Eure Diskussionskultur bin ich zum kotzen leid! Zugegeben, ein harter Einstieg, aber dieser Satz beinhaltet auch schon gleich Ausgangspunkt und Zielmarke dieses Textes. Ich könnte hier also auch stoppen und ihr würdet euch euren Teil denken, ich bin aber gerade so gut in Fahrt.
Wir, die wir die Entwicklungen im Internet, auf Plattformen, in den sozialen und klassischen Medien und in Unternehmen kritisch begleiten und teilweise professionell beeinflussen …
Wir, die wir zum großen Teil mit Kommunikation im weitesten Sinne Geld verdienen …
Wir, die Netiquetten für Foren und Communitys kreieren und uns über Trolls und Flamewars ärgern und dafür Faustregeln definieren (Don´t feed …) …
Wir … Wir bekommen es nicht hin, dass sobald eine Twitterwall über den Köpfen eines Panels installiert ist, die normalen Regeln der Höflichkeit, die eines Gespräches, oder einer Diskussion einzuhalten und damit normales zwischenmenschliches Verhalten an den Tag zu legen.
Stirb Twitterwall, stirb!
Auch im Festsaal Kreuzberg gab es gestern im Rahmen der Social Media Week (#smwberlin) wieder eine Twitterwall, die raumgreifend über die gesamte Bühne gespannt war und damit den Blick auf das Wesentliche versperrte, wenn auch nur im übertragenden Sinne, nämlich auf die Panel-Teilnehmer.
Besonders deutlich wurde das beim Panel „Social Media als Aktionsraum vs. Social Media als Organisationsraum“ u.a.m. Johnny Haeusler und Nico Lumma. Es wurde zwar nicht einmal ein Quantum Trost zum Panel-Thema selbst gesagt, aber stattdessen warteten lieber alle darauf, dass die x-te Vodafone-Diskussion vom Zaun gebrochen wird und damit Zoff und Rabatz. Als es den aber nicht gab, produzierte die Crowd selbst welchen, der über die Twitterwall in den Saal gerotzt wurde.
Nun beherrschen gerade Johnny und Nico diese Panel-Techniken perfekt und laufen deshalb auch zugleich in deren Fallen. Während Johnny, als stets um Ausgleich im Diskurs bemühter Mensch, nie die Twitterwall aus den Augen verlor und sich von ihr auch in den eigenen Ausführungen ablenken und auch unterbrechen ließ, kommuniziert Nico permanent mit ihr, schickt und liest Tweets, muss dazu aber natürlich permanent an seinem Handy spielen, was in einem Gespräch egal welcher Natur mindestens verstörend wirkt.
Meine Kritik soll sich hier aber gar nicht an die Menschen auf der Bühne richten, sondern an die Leute, die einen Teil ihrer Grundbefriedigung daraus ziehen, dass sie wenigstens einmal auch auf einer Bühne erscheinen und einen Lacher kassieren. Und wenn sie schon nicht da vorn sitzen und mitspielen dürfen, dann doch wenigstens in Form von 140 Zeichen und auf Kosten der Panel-Teilnehmer, die in dieser pervertierten Konferenzkultur scheinbar nur noch als Projektions-Pausenclowns fungieren. Egal ob für den Saal, oder für die Menschen vor den Bildschirmen.
Ich finde das im höchsten Maße anmaßend und unfair. Wenn jemand auf der Bühne spricht und plötzlich das ganze Publikum lacht, weil sich etwas besonders witziges an der Twitterwall tut, kann die Aufmerksamkeitsspanne für das eigentlich Panel-Geschehen ja nicht so hoch sein. Die Frage ist also, warum nicht einfach jedes Panel zu einer Twitterlesung werden sollte? Fachlich schien das Publikum gestern ja auch bestens Bescheid zu wissen, wie Social Media (Marketing etc.) funktioniert, folgte man den zurechtweisenden Tweets aus dem mit sich selbst beschäftigten Publikum. Warum also noch Diskutanten? Wenn es schon nichts mehr zu lernen und zu erfahren gibt? Setzen wir uns doch alle in den Kreis und streicheln uns gegenseitig unsere megamäßigen Knowledge-Baumstämme.
Wenn ihr alle wisst, was Nico und Vodafone so alles falsch gemacht haben, wenn ihr alle so gut Bescheid wisst, wie es Werbung im Internet schaffen kann, Menschen zu erreichen und zu verkaufen (denn ja, dass ist der Sinn von Werbung) … warum macht ihr es dann nicht? Warum gibt es dann soviel Müll in Social Media?
Nein, den meisten reicht es aus, ihr angelesenes Stimmungswissen in 140 Zeichen zu drücken und befriedigt einzuschlafen. Schön für euch. Schlecht für unsere Diskussionskultur.
Alle sprechen davon, dass Unternehmen mit den Menschen im Netz in einen Dialog treten müssen, um erfolgreich zu sein. Eine Twitterwall kann dafür nicht das Role-Model sein, denn dieser Rückkanal stinkt. Sie schießt den Diskutanten in den Rücken. Sie ist wie der Idiot, der permanent Grimassen hinter einem schneidet, während man sich unterhält. Sie ist wie der Idiot, der dafür eine handfeste Antwort verdient hätte.
Dabei erschließt sich für mich der Sinn von Twitterwalls immer weniger. Interessante Fragen zwischenschreiben kann es nicht sein, denn davon gab es gestern zu wenige. Und bei der anschließenden echten Fragerunde melden sich dann nur zwei Menschen. Niemand bekommt das Maul auf, wenn es darum geht, wirklich etwas zu erfahren, oder mit eigenem Wissen die Diskutanten mal aus der Reserve zu locken. Nein, ein Tweet ist viel bequemer und der deutsche Sofa-Nationaltrainer unter den Kommunikationskulturen.
