Sie haben Jehova gesagt. Zur Streetview-Debatte.

Ich möchte an dieser Stelle auch einen redundanten Beitrag zur Jehova-Debatte in den Ring werfen. Ich reihe mich damit ein, in die schon endlos lange Schlange der Meinungshaber und Besserwisser. Zwar weiß ich noch nicht, was es da am Ende oder Anfang dieser Schlange zu holen gibt, aber ich stehe jetzt schon mal hier, also kann ich auch bleiben.

Ähnlich verrannt hat sich diese Jehova-Debatte. Auf gleiche Art geführt von den anscheinend nur zwei Parteien dieser Diskussion: der Dafür-um-jeden-Preis-Diskutierer und die Weg-mit-dem-Dreck-Phrasierer. Zwischendrin wabern als aufzuladendes Feld noch die Medien, bespielt von ein paar populistischen Politikern.

Selten habe ich eine unnützere Diskussion erlebt, als die über Jehova. Nicht, dass es sich nicht lohnen würde über Privatsphäre und Öffentlichkeit zu diskutieren, aber so bekloppt wie um Jehova herumargumentiert wird, habe ich noch keine Auseinandersetzung über ein Netzthema empfunden.

Zunächst mal zu den Befürwortern:
Sagt mal, seit wann ist es chic geworden, sich für die monetären Interessen eines Quasi-Monopols, einer weltumspannenden Internetfirma so dermaßen ins Zeug zu legen? Denn wacht auf, darum geht es nur: Geldmaximierung. Und um nichts anderes. Vergesst den ganzen Quatsch von „Don´t be evil“ – Bullshit. Totaler Bullshit sogar. Und dieser Bullshit ist sogar legitim, absolut nachvollziehbar und nicht einmal zu kritisieren. Sich aber vor den Karren von Google spannen zu lassen und für die den Weg von Ignoranten, Falschverstehern, Tatsachenverdrehern und Populisten frei zu boxen – Fuck it! Das ist Googles Job!

Wo war denn Googles Aufklärungskampagne? Wo Googles öffentliche Jehova-Vorstellung in Deutschland? Wann haben sie versucht die Menschen mitzunehmen? Nirgendwo und niemals.
Sie sind einfach mit ihren Opels durch die Gegend gefahren, mit einem riesigen Aufbau oben drauf und haben losfotografiert. Das kann man so machen, nur sollte man sich dann nicht wundern, wenn sich die Leute fragen was das soll und das dann Menschen kommen, die diese Wissenslücke mit ihrer Interpretation der Dinge befüllen. Dieses PR-Desaster muss sich Google selbst an die Hutkrempe schmieren und sollte nicht für Herzkasper und schlaflose Nächte bei selbsternannten Rettern des Internetabendlandes sorgen.

Denn natürlich sind alle Bedenken der Menschen gegenüber Google Streetview legitim. Ja, die Menschen haben Angst. Sie haben Angst, weil sie nicht wissen was sie erwartet. Wer möchte ihnen das verübeln. Es erklärt ihnen ja auch keiner. Nirgends.

Weder Google (und nein, diese 2/1-Anzeige mit den sechs Absätzen mit Markentingblabla zählt nicht), noch die besagten Retter. Nein, stattdessen ist es wichtig, sich als Verfechter der Maximalposition „Dafür“ zu präsentieren, um sich seine progressive, total visionäre Sichtweise auf den Stand der Dinge zu beweisen. Lame Duck.

Die richtige Arbeit wäre es, statt auf Twitter etc. rumzulamentieren, von Tür zu Tür seines Mehrparteienhauses zu latschen und die Leute über Google Jehova aufzuklären, um so zu verhindern, dass irgendein Mitmieter im Haus die sinnlose Verpixelung beantragt. Dem hilft nämlich kein selbstgefälliger Tweet zur eigenen Standortbestimmung, der braucht Wissen. Dem muss man die Angst nehmen.
Und nein, die Angst nimmt man niemanden, in dem man zurückfotografiert und verpixelte Häuser doch ins Netz stellt. Wer glaubt, so etwas zu verändern, hat wenig verstanden, wenn es darum geht Menschen von etwas zu begeistern, oder wenigstens zu überzeugen. Er wäre garantiert auch kein guter Lehrer.

Nein, zurückfotografieren ist wie die zusammen gerollte Zeitung für den Hund. Das ist eine Bedrohung und gibt den Bürgern das Gefühl der Entmündigung.
Ihr wollt, dass Deutschland im Internetzeitalter ankommt? Tja, dann nehmt die Leute mit und gebt ihnen nicht das Gefühl, entrechtet zu werden. Denn ja, darum geht es hier nur: Gefühle. Und wenn diese unbegründet sind, dann wird es ja wohl ein leichtes sein, sie argumentativ hinfort zu fegen. Sowohl von Google als auch von den Netzrettern.

