Schreiben wie Helene Hegemann.

Update: 17. Februar 2010 Scheinbar ist das “wie” in der Überschrift nicht eineindeutig, deshalb noch einmal sehr deutlich: Das ist eine Motiv-Karikatur von mir und kein Textauszug aus Helene Hegemanns Buch, wie auch schon hier in den Kommentaren vermerkt.

„Schwanzgesichtiger Affenarsch!“
„Schrei hier nicht so rum.“
„Der Tcheche hat uns abgezogen. Scheiß Christal.“
„Ich blute.“
„Ich wusste, dass das nicht gut geht. Ich brauche Ballaststoffe.“
„Blöder Wichser. Abzieherschwein.“
„Leute, ich blute.“
„Fährt jemand mit mir zu Mäckes? Bestellungen werden ab jetzt entgegen genommen.“
„Verdammte scheiße, ich blute!“
„Was?“
„Was ist nun? Fahren wir?“
„Meine Nase blutet.“
„Das ist normal.“
„Scheiß Tcheche. Bei dem hole ich nie wieder was. Scheiß Christal.“
„Ich nehme ´nen Cheeseburger und ´n Erdbeershake.“
„Wir zelebrieren den Absturz. Ich feiere meinen Abgrund.“
„Ich habe … Ich blute.“
„Ich ficke den Tchechen.“
„Was?“
„Fahren wir jetzt? Haben wir noch was von dem Zeug?“
„Ich stehe hier nicht auf. Ich stehe hier nicht auf!“
„Scheiß Tcheche. Abzieherschwein.“
„Ich schwöre auf Gras. Gras und ich gegen den Rest der Welt. Nichts stellt sich gegen uns. Lachst du mich aus?“
„Ach, leck mich.“
„Lass diesen verquarzten Hippiedreck hier raus. Niemand interessiert sich für deinen Scheiß. Niemand, verstehst du?“
„Fahren wir jetzt endlich?“

Wie sehr mich Adoleszenzromane langweilen.

20 people like this post.

15 Comments

  1. Posted 6. Februar 2010 at 18:33 | #

    Ich verstehe es, dass einen Adoleszenz Romane langweilen.
    Meistens geht es ja dabei nur um Befindlichkeiten.
    Es gibt gute und schlechte.
    Das Buch von Helene Hegemann habe ich noch nicht gelesen.
    Trotzdem finde ich nichts verwerfliches daran wenn Leute Kunst als Ventil benutzen. Egal welchen Alters.
    Das Buch kann den einen mehr den anderen weniger interessieren gezwungen wird sowieso niemand.
    Aber vielleicht gibt es ein junges Mädchen oder einen heranwachsenden Mann da draußen die in irgendeinem Satz Trost finden.

    Sie hat sich Luft gemacht. Dinge geschrieben. Teile geklaut.
    Aber auch das ist ein Abriss unserer Popsample und Copy and Paste Kultur.
    Solche Zitate und Anspielungen finden sich in Theater und Film ständig wieder ohne Angabe irgendwelcher Quellen oder Ursprünge.

    Das einzige was einem an Helene Hegemann anstrengt ist der Hype.
    Aber auch für den ist sie nicht hundertprozentig alleine verantwortlich.
    Es ist ihr Name der ihr die Möglichkeit einbringt dass ihr Debüt Roman gleich von einer großartigen Birgit Minichmayr als Hörbuch eingesprochen wird.
    Und wir wollen Wunderkinder genauso wie wir wundervolle iPad Präsentationen wollen.