Twitterwalls heizen auch keine Diskussion an, oder bringen sie in Fahrt. Und eigentlich ist das auch Aufgabe des Moderators. Das hat leider gestern nicht so gut geklappt, aber das weiß er auch selbst.
Ich möchte den Menschen zuhören, die auf der Bühne sitzen. Ich möchte erfahren, was sie zu sagen haben. Und ja, ich will mich mit ihnen streiten. Aber ich will nicht gegen eine Horde auf 140 Zeichen amputierte Mario Barths antreten, die kein Interesse an einem echten Austausch haben. Wenn es euch nicht interessiert, geht nach Hause, oder macht den Tab zu, aber stört nicht die anderen.
Ich brauche keine Twitterwall und werde mich in Zukunft auch auf kein Panel mehr setzen, auf der eine hinter meinem Rücken läuft.




67 Comments
Bravo.
Dazu fällt mir nur die Definition der Interaktion vom Herrn Goffman ein:
“„Wechselseitige Handlungsbeeinflussung,die Individuen aufeinander ausüben, wenn sie füreinander anwesend sind.“
Twitterwalls sind zur Interaktion gedacht, viele steigen aber bei dem “füreinander” aus der ganzen Sache wieder aus, wie oben so treffend beschrieben.
Ich für meinen Teil ziehe meine Schlüsse, wenn ich unnötige “Rants” lese – Stichwort Reputationsmanagement. Und damit hab ich auch schon alles gesagt, was ich wollte.
Ohne da gestern dabei gewesen zu sein: Generell ist es doch Blödsinn bei einem Vortrag, einer Diskussion oder ähnlichem auf einer Bühne irgendwas im Hintergrund laufen zu lassen, was von den Akteuren ablenkt. Das tut dem Thema nicht gut, den Akteueren nicht und dem Zuschauer auch nicht.
Ähnlich nervig finde ich Flachbild-TVs in Cafés oder Bars: Man probiert sich mit seinem Gegenüber zu unterhalten, wird aber dauernd durch bewegte Bilder im Hintergrund abgelenkt. Nervig. (Reminder an mich: TV-be-gone kaufen!)
Twitterwalls an sich finde ich für Veranstaltungen ganz in Ordnung. Nur sollten die dann auch nicht im Fokus einer Bühne stehen und ablenken. Das Problem ist ja auch, dass nicht kontrollierbar ist, was darauf gesendet wird (soll es ja auch nicht). Fazit: Beim nächsten Mal die Twitterwall einfach woanders aufbauen.
ah, ich hatte deinen tweet gesehen und als reine feststellung aufgefasst (nicht als klage) – denn klar, unhöflich sind sie, wie twitter so oft.
und ich gebe dir recht, dass es den fluß eines panel stören kann. bei meinem war das nicht so, schien mir. und es fiel mir auch außschließlich bei dem werberpanel auf, das dazu offensichtlich anlaß bot.
so gesehen bekommt man als panelist möglicherweise die reaktion, die man gerade verdient oder provoziert.
das leben ist kein holzspielzeug und nico hatte sich ja zuvor auch weit genug vorgelehnt und da war sein zurücklehnen vor ort vielleicht etwas mau.
hätte das angesprochene panel auch ohne wall bemerkt, das es gerade
nicht so gut um die ecke kommt? wahrscheinlich schon.
wäre es ohne wall dann doch noch (wie ich fand) witzig und stellenweise interessant geworden? vielleicht.
hätten wir alle das feedback später oder gleichzeitig mitbekommen? möglich, aber schwächer.
ist es fair, wenn über ein panel (oder was immer eben auf einer bühne abgeht) laut getwimpft wird, und die leute da oben können nicht reagieren? ich finde kaum.
wahrscheinlich ist die beste lösung, dass es wie im tv so einen hiwi gibt, der ab und an die reaktionen aus internet reinbrüllt. bei 45 min geht das evtl sogar. hat das nicht 343max bei dem bundesradio wahldings so gemacht?
wäre das konsensfähig?
ach komm. lustich ist es aber schon.
@kosmar Finde ich eine gute Lösung. Oder eine Idee davon.
mich erinnert dieser artikel an die ausführungen von don alphonso, der gegen die pöbelnde blogosphäre pöbelt.
Klar, auch twitterwall-kommunikationskultur will gelernt sein, aber du hast dir aus der vielzahl der guten beiträge auf der twitterwall gestern gerade die unsachlichsten rausgesucht – bravo! :-)
wenn ein panel langweilig ist, dann ist es doch logisch, dass auf der twitterwall offtopic diskussionen laufen, oder?
@Karsten die Hashtag-Suche ist verlinkt. Die konstruktiven Beiträge sind rar. Und nein, das ist nicht logisch, dass die Twitterwall offtopic wird. Es ist auch nicht logisch, dass Kommentarstränge offtopic werden. Eine Twitterwall kann und soll wie auch Kommentare die Diskussion bereichern, ansonsten machen sie ganz wenig Sinn und nerven und vor allem sind sie unnötig.
Ach, seien wir doch mal ehrlich. Jemand, der auf die Twitterwall kotzt, erwartet doch nicht wirklich Antworten auf seine Fragen. Ich konnte gestern leider nicht vorbeikommen, aber spätestens auf der re:publica geht das Spiel wieder von vorn los. Und da ist mir das oben beschriebene Verhalten in den letzten beiden Jahren schon äußerst negativ aufgefallen.
Der hinter deinem Rücken Grimassen schneidende Idiot trifft es gut. Ein Panel als langweilig abstempeln, weil man nur halb anwesend ist und eigentlich die Twitterwall verfolgt, ist leicht. Das zu twittern auch. Aber mal aufstehen und meckern? Nö, wieso denn?