Und jetzt zu den Jehova-Gegnern:
Euch möchte ich gern in zwei Gruppen einteilen: Die unschuldigen Gegner und die populistischen Idioten. Euch unschuldigen Gegner fällt mir schwer, etwas vorzuwerfen. Ihr habt euch einfach nicht informiert, ihr kennt Google-Jehova nicht und habt es noch nie benutzt. Ihr wisst also einfach gar nicht über was ihr redet. Es sagt euch aber auch keiner. Im Gegenteil: Ihr werdet ausgelacht, wenn ihr euch reichlich naiv in der Zeitung mit vollem Namen und vor eurem Haus als Gegner von Jehova präsentiert und das dann auch in der Online-Ausgabe erscheint. Aber eine Frage: Hat sich jemand von diesen Auslachern danach mal bei euch gemeldet und euch Jehova gezeigt und erklärt? Oder war wenigstens mal Google da, um eine gute Nachricht für sich zu kreieren? Nein? Schade.
Macht aber nichts, eure Angst wird sich bei Einführung von Jehova legen und vielleicht werdet ihr es sogar nutzen. Auf alle Fälle werdet ihr aber fasziniert sein. Wie schon damals, bei Google Earth.

Und jetzt zu euch, ihr populistische Idioten: Und damit meine ich euch Politiker im Sommerloch und Medien mit Kalkül. Jetzt nach Regulierungen für Jehova zu schreien ist wohl der durchsichtigste Dünnpfiff auf diesem Planeten. Für was denn? Für die Länge der Widerspruchszeit? Da lacht doch Google … dafür braucht es keine gesetzliche Regelung, dafür braucht es nur ca. fünf Werksstudenten, die ein halbes Jahr länger die Einsprüche bei Google bearbeiten. Und danach nur noch zwei von ihnen, um diese nach Einführung wieder rückgängig zu machen, wenn zum Beispiel der Tourismusverband am Rad dreht, weil Bielefeld nicht bei Jehova sein wird, während alle anderen Nachbarstädte es sind. Ein Furz im Wind.
Aber er stinkt. Und ihr macht das aus Macht erhaltenden Interessen, mindestens aber weil ihr gern die Deutungshoheit über die Dinge, auch von denen ihr keine Ahnung habt, behalten wollt. Es widert mich an. Und damit meine ich auch eure „Oppositionsarbeit“ in dieser Frage, liebe Sozen und Grüne.

Und ihr, liebe Medien. Jetzt so nach der WM, nach Lena und mitten im Sommer: Nichts zu schreiben, wa? Und da helfen schon mal ein paar ängstliche Rentner, aufbrausende Politiker in Badeshorts und mit Hitzschlag gegen euren Lieblingsgegner Google. Sind das nicht auch die, von denen ihr behauptet, sie würden euren Verlagen die Geschäftsmodelle im Netz unmöglich machen, oder gleich stehlen? Eure Spiele mit der Angst der Bürger zu eurem Vorteil ist das widerlichste, was noch unter der Flagge Journalismus auflaufen darf.

Jehova!

Bild unter CC-Lizenz auf Flickr.

43 Antworten zu “Sie haben Jehova gesagt. Zur Streetview-Debatte.”

  1. DedalusRoot sagt:

    Die ganze Debatte fiele vielen leichter, wenn jeder nur einen Stein hätte… so würden sich einige überlegen, ob sie werfen und wem sie das Ding an die Birne knallen.Gut gerantet, Herr Richel!

  2. reinerwein sagt:

    zu den Populisten: da gibt es neben Idioten und Politikern auch noch einige Blogger, Twitterer und sonstige selbsternannte Internetauskenner, die man dazuzählen sollte. Die Aktion von Jens Best sehe ich genauso wie Du, aber interessantesten finde ich ja, dass es es anscheinend eine geheime „Sascha Lobo-Akademie für Selbstvermarktung“ gibt, deren ersten und bester Schüler jetzt loslegt. (Achtung: Satz enthält Ironie)Zu den Regulierung von GSV: die Widerspruchsfrist ist nur eine der angedachten Regulierungsdingen. Ich weiß nicht, ob und wie ich so eine Widerspruchsfrist finden soll, weil ich mir noch nicht einmal sicher bin, wie ich Street View finden soll.Wenn aber gegen eine Regulierung des virtuellen öffentlichen Raunes bei Street View argumentiert wird, dann möchte ich daran erinnern, dass eine Regulierung des realen öffentlichen Raumes stattfindet und auch im großen und ganzen akzeptiert wird. Beispiele: Begrenzung von Werbeflächen, Emmissionsschutz für Lärm (Fabriken, Gastwirte etc. in Wohngebieten) und „Geruch“ (der Gastwirt darf seine Friteuse nicht ohne Abluftanlage betrieben), Aufteilung der Verkehrsflächen für Auto, Fußgänger, Fahrräder etc. Die Liste kann man beliebig verlängern und zeigt, wie reguliert unser öffentlicher Raum ist. Ich kann nicht abschätzen, wie Google später Street View gestalten wird, um daraus Geld zu ziehen, aber kommerzielle Ausbeutung sollte man immer kritisch begleiten. Nicht falsch verstehen: ich bin nicht 100% dagegen, aber ich bin vorsichtig.Ich bin einfach dagegen, dass ein gewinnorientiertes Unternehmen diesen öffentlichen Raum nimmt, ihn fotografiert und damit vor vorneherein machen kann, was es will. Wir liefern schließlich den Content und der Content ist ein Abbild unseres Lebensraumes und ich will da mitreden können bzw. bei wilden Auswüchsen widersprechen dürfen.  Und noch ein anderer Gedanke: es gibt Google Maps und OpenStreetMap. Wenn man die Leute fragen würde, hey, welches von den beiden findet Ihr in Sachen Lizenz und ‚Freiheit der Daten‘ besser?, würde ich wetten, dass mehrheitlich OpenStreetMap genannt wird. Daraus könnte man ja was lernen für Street View…

  3. reinerwein sagt:

    (Args, sämtliche Zeilenumbrüche hat das blöde Formular verschluckt! Jetzt beknackter Fließtext) 

  4. Christian sagt:

    Welchen Nutzen habe ich davon, Googles Profit zu erhöhen? Was kommt nach Streetview und vor allem, welchen Schutz vor Mißbrauch gibt es? Ich denke da an pleaserobme.com etc.Und was kommt nach Streetview? Liveaufnahmen? 

  5. drikkes sagt:

    Volltreffer, Mathias! Sehr guter Text, der das Dilemma schön auf den Punkt bringt. Google sitzt jedenfalls ziemlich in der Zwickmühle. Eigentlich haben sie es sich mit ihren Fürsprechern spätestens durch die Verizon-Sache verscherzt (was einige seltsamerweise trotzdem nicht davon abhält, für den Suchmaschinisten umsonst die Werbetrommel zu rühren), andererseits ist es kein Wunder, wenn die als notorische Google-Gegner bekannten (dt.) Medien nun hämisch den Kampagnenjournalismus aus der untersten Schublade kramen.@reinerweinNeben den ganzen im Grunde positiven Raumregulierungen, die Du anführst, solltest Du fairerweise auch deren Negativauswüchse erwähnen, beispielsweise die Privatisierung des öffentlichen Raums, um zu verhindern, daß unschön anzusehende Obdachlose das Shoppingerlebnis des Ottonormalkonsumenten beeinträchtigen.

  6. Edo Z. sagt:

    Kein guter Rant, im luftleeren Raum agierendes Wichtigtun. Warum soll man dummes Verhalten (wie das der Düsseldorfer Rentner in der reaktionären Lokalpostille RP) nicht einfach als solches bezeichnen dürfen, nur weil es es um „irgendwas mit Internet“ geht, was die armen Leute ja angeblich  nicht verstehen können? Wieso sollte ich deren Erklärbär sein?Warum soll man Politiker, die sich über Street View echauffieren, aber Abschaffung des Bankgeheimnisses, den durch und durch gläsernen Bürger durch staatliche „Dateien“ aller Art, Totalerfassung durch Schufa und Co., Einwohnermeldeämter die Daten verticken usw. usw. aber einfach ignorieren oder durch ihre populistisch geprägte Beschränkung auf für „Düsseldorfer Renter“ verständliche Themen einfach ignorieren, nicht als charakterlos bezeichnen? Besonders peinlich ist da alles was aus Richtung SPD kommt, in der Opposition den „Bürgerrechteanwalt“ mimen um an der Regierung alles abzuschaffen, so viel kann man gar nicht essen…So einen standpunktlosen Rundumschlag loszulassen, den jeder retweetet, finde ich peinlich.

  7. Mathias sagt:

    @Edo Z. Warum? Weil die Wissenden schon immer den Unwissenden ihr Wissen geteilt haben. Nur so entwickelt sich etwas. Nicht durch Fronten. So entstehen (Kultur)Kriege.