    Ich will hier keinesfalls für Helene Hegemann oder ihr Buch sprechen.
    Ich kenne sie nicht persönlich und habe auch ihren Roman nicht gelesen.
    Ich glaube nur einfach dass es schlimmeres gibt als dass sich junge Mädchen als Filmemacher oder Autoren behaupten um sich den Frust von der Seele zu schaffen.
    Darüber hinaus liest man in ihrem Zusammenhang so oft von Christoph Schlingensief, ihrem Vater, der Volksbühne oder René Pollesch.
    Leute von denen viele junge Menschen ansonsten vielleicht nie gehört hätten und deren Reiz sie vielleicht an dem großartigem Medium Theater weckt.
    Und daran kann ich wirklich nichts verwerfliches erkennen :)

  2. Mathias
    Posted 6. Februar 2010 at 18:39 | #

    @manuel Mir geht es vor allem um das immer wiederkehrende Motiv. Die Larmoyanz des eigenen Daseins, über das man beifällig hinweg geht durch das gute alte Sex, Drogen und Feierei-Dings. Zu ihrer Sprache und ihr Können möchte ich gar nichts sagen, das liest sich gut. Aber das Motiv, das Motiv. Und von Schlingensief und Volksbühne usw. haben sie auch bei Ric Graf geschrieben. Bis jetzt kam nichts mehr nach “iCool” (2006).

  3. Posted 6. Februar 2010 at 18:49 | #

    Ja ich versteh dich ja.
    Du hast ja eh recht. Aber das eigene Dasein wurde schon immer thematisiert und wird es wohl auch in Zukunft werden.
    Aber ja ich versteh es, dass es einen langweilt.
    Alles was ich sagen wollte ist, dass ich das Gefühl habe so sehr wie sie auf der einen Seite gehypt wird so sehr wird sie auf der anderen doof gefunden.

    Wer weiß was uns die gute noch bringt. Noch ist sie einfach jung und mit ihren Befindlichkeiten beschäftigt.

    Nichts für ungut :)

  4. Posted 6. Februar 2010 at 18:59 | #

    Die Textprobe begeistert mich nicht. Ich persönlich bin genau entgegen gesetzer Meinung wie Mathias: Manche Motive und Thematiken interessieren den einen persönlich mehr als den anderen, wenn aber Form und Stil kreativ sind, können die mich auch in ein für mich an und für sich belangloses Thema abholen.
    Der Auszug klingt allerdings eher nach dem next best Feuchtgebiete-Fräuleinwunder, leider nicht nach mehr.

  5. Mathias
    Posted 6. Februar 2010 at 18:59 | #

    @Manuel Kein Problem, ich will ja darüber diskutieren.
    Ich freue mich aber auch auf ihr zweites Buch.

  6. Mathias
    Posted 6. Februar 2010 at 19:01 | #

    @Kathrin Obenstehender Text ist nicht von ihr, sondern eine Motiv-Karikatur von mir.

  7. Posted 6. Februar 2010 at 19:32 | #

    Ach!
    Danke für die Aufklärung. :)

  8. Posted 6. Februar 2010 at 21:27 | #

    Bei Genre-Romanen hat halt jeder seine Vorlieben und Abneigungen. Daß sie ihre Berechtigung haben, hat schon ein Vorkommentator dargelegt.

    Mir persönlich ging diese Welle von “So war meine Jugend in den 80ern”-Nostalgieschriften vor einigen Jahren ziemlich auf den Zeiger. Einige davon mögen für sich genommen (Strunks Fleischgemüse) gar nicht schlecht gewesen sein, aber in der Masse haben sie nur noch genervt. Und daß da selbst Leute wie Rocko Schamoni (Dorfpunks) eingestiegen sind, unter aller Kanone.

  9. Posted 7. Februar 2010 at 13:14 | #

    Ah, sie liest whudat.:)

  10. Annika
    Posted 8. Februar 2010 at 21:46 | #

    @Mathias – welche Larmoyanz? Ich sehe da kein rührseeliges junges Mädchen in Opferrolle sondern, im Gegenteil, jemanden der den Tod seiner Mutter miterleben musste und sich nun versucht selbstzubehauptet. (unabhängig davon Dank an dieser Stelle für Manuel Brauns erstes Kommentar).
    Nichts ist einfacher als jüngere Menschen in ihren Lebenserfahrungen und Problemen zu belächeln, nur weil man selbst schon mal irgendwie an diesem Punkt war und sich nun nicht mehr langweilen lassen will, weil man ach so reif und erfahren ist. Wenn dich das so sehr langweilt, dann such dir vielleicht jemanden auf Augenhöhe an dem du Kritik üben kannst. Wenn man dein Interesse an Helene Hegemann auf facebook etc. verfolgt, scheint mir doch eher eine gewisse Genugtuung damit einerzugehen, dass der minderjährige Feuilleton-Liebling nun in Kritik gerät.
    Liebe Grüße, Annika