Ich finde Twitterwalls gut, insbesondere auf Messen und Kongressen oder was auch immer, um die Meinungen abzufangen, aber hinter einer Podiumsdiskussion an falscher Stelle. Vielleicht eher was fürs Foyer?
Eine Wall ist ein Klassen-Clown. So einfach ist das.
Danke für den Artikel. Ich finde es ziemlich sinnvoll, mal das eigene Handeln zu überprüfen. Ich denke, dass Twitterwalls, sensibel eingesetzt, durchaus sehr gut sein können. Aber l’art pour l’art ist halt Schwachsinn. Danke für die Inspiration.
Twitterwalls sind sowas von 2009.
Seit der Remix09 in Hamburg interessieren mich Twitterwalls nicht mehr.
Es funktioniert bei Panels einfach nicht. Im Aufenthaltsraum bei einem Barcamp – okay.
Mehr macht einfach keinen Sinn.
Einerseits: Don’t kill the messenger, bzw. in diesem Fall das Medium. Wie Sascha ja auch gestern anführte ist “mal ein Tweet schreiben” oder “den RSS-Feed scannen” kein Multitasking, sondern lediglich eine Möglichkeit von und ADSlern die side-thoughts rauszulassen, um fokusiert zu bleiben. Und wenn man beim Thema ist kann man durchaus gute inhaltsbezogene 140er Gedanken-Infoblitze zum Panel (und den Mitlesenden) schicken. Der Subtext muss halt auch raus.
Andererseits: Die Erbärmlichkeit mancher Tweets erinnert mich an manch pupertierende Schulhof-Momente, wo man meinte einen guten Joke zu machen oder sich mal voll berechtigt aufzuregen – und alle anderen merkten, dass man nicht geschnallt hatte, worum es eigentlich ging.
Fair enough, auf dem Schulhof darf einem das mal passieren, dafür sind die da – neben raufen, mit den falschen oder richtigen Leuten rumstehen, Mädchen und schnell Hausaufgaben abschreiben.
Aber der Kindergarten auf twitterwalls kann einem berechtigterweise auf die Nerven gehen. Schulhof is over, my dears und wenn selbst ihr, die boheméske Sperrspitze der deutschen Social Media Evolution, nicht versteht, dass mit Identität auch Verantwortung einhergeht, dann haben wir da erstmal intern ne Menge Hausaufgaben zu erledigden. Und diesmal wird nicht abgeschrieben, das macht jetzt jeder mal kollaborativ mit sich selbst.
Und morgen sammele ich die Hefte ein.
@jens Großartig. Danke.
Die Kritik ist berechtigt. Natürlich sollte man davon aus gehen, dass die Zuschauer eines Panels an einer interessanten Diskussion interessiert sind und sie nicht mit frotzelnden Tweeds torpedieren.
In dem Augenblick fand ich genannte Kommentare auf der Twitterwall auch albern und deplatziert. Aber das war längst nicht die erste mit Blödsinn befleckte Twitterwall auf einem Panel. Ich verstehe die Aufregung nicht. Vielleicht liegts am Zeitpunkt: Wenn eine Social-Media-affine Gruppe zusammen kommt und es dabei nicht schafft, höflich miteinander unmzugehen – wohlbemerkt mitels der selbstgepriesenen Technologie – dann ist das für den einen beschämend und für den anderen irgendwie ehrlich.
Also ich denke, dass die Twitterwall gestern bis auf das eine Panel höflich geblieben ist und in den meisten Fällen eine Bereicherung war. Mich lenkt so etwas auch nicht ab – das noch einmal zum Thema Multi-Task-Fähigkeit (die Frauen wohl doch ziemlich oft mehr besitzen) ;) .
Und bei dem beschriebenen Panel haben sich die Tweets auch erst später so negativ und unhäflich entwickelt, als sich im Panel wirklich gar nichts bewegt hat und man weder dem Moderator noch Nico wirklich folgen konnte.
Außerdem: Wie kann man vom Publikum erwarten höflicher zu sein, als einer der berühmten Panel-Teilnehmer?!
Ich fande es eine Bereicherung und nur in wenigen Fällen zu übertrieben und zu unhöflich – aber: Pöbler und Stänkerer gibt es immer und überall – auch bei Twitter….
Dein Beitrag ist sicher fundiert und wahr. Aber warum soll der Inhalt einer TWitterwall per se besser sein als der gesellschaftliche Durchschnitt? Es kann noch soviel “Sozial Media” geben, sozialer wird dadurch gar nichts. Es ist kälter geworden, enger, beklemmender in unserer täglichen Wirklichkeit. Irgendwo muss der Frust ja raus, der Bürger hat längst nicht mehr das Gefühl etwas zu sagen zu haben, also nutzt er irgendwelchen abstrusen Ventile. Das ist schade aber verständlich. Damit dies alles wieder anders wird – fürchte ich – muss, erst die Entfernung zwischen Staat und Bürger wieder entscheidend verringert werden. Das nur als ein Aspekt. Wer das wie leisten soll vermag ich leider auch nicht zu sagen. Ich merke nur an allen möglichen Kleinigkeiten, dass es nicht mehr passt.
Jetzt habe ich Dein Thema leider enorm erweitert, aber eine befriedigende Antwort innerhalb der Gruppe der Teilnehmer, Anwesenden, Mittwitternden habe ich nicht erkennen können. Ich glaube wirklich, dass die von Dir geschilderten Ereignisse nur ein Schlaglicht auf die weit größere Problematik werfen.
@Michael Ich gebe dir da grundsätzlich recht, auch wenn es das Thema jetzt wirklich zu weit aufmacht. Einen Unterschied gibt es allerdings schon: Niemand zwingt Veranstalter dazu eine Twitterwall auf einer Bühne zu platzieren. Stellt sie raus in Foyer, in die Garderobe oder auf den Parkplatz. Hier kann man also vieles schon im Vorfeld verhindern und/oder mit bedenken. Auch Veranstalter müssen an einer guten Diskussion und einem “Diskussions-Flow” interessiert sein und zwar vor allem anderen.