    Schon einmal darüber nachgedacht, dass Google das Internet in seiner von uns wahrgenommenen und zu verteidigenden Form, vielleicht scheißegal ist? 
  8. Jens Best sagt:

    Lieber Bruder Richel, Zur Korrektur: Die Peitsche nehme ich ungern nur zur Hand, wenn es um die Förderung der Erkenntnis um Jehova geht. Ich bin sogar der Überzeugung, das die Peitsche, ja sogar die Idee der Peitsche gegen die Grundidee von Jehova ist.
    Jehova kann nur durch Erfahrung mit dem eigenen Geist größer und stärker werden. Jehova findet den Weg zum einzelnen Menschen mal schnell und mal langsam.
    Jehova wurde ja noch letztes Jahr gerne durch Evangelisten vermittelt. Diese warfen Interessierten die Eckpunkte von Jehova gerne liebevoll aber bestimmt vor die Füsse, weil sie glaubten jeder müsse ja direkt die Besonderheit von Jehova erkennen. Einfach so.
    Dem ist aber nicht so. Aus dem Mutterland der Erlösung kam dann auch irgendwann der Ruf: „Stop evangelizing, start educating.“ Und die, die es ernst meinten mit Jehova schritten von den Kanzeln herab (wenn sie überhaupt je auf einer standen) und machten sich die Hände schmutzig, um auch die Nichtversteher zu verstehen.
    Auch wenn man überzeugt ist, dass Jehova quasi jeden Lebens- und Arbeitsbereich der Menschen mittelfristig mindestens radikal, bestimmt aber definitiv verändern wird, heisst es nachwievor „Mensch geht vor Byte“ – denn schließlich soll ja sehr „social“ der Menschen (als Einzelner und als Gesamtheit) im Mittelpunkt stehen und nicht etwas der Algorithmus. Diese Vorgabe bedeutet für den Jehovianer, dass er für jeden zaghaft Interessierten die richtigen Kapitel und Tools von Jehova finden muss, wenn er ihm beim Benutzen von Jehova unterstützen will. Jehovas Welt muss in der Erlebniswelt des Nicht-Interessierten stattfinden und dort nicht immer in den Mulit-Funktions-Ausgaben verteilt werden, die die Jehova Erfahrenen gerne selbst benutzen. Eine einfache, in ihrer Funktion auf die Lebenrealität der Novizen zugeschnittene aber später ausbaufähige Version sollte der erfahrene Jehova Vermittler anbieten können. Ebenso sollte er eine Weile mit den Novizen leben, damit er deren Begeisterung in der Interaktion mit und durch Jehova, aber auch deren Momente des Zweifels teilen kann. Jehova fällt nicht einfach aus den digitalen Wolken in die Herzen eines jeden. Diese harte Erkenntnis mussten die frühen Teilhaber an Jehovas Werk in den letzten Jahren akzeptieren. Jehovas Wort gibt es auch hinsichtlich der Kostenfrage in vielerlei Ausführung. Der engagierte Jehovianer schätzt das zivilgesellschaftliche getragene Wort Jehovas am meisten, da es in der Quelle „open“ dargeboten und durch die Gemeinde „Crowd“ angereichert wird. Aber auch der engagierteste Jehovianer hat feststellen müssen, dass eine Variation der Worte und der Tools von Jehova erfolgreicher und effizienter funktioniert als die reine Lehre der Allmende (common). Ich spreche von der googlianischen Lehre.
    Diese doch sehr erfolgreiche Form des Jehova wird durch die Kräfte des Marktes umgesetzt und sie speist sich in Teilen an der dunklen Energie des sogenannten Geldes. (Eine Energie, die auch der reine Jehovianer immer noch gezwungen ist zu nutzen.) Ambivalent ist die Haltung des Jehovianes, denn er sieht, dass diese Form des Jehova, eben der sogenannte googlianische Jehova, nicht nur erfolgreicher ist als er mit seinen open-basierten Worten und Tools. Und „Damn it“ oftmals auch einfach mit den usabilitisch besseren Formen und Funktionen.
    Weinend sitzt solch ein Jehovianer gelegentlich dann an den Ufern seines openstreetmap, hält seinen Mut aufrecht durch Erinnern an den Erfolg des wikipedianischen Jehovas und lächelt leicht, da wenigsten einige seiner Kunden-Novizen verstanden haben, dass Jehova mehr ist als ein weiterer Kommunikations- und Infokanal. „Ach“, seufzt er, wenn ich doch eine Bewegung unter den Nicht-Interessierten initiieren könnte, so dass sie mein openstreetmap erblühen lassen und Open Data aus allen zugeschütteten Stuben fliessen lassen würden. Aber nein, sie verstehen nicht einmal die Worte des googlianischen Jehovas. Ja, es ist sogar so, dass sie sich erheben gegen den googlianischen Jehova, angeführt von unwissenden Politikern und anderen Machtmenschen, die fürchten nur noch Menschen sein zu müssen, wenn Jehova ihnen die Macht nimmt.
    Und so beschliesst der Beste Jünger Jehovas erzürnt zu sein. Wenigstens einmal, um zu sehen, ob nicht die provokante Wut mehr bewirken kann in diesem lahmen Haufen, der sich Gesellschaft nennt. Er rafft seine kollaborativen Mittel zusammen und wirft sich in die Arena, um für das einzustehen, was er im Glauben an Jehova als wichtig empfindet. Den Öffentlichen Raum, in dem das Gemeinsame entstehen kann. Oder wie er es nennt – das Open Web http://streetview.mixxt.de/ Liebe Frontgrüsse, möge der mobile Jehova stets mit dir seinDein Bruder Jens

