“New Shit in the blog” Folge Eins: Mario Barth und ich.

vorgeschlagen von Nilz Bokelberg

Mit Marios hatte ich es noch nie leicht. Das fing schon in meiner Kindheit an. Während Mario und sein schlaksiger Bruder Luigi als Super Marios Gas-Wasser-Scheiße-Abenteuer in der GameBoy-Nintendo-Welt erlebten, saß ich zuhause an meinem Sega Master System II und zockte Sonic The Hedgehog. Während Mario Basler, das Enfant Terrible der deutschen Hochgeistigkeit, 1996 zu Bayern München wechselte, entflammte gerade meine innere Fanfreundschaft zu Borussia Dortmund (Heute kann ich das endlich wieder ganz schamlos zugeben, das fiel mir in den letzten Jahren schwerer: Ja, ich bin BVB-Fan). Die Kombination Basler und München war also der erklärte Fußball-Dschihad für mich. Und vor ein paar Jahren stolperte nun auch er über die Aufmerksamkeitsschwelle meines Humorzentrums: Mario Barth.

Mario Barth funktioniert wie die gute alte Torte-Ins-Gesicht-Nummer. Man selbst glaubt schon, das Sahnebrocken in der Fresse wohl das unlustigste sind, was Clownnummern so hergeben können und trotzdem habe ich mir immer beim Heimlichgucken von “Alles nix oder?!” gewünscht, das am Ende der Show Hella von Sinnen die größte Schwarzwälder Kirsch in ihr tortenbodengroßes Gesicht gefeuert bekam. Daumen drücken für die Demütigung.

Genauso wenig konnte ich mich anfangs Mario Barth entziehen. Das war auch nicht der Ausdruck der mir angeborenen Lust am Fremdscham, sondern entsprang schon meinem tatsächlichen Interesse an Stand-Ups und Comedians. Jetzt ist auch schon die Stelle in diesem Text gekommen, in der es für das weitere Verständnis wichtig wird, nicht länger meine Empfänglichkeit für die leichte Humorkost zu verleugnen: Ich habe mir RTL Samstag Nacht angeschaut, ich lache Tränen bei “Die Nackte Kanone” (alle Teile), bekomme Bauchschmerzen vom schallenden feixen über amerikanische High-School-Film-Parodien, ich kugel mich bei Unfallvideos auf YouTube und Super-RTL und habe auch schon mal bei Atze Schröder gelacht. So. Bloß damit wir uns verstehen.

Aus Credibility-Gründen möchte ich aber auch schnell hinterherscheiben, dass mir natürlich die Kabarettisten näher sind: Die ganzen Pisperse, Retherse und Priols. Und meine Lieblingsserie sind die Simpsons. *räusper*

Nun gut, also für die letzten beiden, die jetzt hier noch mitlesen, führe ich mal weiter mein Verhältnis zum Mario aus, um damit dann endlich auch zum Schluss zu kommen.

Bei aller Schmerzbefreitheit meiner Selbst langweilt mich dieser Mann. Es ist nicht mal eine pathologische Unlustigkeit, die man ihm attestieren könnte. (Millionen Fernsehzuschauer können doch nicht irren, oder?) Mario Barths Erfolg bei der Masse ist sein Fluch bei der Kritik und in einer einfachen Satzkonstruktion herauszuarbeiten: Es ist die Vorhersagbarkeit seiner Lustigkeit. Die pointierte langweilige Realität des deutschen Mittelstands. Barth witzt heraus, was Herr und Frau Öffentlicher Dienst nicht formulieren können. Dafür knufft Herr Öffentlicher Dienst aber bei jedem “Kenn´Se?” vom Barth schmerzhaft auf die Schulter seiner Frau und kommentiert erwartungsgemäß: “Wie du.” Und andersrum. Das ist jetzt natürlich auch keine bahnbrechende Erkenntnis und vor allem ist es eines: Auch ein erwartungsgemäßes Urteil von einem, der sich für humorselektiver halten möchte, als die Masse. Und von meiner Sorte gibt es viele. Es reicht heute nicht mehr aus, Mario Barth Mario Barth sein zu lassen und ihn zu ignorieren. Heute definiert sich unsere Humorklassengesellschaft über Abgrenzung. Über Mario Barth lachen ist peinlich, Hagen Rether feiern cool. Was natürlich Blödsinn ist. Die ganzen Lehrer im Scheibenwischer-Publikum, die sich ihre sozialliberale 68er Seele streicheln lassen und jeden Puller-Witz, oder Richlings Ausflüge in den Sarkasmus immer noch mit einem “Hoho, darf man das überhaupt sagen” quittieren, sind mir als identifizierende Humortangente um Klassen peinlicher, als die Witze der Normalität von Herr und Frau Öffentlicher Dienst. Lustigkeiten zeichnen sich vor allem durch eine zentrale Tatsache aus: Sie müssen lustig sein. Nur das ist Mario Barth leider nicht, aber um das Plattitüden-Bingo zu Ende zu bringen: Humor ist wenn man trotzdem lacht.

Disclaimer: Mir wird eine optische, stimmfarbliche und humorverständliche Ähnlichkeit zu Oliver Pocher nachgesagt.

PS: Wie dieser Text geschrieben wurde, könnt ihr hier on demand nachschauen. Einfach auf den großen “Play”-Button oben rechts drücken.

Abbinder:
Was ist “New shit in the blog”? Die Antwort findet ihr hier.

Filed under: Kulturtunke

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Comments

  1. MC Winkel sagt:

    90 Minuten. Und dann noch 10 für Bild aussuchen, zurechtcutten, querlesen und “publish” drücken! Lustig, dieses Tool!

    Aber Alter: BVB? (Naja, immerhin besteht da eine “Fanfreundschaft” zu meinem Verein! :))

  2. malte sagt:

    “Ich habe mir RTL Samstag Nacht angeschaut, ich lache Tränen bei “Die Nackte Kanone” (alle Teile), bekomme Bauchschmerzen vom schallenden feixen über amerikanische High-School-Film-Parodien, ich kugel mich bei Unfallvideos auf YouTube und Super-RTL und habe auch schon mal bei Atze Schröder gelacht. So. Bloß damit wir uns verstehen.”

    Ich habe dich noch nie lachen sehen. Müsste wohl öfter mal furzen.

  3. Mathias sagt:

    Dabei kommt sehr auf den Klang an, Malte.

  4. Huck sagt:

    Ich glaube ich habe gar keinen Humor. Das letzte mal, dass ich öffentlich gelacht habe, das war Ende 1979, als man noch Otto Walkes Montags auf dem Schulhof imitierte und davon ungefähr ein halbes Jahr zehren konnte. Ich bin ja ansonsten mit Peter Alexander und Michael Schanze aufgewachsen. Ach ja, und dann hab ich nochmal gelacht, als Louis de Funes sich die Nase lang gezogen hat. Das war 1980. Und ’81, als Jerry Lewis oben aus dem Fenster gekukkt hat und gleichzeitig unten zur Tür rauslief. Das fand ich total lustig. Max Goldt fand ich auch mal lustig. Ich glaube das war 1994. Mag sein, dass ich da im Beisein meiner damaligen Mitbewohnerin auch mal gelacht habe. Aber sonst, nein. Mario Barth verachte ich zutiefst, so wie Kleinkunst, SuVs, die FDP und Kinderwägen über 1.500 Euro.

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