Ich suche mir die Leute, denen ich folge, sehr genau aus. Warum sollte ich auf einer Konferenz plötzlich Tweets von fremden Menschen lesen wollen? Ich habe das Prinzip einer Twitterwall nie wirklich nachvollziehen können. Entweder kümmern sich die Panelteilnehmer nicht um die hinter/über ihnen erscheinenden Tweets (Was die Twitternden nervt, sie beginnen zu stänkern.) oder jeder halbwegige Mist wird aufgegriffen und die Diskussion auf der Bühne damit fahrig und immer beliebiger. Und Du hast es erwähnt, Mathias: Die Leute sind im Publikum anwesend, sie können aufstehen und fragen, wenn es so wichtig ist.
Dazu kommt:
Ich renne auch nicht auf jede Konferenz, weshalb mich die Tweets mit den üblichen verdächtigen #krzln dazu als Unteilnehmer oft in der Timeline nerven. Unzusammenhängung ist da gar kein Ausdruck. Oft habe ich Leute für die Dauer solcher Tagungen entfolgt, weil mir ein Zitat-Tweet nach dem anderen einfach auf den Sack geht. (No offense, @PickiHH – ich komm’ danach ja immer brav wieder zurück.) Wenn es mich interessierte, dann wäre ich verdammtnochmal selbst vor Ort.
Andererseits kann ich @kosmar auch ein wenig verstehen. In diesem (Deinem) besonderen Fall scheint es wohl so gewesen zu sein, daß Dich das Panel wohl ungleich mehr interessiert hat als den Rest des Publikums. Das ist dann natürlich schon blöd.
Sei’s drum, die Wall wird wohl nicht abgeschafft werden, deshalb ein konkreter Vorschlag, wenn das mit dem Rückkanal ernst genommen werden soll und nicht nur als Ausrede zur Selbstdarstellung dient:
Wenn es schon eine Twitterwall geben muß, dann wäre es statt dem Hashtag-System viel sinnvoller, die Timeline der @replies des Veranstaltungsaccount auf die Bühne zu beamen. Ich könnte den dann einfach entfolgen, gut ist. Natürlich gibt es immer Leute, die auch noch ihren letzten Bezugstweet für so wichtig für die allgemeine Menschheit halten, daß sie einen “.” vor das “@” setzen, aber ich denke, die Diskussion per Twitter bleibt so entschieden näher am Thema. Vielleicht sogar temporäre Accounts für jede(s) Panel/Session?
Noch besser fände ich allerdings, das Ganze über den Kommentarkanal eines Livestreams zu regeln. So hätten auch lediglich virtuell Anwesende die Möglichkeit der Mitverfolgung, andere bleiben ob der exibitionistischen Selbstdarstellungstendenzen des Publikums völlig verschont.
Oups, bißchen sehr lang geworden. Das (naja) Wichtige steht in der zweiten Hälfte, der Rest ist nicht recht zum Punkt kommende Einsteigerei.
Ich muss vorauschicken, dass ich eine Twitterwall noch nie live erlebt habe. Wenn ich mir jedoch den bericht durchlese muss ich den Eindruck gewinnen, dass diese moderne Form der Überkommuniktaion de facto eine Nicht-Komminikation ist. Mehr ist hiet tatsächlich weniger, sich nur an den Möglichkieten zu berauschen hat nichts mit einer Diskussionskultur zu tun. Bei allem Respekt ist das für mich Kindergarten 2.0 .
Also ich für meinen Teil habe nicht darauf gewartet, dass die x-te Vodafone oder Wolfskin Diskussion losgetreten wird.
Im Gegenteil, ich habe zum x-tem Mal gehofft, dass neue Themen diskutiert werden, dass man vielleicht mal über den Tellerrand guckt oder Dinge in Frage stellt. Ist alles nicht passiert. Sondern stattdessen die sich selbst erfüllende Prophezeiung von Nico http://lumma.de/2010/02/01/social-media-week-berlin-same-same/ die eine Panelteilnahme im Grunde bereits obsolet gemacht hat.
Ich twittere relativ häufig von Panels, ob mit oder ohne Twitterwall. In der Regel aus dem Grund, gute Sätze und Statements herauszufischen.
Ein Panel allerdings, dass zu x-ten Mal die gleichen Themen durchkaut, darf sich nicht wundern, wenn es quasi in Echtzeit abgestraft wird. Und ja, das kann dann auch mal unhöflich werden. Die Fragen (auch eine von mir) wurden vom Panel nicht aufgenommen. Von einer Interakion kann also gar nicht die Rede sein. In dieser Kombination ist die Gefahr natürlich gross, dass aus der Twitterwall “Spuck-Kügelchen” schiessen. Eine Twitterwall sollte von einem Moderator mitmoderiert werden, wenn sie schon so prominent auf der Bühne sitzt.
Und es ist ja nicht so, dass es jedes Mal so ausufert. Die Kombination aus Panel und Twitterwall kann ganz prima funktionieren. Wenn das Panel gut ist, wenn mal nicht die üblichen Verdächtigen Ringelpiez ohne Anfassen spielen.
Was vielleicht auch gut in diesen Kontext passt:
Ich finde es unhöflich und unangebracht von Panels zu twittern. Genauso unhöflich finde ich es jedoch, als Panelist oder Vortragender in ein Auditorium zu blicken, dass mich nicht einmal ansieht sondern ebenfalls ständig in Laptops oder Handys guckt. Wozu stehe ich dann eigentlich da vorne?
Unmut allenortens. Warum? Die wenigsten Vorträge in deutschen Webszene sind noch interessant genug für die Insider auf Insiderveranstaltungen.