  9. Jens Best sagt:

    Lieber Bruder Mathias, bitte sorge dafür, dass die Umbruchsfunktion in den Kommentaren funktioniert. Ohne sieht das alles Sch**** aus.

  10. Mathias sagt:

    Um den Kommentar-Editor kümmere ich mich. Sieht ja scheiße aus.

  11. Huck Haas sagt:

    D’Accord in allen Punkten Herr Richel. Der gesunde Menschenverstand hilft oft weiter.

  12. MC Winkel sagt:

    Danke! Großartiger Text.
    Man möchte befreit aufatmen und „endlich!“ sagen.

  13. Brett sagt:

    „Ihr seid ja alle doof, dass ihr herumdiskutiert“, finde ich als Debattenbeitrag auch ein bisschen doof. Obwohl klasse emotional geschrieben.
    Die Debatte ist verworren und es wimmelt nicht gerade von Verständnis für die Sache, gesundem Urteilsvermögen und intelligenten Argumenten, aber das ist eigentlich schnurz. Denn manchmal ist es nur wichtig, dass überhaupt geredet wird und die Dinge nicht einfach stillschweigend passieren.
    So eine Debatte bis in die BILD-Zeitungs-Population hinein ist für die „Fortschrittler“ natürlich qualvoll, aber am Ende wird sich alles filtern und die Gesellschaft hat sich wenigstens einmal relativ heftig darüber Gedanken gemacht, wie das mit den Daten und ihrem öffentlichen und versteckten Nutzen eigentlich ist.
    Da kommt etwas in Bewegung und die diskutierwütige Öffentlichkeit ist sicherlich mit ihren Überlegungen noch nicht zu Ende. Nach der ersten Halbzeit sieht es so aus, als würden die Fortschrittler mit ihrer PR-Arbeit 1:3 zurückliegen. Könnte sich aber noch ändern.
    Im übrigen hat es natürlich eine gewisse Ironie, dass die Befürworter von mehr Öffentlichkeit so wenig Vergnügen an der allgemeinen öffentlichen Debatte haben.

  14. bastiankbx sagt:

    Da hat sich ganz schön was angestaut … verständlich.
    Die, die Jehova nicht kennen, haben Angst. So wie Menschen schon immer Angst vor neuem und unbekanntem hatten.
    Die, die Jehova kennen und der Thematik einigermaßen neutral gegenüberstehen, machen Witze darüber, da die die Jehova kennen, aber nicht verstehen (Rentner, Polizeigewerkschafter, Blogger, die glauben, Mieter könnten die Außenansicht ihrer Wohnung verpixeln lassen) oder nicht verstehen wollen (Medien) reichlich Stoff dafür bieten, Witze zu machen. Glücklicher Weise grasen Humoristen wie Fips Asmussen auf anderen Themenwiesen, aber das ist ein anderes Stück Kuchen.
    Denn es gibt noch die, die Jehova kennen und verehren, zum Teil, weil es einfach zum guten Ton in der Herde gehört. Sie sehen die Sache völlig humorlos, anders sind die Steinwürfe nicht zu bewerten.
    Dabei geht es doch um die Stärke eines Monopolisten, die Schwäche der gesamten Politik, die Chancen des Internets an sich und die Risiken für die Privatsphäre (kurz SWOT). Ja, ich weiß, das mit SWOT Diagrammen ein Thema beleuchtet – und nicht vier Themen verührt werden sollten. Das Bild finde ich trotzdem passend und erklärend zugleich.
    Das Ganze ist zu komplex. Deshlab fehlt auf allen Seiten jemand, der eine Analyse gewissenhaft und zielführend betreiben könnte, weshalb Jehova schließlich nur ein Gott unter vielen sein wird, dessen Anhänger keinen weiteren Gott (daneben) dulden werden.Das Problem wird nicht gelöst -, sondern von einer neuen Diskussion abgelöst. Spätestens wenn Google, Apple und Facebook anfangen ihre Daten abzugleichen, um noch servcieorientierter agieren zu können.