  11. Mathias
    Posted 8. Februar 2010 at 21:52 | #

    @Annika Du täuschst dich. Dazu aber gern morgen mehr. Schade finde ich, dass du mir nachrecherchierst und darauf hier eingehst (und dabei irrige Schlüsse ziehst), selbst aber nicht sagst, in welcher Beziehung du zu H. Hegemann stehst, gerade als Regisseurin ihres Buchtrailers.

  12. Annika
    Posted 8. Februar 2010 at 22:12 | #

    Ich recherchier dir nicht nach, wir sind Facebookfreunde. Und ja, ich bin mit Helene befeundet, was nichts zur Sache tut, wie ich finde, da ich nicht für sie in die Bresche springen will, sondern deinen Kommentar kritisiere. Du hast mein Namen und meine Mailadresse, ich will hier gar nichts vertuschen. Wenn ich irrige Schlüsse ziehe, freu ich mich um so mehr auf deine morgige Klarstellung. Und sollte der Vorwurf dir gegenüber ungerechtfertig sein, so will ich ihn zurück nehmen.

  13. Mathias
    Posted 8. Februar 2010 at 22:16 | #

    @Annika Ich sehe mich nicht in der Situation, mich zu rechtfertigen zu müssen, geschweige denn etwas klarzustellen?! Ich werde aber morgen versuchen, mich mit tatkräftiger Unterstützung dem Mashup-Gedanken zu nähern und zu gucken, was der Hegemann-Text da leisten kann und eben auch total verkackt.

  14. Annika
    Posted 9. Februar 2010 at 02:43 | #

    @Mathias
    Du has recht, du musst dich überhaupt nicht rechtfertigen. Ich dachte nur, wenn man irrige Schlüsse zieht, dann wird einem auch gesagt warum.
    Mir ging es auch gar nicht um irgendeinen Mashup-Gedanken den Helene Hegeman postuliert. Darum geht es ja auch gar nicht hier in deinem Blogeintrag, wenn ich das richtig verstehe. Sondern meine Kritik richtet sich an die überhebliche Art und Weise über einen, wegen meiner nennen wir es Adoleszenzroman einer 17-jährigen zu urteilen, den du, der Ende 20 ist (oder gar schon 30?), anscheinend so retadierendt findest, dass er keine Berechtigung zu haben scheint. Und diesen herab lächeln und dieses Absprechen von Prioritäten von Erfahrungen und Problemen, dass fand ich irgendwie arm. Und wie gesagt, es schien mir eher den Zweck zu haben eine Anti-Hegemann-Stimmung zu verbreiten (daher mein facebook-Verweis), als um deine Langeweile bei einer Coming-of-age-Lektüre.

  15. Mathias
    Posted 9. Februar 2010 at 08:06 | #

    @Annika Das ist Quatsch. Das hat doch gar nichts mit dem Alter zu tun, mir geht es ausschließlich um das immer selbe, sich wiederholende Motiv. Nicht von ungefähr, mein Verweis auf Ric Graf (Benedict Wells könnte man vllt. ebenso als aktuelles Beispiel einfügen, nur hat er hier nichts zu suchen, weil er es eben sehr gut, perspektivisch anders und neuartig gemacht hat). Mir gefällt ihre Sprache und ihr Stil. Nur finde ich ihr Motiv wahnsinnig langweilig. Und das ist doch völlig legitim.

Post a Comment

Your email is never published nor shared. Required fields are marked *

*
*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>