Als deutlich bessere organisatorische Lösung habe ich übrigens die kleinen Monitore auf der Webciety (cebit) empfunden, auf die jeder Panelist gucken konnte, statt sich umdrehen zu müssen.
Fand’ die Twitterwall gestern eher bereichernd. Trolle und Selbstdarsteller nerven, klar! …man wird sie aber nicht verhindern können, es sei denn, jemand moderiert die Tweets.
Es lenkt auch total ab, wenn der ganze Saal über einen Witz-Tweet lacht und die Panel-Teilnehmer irritiert, ABER: Wenn sich jemand – wie in diesem Fall Nico – total gelangweilt, arrogant, kaugummikauend, mit dem iPhone twitternd auf die Bühne pflanzt – und noch nicht einmal mit fachlicher Kompetenz überzeugt (“Social Media ist Twitter, sind Kommentare, sind alles” – hallo?), dann ist das sehr unhöflich und mangelnder Respekt vor dem Publikum – und dann ist es doch kein Wunder, dass die Twitterwall-Reaktionen kritisch oder ebenfalls respektlos werden…
Schöner Text, aber ich glaube, Du verwechselst was: Nicht die Twitterwall ist unhöflich. Sie bildet nur ab, was das Publikum schreibt. Und das scheint eben auf manchen Veranstaltungen anders zu sein als auf anderen.
Ich habe schon viele gute Twitter/SMS-Walls erlebt. (re:publica, taz-kongress, webciety zb – bei letzter war BTW die Twitterwall auch nochmal auf dem Monitor VOR dem Panel für die Referenten sichbar, das sollte Standard sein).
Nur wenn die “Social Media Experten” im Publikum sitzen, dann wird’s oft ganz schön schräg.
Hier der beste Text zum Thema: http://www.zephoria.org/thoughts/archives/2009/11/24/spectacle_at_we.html
@sebaso Gestern gab es auch einen Monitor vor der Bühne, der aber nicht zur Entkrampfung beigetragen hat.
@all Gute Diskussion.
Da kommen wir jetzt an einen Punkt, an dem die vielgeäußerte Kritik an Twitter und die vielgescholtenen Social-Media-Kulturpessimisten Recht behalten (ja, die liegen nicht immer und 100% daneben, die Welt ist nicht schwarzweiß): Die 140-Zeichen-Fixierung und Statusmeldungsrealität schadet zumindest einer Sache massiv: Der Länge der Aufmerksamkeitsspanne. Wie man an diesem Beispiel sieht, in dem ganz klar wird: Die meisten von “uns” (die Anführungszeichen sollen sagen: ich weiß weder wirklich, ob das jetzt eine Gruppe ist oder ob ich dazu gehören will) schaffen es heute nicht mehr, sich einen Vortrag anzuhören, ohne zwischendurch mit den Handy rumzuspielen oder zig Ablenkungen zu brauchen. Mein Tipp: PC/Mac ausschalten und mal wieder einen Roman mit mehr als 500 Seiten lesen (die meisten werden sowas noch nie gemacht haben, ich empfehle es dennoch), danach sieht man einerseits die Blödeleien der ADS-User gelassener, verbreitet andererseits selbst weniger schnell rausgerotzten Mist.
Bonusgedanke: Es sind nicht die Twitterwalls unhöflich. Sondern die User. Das Medium kann auch hier, wie immer, nichts dafür.
@sebaso und @raventhird (Bonusgedanke) Das Menschen Tweets schreiben und nicht Twitterwalls, ist klar. Aber im Sinne eines schnellen Einstiegs benutzte ich die Methode der Verknappung.
Ich warte eigentlich bei jeder Veranstaltung mit Twitterwall auf/über/neben dem Podium auf einen Speaker oder Panelteilnehmer der angesichts der parallelen klowandesquen Bemerkungen einfach seine Sachen nimmt, leise “cu” sagt und von dannen zieht ;-) Spätestens dann sollte es auch das werte Twitterpublikum merken, dass sich Selbstdisziplin auszahlt.
Danke für diesen Text.
Ich frage mich ausserdem, warum sich Leute wie Johnny – den ich wirklich sehr schätze – sich langfristig überhaupt dem aussetzen sollten, reich wird man mit Podiumsdiskussionen nicht und wenn Einzelne es an Anerkennung mangeln lassen, macht es auch keinen Spass mehr. Die Tweet-o-Sphäre beschädigt so nicht nur ihre eigenen “Kinder”.
/böse on/ Das erinnert mich irgendwie an Brot und Spiele – nur dass die Gladiotoren damals nicht auf die Idee gekommen wären, freiwillig zu spielen.
/böse off/
Das Desinteresse von Panel-Teilnehmern (wie in diesem Fall Herr Lummas) ist ebenfalls unhöflich. Und zwar gegenüber den anderen Panel-Teilnehmern, dem Publikum sowie auch gegenüber dem Veranstalter.
Sorry, aber wenn sich ein Panelist wie Herr Lumma so anmassend, arrogant, inkompetent sowie desinteressiert gibt (nicht unbedingt ist!), dann muss er einfach mit Kritik rechnen.
Zugegeben, die Form der Kritik mag teilweise nicht sehr freundlich bzw. höflich ausgefallen sein, aber im Endeffekt sollte jeder Panel-Teilnehmer dankbar für diese Kritik sein. Persönliche Angriffe konnte ich zumindest keine erkennen.
Ok, zurück zur Twitterwall: ist eine Twitterwall also nur fürs digitale Klatsche da? Muss für Kritik also weiterhin analog gebuht und gepfiffen werden? Wäre das etwa höflicher gewesen?
Wie auch immer, ich bin kein Verfechter oder gar Freund von Twitterwalls, und mache meine Tweets hiervon auch nicht abhängig. Ich denke aber, dass die gehäufte Anzahl der kritischen Tweets die nicht vorhandene Qualität des fraglichen Panels deutlich belegt.