  15. bastiankbx sagt:

    Das ging schnell mit den Zeilenumbrüchen. #Respekt.Gut aussehen ist ja auch wichtig in der ganzen Debatte. -> http://streetwear-optimization.com

  16. Doc sagt:

    Vielleicht könnte man ja mal die Jehova-Metapher nicht so überstrapazieren. So ist ja fast alles, außer „Jehova“ selbst, unverständlich.

  17. mspro sagt:

    Ah, dann ist ja alles wieder gut? Dann war das alles nur ein Kommunikationsproblem und die Leute können sich wieder schlafen legen? Gleich nachdem wir ihnen die Hand gestreichelt und ihnen das alles erklärt haben, mit Street View und wie wenig böse das ist?

    Nein, mein Lieber. Weder ist das die Wahrheit, noch bringt das irgendwen irgendwie weiter. Es ist nicht Street View, vor dem die Leute Angst haben. Dieses Internet, dass sie jahrelang glaubten außen vor halten zu können, steht vor ihrer Tür. Und ob wir ihnen das Händchen halten oder nicht, ob ihr Haus verpixelt wird oder nicht, es wird von dort nicht wieder weggehen. Es wird noch weiter vordringen und es gibt nichts, was die Leute dagegen tun können, außer sich damit endlich auseinander zu setzen.

    Ich kann eure Kuschelwuschelwünsche ja durchaus nach vollziehen. Aber diesen Weg können wir den Leuten nicht ersparen. Ich finde es gut von Jens, dass er da klar macht.

  18. Mathias sagt:

    @mspro Falsch. Es gibt soviel, was sie dagegen tun können. Gesetze erlassen zum Beispiel, oder sich in der Zeitung aufregen, oder immer noch Wahlen gewinnen oder Menschen befragen, die ihre Sorge äußern in klaren, für alle verständlichen Worten. Und dann kommen wir und sagen: Das ist das Internet. Fresst oder sterbt. Nur diese Worte versteht keiner und vor allem hört keiner zu – diesen Verrückten aus dem Internet.

  19. mspro sagt:

    Mathias, Gesetze sind was tolles. Hat schon mal jemand Gesetze gegen die Schwerkraft gemacht? Wär doch mal ne Idee.

    Aber du hast recht. Die Leute hören den Verrückten aus dem Internet nicht zu. Deswegen haben sie jetzt ja den Salat. Und gerade sind sie dabei wieder einzuschlummern und werden gleich morgen vom nächsten Gespenst aufgeschreckt werden.

    Aber halt. Einem hören sie zu. Einem. Jens. Denn der lässt die nicht schlafen.

  20. Mathias sagt:

    @mspro Dein Optimismus in allen Ehren, aber ich halte die Reichweitenwirkung von Jens sicher ambitionierten Projekt für relativ überschaubar. Selbst im Anfangsbuzz dieser jetzt angelaufenen Aktion, wird er schon als „Online-Terrorist“ beschrieben. Nein, so gewinnt man keine Sympathien oder weckt Verständnis … so bedient man Ressentiments. Aber auf die lässt es sich ja dann auch wieder schön zurückziehen, für den nächsten Kulturstreit. Denn der kommt ganz bestimmt, da hast du recht. Aber wenn wir diesen Erregungskreislauf endlich brechen wollen, müssen wir einsehen, das für dich Kuschelkuschelwünsche, für mich Aufklärung bedeuten. Und zwar zuallererst gar nicht von den Verrückten aus dem Internet, sondern zum Beispiel in diesem Fall Google. Und zwar nicht erst dann, wenn der deutsche Michel schon um seinen Vorgarten fürchtet. Nicht das Internet ist das Problem, nicht StreetView, mangelnde Bereitschaft zur Kommunikation von allen Seiten und das jeweils in einer Sprache, die alle verstehen und nachvollziehen können – das ist das Kernproblem und das wird es auch immer bleiben. Aber das ließe sich tatsächlich leicht ändern. Ganz ohne das Netz und einer Vision davon, sondern mit gesundem Menschenverstand. Und glaube mir, Omas und Opas sind viel anpassungsfähiger, als so mancher bornierter Netzaktivist. Dafür gibt es sogar ein Wort -> altersmilde. Kenne ich für die jüngere Generation so nicht.

