal und habe laut aufgestampft, wenn ich meine Lieblingsbonbons nicht bekommen habe. Noch heute liebe ich die Werthers Echten. Sie geben mir ein Gefühl von zu Hause und bringen mich meiner Mutter näher. Sie war überhaupt die Einzige, die mich je verstanden hat. Ich schreibe Lieder, Symphonien aus Leidenschaft. Denn das was ich tue, muss jeder hören. Mir ist die Kryptik der beste Freund. Zeigt sie dir doch meinen Intellekt. Hast du das, kommst du noch hinterher? Die Welt ist noch nicht reif, für das was es noch zu sagen gibt. Morgen vielleicht, morgen. Wie wäre es, wenn ich mir mein Auto nehme, eine Allee durchfahre und mir den schönsten Baum suche, für den lautesten Imperativ, den ich je gehört haben wollte. Der Urknall, das Absorbium. Könnt ihr mich alle hören? Versteht ihr mich endlich? Manchmal habe ich die Hoffnung schon aufgegeben. Aber dann, aber dann schreibe ich einfach noch einen Superhit.

One Comment

  1. Posted 20. Oktober 2009 at 21:48 | #

    lupe gefunden. texte gelesen. feed abonniert.

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