Idee: vielleicht sollten die werten Herren SocialMedia einfach ein paar Community-Manager anstellen um die Tweets vorher zu filtern? Oder vielleicht nur Panel-Teilnehmer einladen die ein wirkliches Interesse daran haben am Panel konstruktiv mitzuwirken?
dieser blogeintrag ist wahrscheinlich das beste zum thema #streit im zusammenhang mit gestern abend! aber: indem du twitterwalls bzw. twitter insgesamt anpöbelst, machst du ja eigentlich genau das, was du kritisierst, nur dass du es eben nicht an eine twitterwall schreibst, sondern in ein blog.
ausserdem gleicht inhaltliche kritik an twitter ungefähr dem versuch, mobiles telefonieren qualitätssichern zu wollen. twitter funktioniert nun mal so, wir sind alle selbstherrlich und “total witzig” und wissen alles besser, und das steht dann halt auch so im internetz.
ob man nun so eine twitterwall hinter die panelteilnehmer schiebt, halte ich für die eigentlich bessere frage, als über das zu diskutieren, was dann darauf erscheint. der witz ist ja, dass wir es immer monieren, wenn mal ein kongress keine twitterwall hat. jetzt hatten wir eine, und es war ein teilweiser fail. multitasking geht überhaupt nicht, wie wir gut sehen konnten (nahezu keine frage von der wall wurde beantwortet), auf der anderen seite hat es für heiterkeit gesorgt. unterm strich, was hat denn genaugenommen nicht gepasst?
meiner ansicht nach ist das format “panel” das problem. von 10 panels, denen ich zuhöre, ist vielleicht 1 wirklich erhellend. warum? weil der unwahrscheinliche zufall eingetreten ist, dass eloquente teilnehmer mit einem echten anliegen ohne eigenwerbung zur sache kommen. wir haben gestern viele allgemeinplätze wiederholt, obwohl das publikum einen volleinstieg ins thema verkraftet hätte. ich hab das gefühl, panels (wenn man überhaupt bei diesem format bleibt) müßten von den teilnehmern intensiver vorbereitet und spitzer thematisiert werden. in 20 minuten mal eben eine zusammengewürfelte truppe, die gerade so rechtzeitig – oder auch nicht – mit dem zug vorgefahren ist, zu einer sachlich packenden diskussion mit neuen erkenntnissen zu führen, halte ich für nahezu unmöglich. ich denke, hier ist noch ein ei des kolumbus zu entdecken.
@wikipippi Ich gebe dir absolut Recht. Vielleicht muss man einfach über den Ort diskutieren. Aber: Twitter im allgemeinen ist von meiner Kritik vollkommen ausgespart. Ich liebe Twitter.
Das Publikum hat ein feines Gespür. Und dass du gerade diesen Panel als Beispiel heran ziehst, ist: beispielhaft. Denn auf allen anderen Panels waren die Tweets meist bereichernd, unterstützend, kritisch, bezogen sich auf den Inhalt. Wenn man auf der Bühne etwas zu bieten hat, wird auch die Twitterwall nicht ablenken. Wenn man das Publikum langweilt, wirft es eben mit Papierkügelchen.
@Thomas Warum trägt das Publikum nicht zur Diskussion bei, bzw. macht das Panel besser? War das nicht der ursprüngliche Sinn einer Twitterwall?
“Wasch mich, aber mach mich nicht nass”!
“Transparenz” gilt als eine der wichtigsten Errungenschaften des Web 2.0. Twitter ist die “textbasierte Webcam”.
Was auf einer Twitterwall stattfindet ist einfach nur “das, was ist”. Es sind die Dinge, die in den Köpfen der Zuschauer und -hörer vorgehen. Es liegt an jedem einzelnen, dem Beachtung zu schenke, oder auch nicht.
Ich finde nicht die Twitterwall unhöflich. Wenn die Teilnehmer einer Podiumsveranstaltung ausschließlich der Twitterwall folgen – ist unhöflich dem Posium gegenüber. Wenn ein Podiumsteilnehmer anstatt mit dem Auditorium zu sprechen mit der Twitterwall kommuniziert – ist das unhöflich der dem Auditorium gegenüber. Wenn jemand von draußen unhöfliches twittert – dann ist das auch ohne Twitterwall unhöflich.
Wir müsssen lernen, mit den neuen Medien umzugehen. Auch der richtige Umgang mit einer Twitterwall ist Medienkompetenz.
Hey Matthias,
ich teile Deine Meinung absolut nicht. Und die gestrige Twitterwall war eine Rettung in der Not, eine direkte Reaktion auf ein schon anmaßend arrogantes und inhaltsleeres Panel. Darum war die Wall auch nur bei diesem Panel wirklich kontra, zu Recht, ich habe übrigens mitgemacht, weil ich es eine Frechheit und einen Schlag in’s Gesicht fand, was der Nico da z.B. abgezogen hat. Solchen Menschen sollte in Zukunft verboten werden, an irgend einer Diskussion teilzunehmen, so lange ihr Selbstbild nicht wieder ein wenig gerade gerückt ist. Keiner hatte gute Fragen, es gab keine guten Antworten, man hatte einfach nur Lust, sich selbst möglichst “cool” zu präsentieren. Früher hätte man da mit Eiern und Äpfeln geworfen. Da ist so eine Twitterwall doch eine gute und ehrliche Alternative. Dass da niemand schreibt, weil er grundsätzlich unhöflich zu allen ist, hast Du bei anderen Panels gesehen. Aber wenn man so geohrfeigt wird (zumindest habe ich mich in diesem Panel so gefühlt), dann bin ich dankbar über solch eine Wall direkt reagieren zu können. Deinen Unhöflichkeitspost habe ich gestern auch schon gelesen und mich direkt gefragt, ob Du a) so gar keinen Humor verstehst und b) nicht einfach nur ein Kollege von einem der Panelteilnehmer bist. Davon gab es nämlich ein paar Leute an jeder Ecke, die z.B. bei jeder dummen Kein-Bock-Antwort von Nico (ich bin wirklich immer noch wütend) siegesgewiss mitgekichert haben à la “Unser Nico macht die alle fertig.”