  21. Peter B. sagt:

    Da sind wir ja wieder bei sixtus und lobo „Das internet ist Gott“ http://www.sixtus-vs-lobo.de/svl/video/210/ Schon ’ne Weile her. Klar werden „die Leute“ nicht umhin kommen, das war schon immer so mit diesem neuen technischen Kram (Eisenbahn, Auto, Telefon). Alles Teufelszeug. Aber damit konnte man sich arrangieren. Dem konnte man ja auch irgendwie aus dem Wege gehen. Doch mit diesem beschissneen Internet funktioniert das irgendwie nicht (bei diesem Ansatz seh ich immer die Omi vorm Kassenschalter der jetzt ganz ohne nette Kassiererin aber mit ganz vielen Tasten und einem Fernseher ausgestattet ist. Wo kann sie jetzt auf ihr Sparbuch einzahlen?). ALLE müssen sich damit auseinandersetzen ob sie nun den Irren aus dem Internet zuuhören wolle oder nicht. DAS ist das Teuflische. Und heißt Santan als Engel nicht luzifer?! Wir müssen „den Leuten“ das einfach irgendwie besser verkaufen! So nach dem Motto: „Ist es nicht ganz toll, dass man jetzt ‚Mein Haus, mein, Auto, meine Frau‘ ganz leicht überall rumzeigen kann, ganz ohne immerzu die Fotos mitschleppen zu müssen? Wir zeigen’s ihnen: Betet diesen neuen, einen Gott an und kein Taliban hat mehr ein Steinchen zu werfen. Wo soll er es auch hinwerfen, wenn er das Internet treffen will?! Amen.

  22. julian sagt:

    @mspro Sorry, aber diesen „Alternativlossprech“ kann ich nicht mehr hören. Das Internet ist keine Naturgewalt, genauso wenig wie unser Wirtschaftssystem und Gesellschaftsform. Nur weil einige, so wie auch ich , Streetview für eine gute Sache halten, haben wir noch lange nicht das Recht darüber zu befinden, was für die Gesellschaft richtig ist. Durch das gegenseitige Anschreien der Vertreter der Extrempositionen bekommt der Rest nur Ohrenschmerzen, und keiner hat dann verständlicherweise mehr Lust, zuzuhören.

  23. die_Mutti sagt:

    Nur mal so als kleiner Einwurf Männer,
    bei Google Earth/ Google Maps hat auch keiner ein Fass aufgemacht, dass irgendwo in lustigen Weltall böse „Spionage“-Sateliten rumfliegen, die unsere Welt von oben zeigen. Und selbst wenn, nutzen wir es heute wie selbstverständlich und denken nicht mehr dürber nach ob da nun nackte Leute auf dem Hausdach in Buxtehude sonnen oder irgendwo ein Haus in Flammen steht. Interessierte damals übrigens auch keinen.
    Schade, dass es wohl heute nichts wichtigeres gibt als sich darüber zu echauffieren.

    Aber wenn die ganzen Gegner dann in 2 Jahren wie wild mit ihrem megasupi Iphone12 durch die Straßen von Paris tingeln, nicht mehr hilflos weinend den so einmaligen Bäcker ihres Lebens nicht wiedergefunden zu haben, sondern heimlich freudig erregt, weil sie ganz bewusst Google Street View benutzt haben und ihn nun das Lieblingscrossaint aus den grinsenden Mundwinkeln krümelt, dann wird all das hier verpufft sein.

    Und wenn nicht, dann gebe ich endlich Google bei Google ein, damit mal Ruhe ist.

    Grüße,

    die Mutti

  24. Wolf-Dieter sagt:

    Astrein geschimpft. Hut ab!

  25. Kiki sagt:

    Nicht schlecht, der Text fasst fast alles gut zusammen. Schade, daß er nicht auf die begründeten Ängste und Sorgen der Gegner eingeht, und letztere nur in ahnungslose Offliner und aufmerksamkeitsgeile Politiker und Medien einteilt. Der Fehler wird ja gerne mal gemacht; offenbar kann sich niemand der Befürworter vorstellen, daß es auch Leute gibt, die seit Jahrzehnten begeistert online sind, Ahnung von und Interesse an technischen Neuerungen haben und genau deshalb wachsam sind, statt blind dem nächsten Bohei hinterherzujagen.

    Google schießt sich immer wieder selbst ab, in dem Moment, wo es um das Thema soziale Interaktion geht. Irgend jemand sagte mal, Google und Social, das sei wie Nerds auf dem Abschlussball – geht nicht.
    Apple hätte wie immer die Vorzüge ihrer neuesten Erfindung betont, den Leuten stundenlang begeistert erklärt, wozu genau man das alles verwenden kann und wie einfach es ist und wie man danach alle Sorgen los ist. Apple ist natürlich nicht weniger proprietär und geldgeil orientiert, aber die Sache mit dem Evangelismus, die haben sie echt drauf. Und erklärte Google Fans sind offenbar mit demselben Pinsel geteert wie ihre angebetete Firma: Sozial komplett inkompetent, fast autistisch veranlagt, aber technisch eins A drauf.