Die Twitterwall war in Momenten wie diesen gestern der einzige Grund, diesem Panel noch länger beizuwohnen. Inhaltlich hätte es eines der spannendsten des gesamten Tages werden können. Doch es war die mit abstand größte Gurke. “Anmaßend und unfair” – ja, dem Publikum gegenüber.
Danke Thomas. Danke twitterwall (für die Bereicherung den ganzen Tag hindurch und den Rückkanal zu einem von Arroganz und Nonsens geprägten Panel). Es war eine Frechheit, dass dieses Panel bzw. insbesondere Nico einen von Respekt geprägten Tag heruntergerissen hat.
@silent Nein, ich bin kein Kollege von Nico, auch wenn wir ähnliche Berufe haben. An vielen Stellen gebe ich dir auch recht, wurde auch schon in anderen Kommentare oben vieles gesagt. Aber: Begonnen hatte das Dilemma doch schon der Eintsieg, dass mit Nicos Blogpost vom Vorabend eigentlich schon alles gesagt war. Punkt.
Und eigentlich nicht nur da, sondern natürlich wurde auch schon auf unterschiedlichsten Panels in gleicher oder ähnlicher Konstellation, das alles schon einmal erzählt. Nur wenn man das weiß, warum kommt man dann dahin, oder schaut den Stream? Und wenn man das anprangert, warum fragt man nicht Sachen, die einen interessieren, oder vielleicht auch neu für einen sind?
Warum fällt niemanden auf, dass das Panel ganz anders hieß, als es eigentlich verlaufen ist. Nein, es ging nicht um Markting. Es ging um Organisation und Aktion. Kein Wort dazu. Keine Frage dazu.
Es ging um Werbung. Hä?
Warum steht keiner auf und sagt, dass das alles wenig bzw. entfernt nur mit dem Thema zu tun hatte?
Ihr wollt Interaktion? Dann interagiert! Eier -und Tomatentweets sind Aggression und da mache ich es am besten wie auch im richtigen Leben: Umdrehen und gehen.
Jetzt alles auf Nico zu schieben, finde ich etwas unfair. Es waren ja mehrere Leute auf der Bühne.
Und ich gebe @wikipipi Recht – das Panel-Ei muss vielleicht neu entdeckt werden.
Seltsam: Im letzten Jhr gab es beim DMMK eine moderierte Twitterwall (2 gleichzeitige Panels => minimieren von Noise) – und dafür gab’s dann in die andere Richtung massive Kritik. Funktioniert hat’s trotzdem. Es muss eben nicht jeder Rant, jede Randbemerkung auf der Wall landen. Wer all das trotzdem lesen möchte, wird in der Lage sein, die Twittersuche zu bemühen.
Oder mal provokant formuliert: Mut zur Zensur ;)
Ich sehe den Nutzen von Twitterwalls ebenfalls recht kritisch. Sie sind für Fragen von Leuten sinnvoll, die nicht anwesend sind und die Veranstaltung beispielsweise als Stream verfolgen. Solche Fragen können dann von einem Moderator aufgegriffen werden. Technisch sollte mittlerweile mindestens ein Monitor für die Diskutanten vorhanden sein, auf dem diese die Twitterwall verfolgen können, ohne die ganze Zeit auf ihr Mobilfunkgerät zu starren. Außerdem kommt es mir so vor, dass das Niveau der Twitterwall-Beiträge mit einem günstig werdenden Eintrittspreis der Veranstaltung (re-publica etc.) abnimmt.
Der Ansatz der Twitterwalls bei solchen Panels ist m.M. grundsätzlich absolut sinnvoll, wenn innerhalb des Publikums Fragen aufkommen oder Aussagen auf den Punkt gebracht werden. Insbesondere kritische Aussagen auf der Wall sollten für ein Panel bereichernd sein und die Gespräche u.U. beeinflussen. Schließlich handelt es sich hier um eine offene Diskussion und Dialog, worum es sich beim Kernthema Social Media eben auch hauptsächlich dreht. Ich hatte gestern das gleiche Empfinden zur Arroganz von Nico und war auch echt genervt, ob der Verfahrenheit des ganzen Panels. Es fehlte an Gesprächsstruktur, professioneller Moderation und wie Wikipippi schon sagte, wirklich neuen Inhalten. Ich glaube, jeder Besucher hatte wahrscheinlich ebenso wie ich gestern eine recht hohe Erwartungshaltung und wurde bitter enttäuscht. Diese Enttäuschung hat sich das Auditorium von der Seele getwimpft, leider häufig doch auch eher unprofessionell und sogar beleidigend. Es scheint als würden selbst die “Profis” aus der Social Media Szene glauben, sich immer noch hinter den digitalen Devices verstecken und die Twitterwall zum “anonymen” Bashen nutzen zu können. Letztendlich waren alle Tweets Ausdruck einer Wahrnehmung, die in einer Gemeinschaft auch bei mangelnder Substanz der Panelisten schnell ins Negative umschlagen können. Ich fühlte mich erinnert an das Panel vom nachmittag, wo Axel Roselius von seinen ersten Erfahrungen im interaktiven TV berichtete. Es war der Versuch von ungefilterter Meinungsäußerung, der trotz bestem Idealismus gescheitert ist. Trolle sind überall, auch innerhalb der eigenen Reihen. Doch sollte man klar unterscheiden, zwischen offener Kritik und simplen Bashing. Insofern empfand ich die Wall jederzeit als Bereicherung, lediglich beim Panel mit Nico, Tommy, Tobias, Björn und Volker schlug es heftig um, was meiner Meinung eben am Panel selbst lag. Aber eine gute Moderation würde sowohl in die Wall etwas mehr Struktur bringen, als auch in das Panel selbst, wie man am Beispiel von Schumacher vs. Lobo ganz gut sehen konnte. Vielleicht fürs nächste Mal einen zweiten Moderator mit einsetzen, der die Tweets aus dem Auditorium aufgreift und die übliche Fragerunde zum Schluß bereits in die laufende Diskussion mit einbringt.
Den Beitrag selbst finde ich auch nicht berechtigt. Wäre dieses Panel auch gesittet abgelaufen (gute Moderation und gute Antworten und (N)etiquette der Diskussionsteilnehmer wie lumma) hätte es auch nicht diese so äußerst “unhöflichen” Twitterposts gegeben… Und in Anbetracht der Tatsache, dass Herrschaften wie Lumma sich ja das Web 2.0 mit auf die Fahnen schreiben, dann müssen sie auch damit rechnen, wenn ihr eigenes Verhalten- welches einfach mal mehr als daneben war- auch prompt kritisiert wird…Ich sage nur: Willkommen im Web 2.0, willkommen zur Interaktion, Sie sind eingeladen mitzumachen!
Weil hier viele von berechtigter Kritik schreiben, die bei Nico an diesem Punkt auch berechtigt ist, diese Kritik habe ich gestern nicht gelesen. Aber vielleicht findet ihr sie ja noch im Stream. Ich habe bloß Ausgekotze und Gepöbel gelesen, Zoten und Witzchen. Nicht meine Definition an Kritik. Nichts zum eigentlichen Thema und wenig zum tatsächlich gesprochenen.
@Mathias
Da Du mich ja exemplarisch in Deinen Post eingebaut hast…
Ich habe themenbezogene Fragen gestellt. Diese hier gleich 2 mal.
Weil es um Organisation ging.
http://twitter.com/PickiHH/status/8550286749
http://twitter.com/PickiHH/status/8551306369
http://twitter.com/PickiHH/status/8551336367
wenn man dem publikum im rahmen einer uninteressanten diskussion die möglichkeit gibt, sich mit einem inhaltlich überflüssigen technologischen experiment selbst zu beschäftigen, welches dann auch noch rein optisch das potential hat, zum hauptakteur auf der bühne zu werden, muss man sich über dieses ergebnis nicht wundern.
bei lobo-schumacher ging es zwar inhaltlich auch nicht spannender zu, aber immerhin musste das publikum den entertainment-faktor nicht selbst beisteuern, so daß die twitterwall in den hintergrund rückte, wo sie auch hingehört.
ich bin musiker und kenne das prinzip auch ganz oldschool von konzerten: wenn auf der bühne nichts relevantes passiert, wird’s im saal laut. das kann man nicht den zuschauern vorwerfen, sondern sollte sich fragen, ob man gerade eine show abliefert, die es wert ist, daß menschen dafür ihre zeit opfern. die twitterwall tut nichts anderes, als diese konversationen auf die bühne zu verlagern und zu bündeln. das potenziert den effekt, aber letztlich ist es nur ehrlich.
und nochmal in eigener sache, da ich oben bei den zitierten rabauken bin: vielleicht war mein kommentar etwas scharf formuliert. ich wollte sicherlich niemandem persönlich zu nahe treten, im gegenteil schätze ich eigentlich alle der gestern auf der bühne anwesenden. die kombination, das thema, die moderation und die gesamte präsentation erschienen für mich jedoch einfach völlig unmotiviert (und teilweise fast frech). diesem unmut wollte ich ausdruck geben und damit war ich ja auch nicht ganz allein. ich glaube zwar nicht, daß sich jemand persönlich angegriffen gefühlt hat, sondern daß meine äusserung tatsächlich als witz aufgefasst wurde, aber wenn es so wäre, täte es mir leid.
bleibt nur noch zu sagen, daß ich twitterwalls super finde, und mit super meine ich nicht so super.
@Mathias: Ich habe insgesamt 3x die Frage an die Wall getweetet, was es mit dem zuvor undiskutierten Titel des Panels (Aktionsraum vs. Organisationsraum) auf sich habe. Einmal z.B. direkt nach dem Aufruf, dass doch bitte Fragen an die Wall geworfen werden sollen. So viel dazu.
Ein Panel ist doch normalerweise dazu da, dass viele hören, was wenige sagen. Und hinterher (!) wird diskutiert. Wenn man eine many-many-Diskussion anstoesst, erhält hat man ein anderes (!) Kommunikationsformat. Die Kombination aus beidem vereint die Nachteile beider. Ich könnte mir als Sprecher in einer Konferenz höchstens vorstellen, gezielt Fragen ans Publikum zu stellen uund diese über besondere Hashtags abzufragen #hatihnendervortraggefallen #wasmeinensiezu.
Alles andere erzeugt nur kontraproduktiven Noise.
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Aktuell sind wir vom Politcamp-Orgateam mitten in der heißen Phase der Organisation des Politcamp 10. Neben den vielen kleinen und großen Dingen gibt es auch eine Diskussion, ob wie und wo wir die Twitterwall aufstellen oder es ganz sein lassen……
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[...] Matthias Richel hat mit seinem Blogposting eine Diskussion um die immer schon umstrittene Twitterwall neu entfacht. Bei einer Twitterwall werden die Tweets zu einer Tagung gesammelt und auf eine Leinwand gebeamt. Warum diese Walls immer im Rücken der Referenten stehen ist nicht so richtig geklärt. Dennoch ist die Twitterwall selbst nicht in Frage zu stellen, sondern der Umgang mit Öffentlichkeit. [...]
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