    Es gibt wahrscheinlich für den Endverbraucher sinnvolle Anwendungen von Google StreetView. Oder sagen wir mal: Ich will es hoffen. Denn bislang konnte mir niemand auch auf drängendes Nachfragen welche nennen. Hingegen hat man es wunderbar verstanden, sich über meine Sorgen und Vermutungen und pessimistische Meinung lustig zu machen. [sarcasm]Ja, den Gegner lächerlich machen – das ist ja seit jeher das erfolgversprechendste Argument, wenn man den Gegner mit ins Boot holen will.[/sarcasm]

    Insofern danke für diesen Artikel, der zumindest einige der Probleme auf den Punkt bringt.

  26. Stefan sagt:

    Gebt es doch zu: Es geht gar nicht um StreetView. Ging es nie. Es geht um irrationale Angst vor dem bösen, großen, gesichtlosen Unternehmen Google. Hassnamen wie Datenkrake, Monopolist u. ä. sind schnell zur Hand. Als ob wir uns jemals Gedanken über Monopole machen würden, wie viele Lebensmittelkonzerne teilen sich noch ganz Europa? Liefen nicht 96 % aller Computer der Welt mit einem Betriebssystem?

    Nein. Es ist mehr Neid, der aus Verunsicherung und irrationaler Angst erwächst. Warum machen die das? Die wollen doch nur unser Geld. Die sind nicht gut. Glaubt nicht „Don’t be evil“. Die sind der Teufel in Person. Die haben einen Weltbeherrschungsplan.

    Im Ernst? Sicherlich ist Google ein Unternehmen, und will als solches Geld verdienen. Das ist in Ordnung.

    Google ist nicht gesichtslos. Ich habe Bekannte, die dort arbeiten. Echt. Ganz normal. Früher war Audi ein hipper Arbeitsplatz, jetzt ist es Google. Warum? Weil Google NICHT primär an den Umsatz denkt. Dort kann man als Mitarbeiter an Projekten arbeiten, für die das Herz schlägt. Sie haben tausende von Projektteams an tausenden von Ideen und Baustellen, und bei weitem nicht nur im Internet; und wenn daraus nur ein dutzend Projekte mit Potential entspringen. Fantastisch. Wenn nicht, auch gut. Google denkt nicht vorher an Monetarisierung, sondern überlegt hinterher, ob man auch Geld damit verdienen kann.

    Dazu kommt, dass Google nur die besten und schlausten Köpfe einstellt: Einer von tausend Bewerbern wird überhaupt nur genommen.

    Google hat noch nichts in dieser Welt schlechter gemacht, allen Unkenrufen zum Trotz. Durch Google-Dienste, die für uns nur Spaß und Unterhaltung bieten, werden in Entwicklungsländern Menschenleben gerettet. Dienste, die auf den offenen Schnittstellen (APIs) aufbauen, um unterernährte Kinder schnell zu lokalisieren, Bauern, Krankheiten effizient zu bekämpfen, u.v.m.

    Google stellt fest, dass die Entwicklungen von Photovoltaik zu langsam vorangeht und entwickelt ihre eigenen Solarzellen, weitaus effizienter. Googles Server sind bereits alle klima-neutral. Google hat uns weit aus mehr gegeben, als sie uns nehmen. Und mal im Ernst? Ich habe personalisierte Werbung lieber, als mit Produkten genervt zu werden, die ich nicht einmal will oder brauche.

    Google hat etwas, was uns lange gefehlt hat: den Forscherdrang und die Inspiration vergangener Tage. Leonardo, Galileo, Kopernikus. Menschen, die die Welt besser machen wollen und nicht zuerst an ihren Umsatz denken.

  27. JST sagt:

    @mspro – Mich stimmt es traurig, dass die Garde der Internetfuzzies glaubt, die Menschheit müsste jetzt bitte mal ganz schnell das Internet verstehen. Weil die Internetfuzzies es so wollen! Diese Art der plumpen Agitation bringt null Lerneffektw und vor allem keine Erkenntnisse für die unbedarfte Mehrheit, da draußen vor dem Internet.

    Ich finde es ätzend, wenn jede Menge Social-Media-Heinis völlig unsozial, und trampelnd pro Google brüllen. Erst predigen sie jedem, der es nicht mehr hören kann, dass man zuhören und in den Dialog einsteigen muss. Und was machen sie? Überbrüllen, auslachen, Bullshit tweeten.

    Da ich selbst langjähriger Internetfuzzi bin und sogar beruflich in Berührung bin mit dem, was heute mit der Brandmarke Social Media abgestempelt wird, ärgert mich das ganz besonders.

    @Mathias: Super Text. Ich wäre glücklich, wenn ich das hätte so in Worte fassen können. ;-)

  28. Thomas sagt:

    Es ist schon befremdlich ruhig geworden um Wikileaks und Julian Assange. Könnte natürlich auch sein, dass da im Background einge Deals abgelaufen sind. Finanzielle Mittel, Straffreiheit bei der Vergewaltigungsgeschichte, einen gewissen Status, wie ihn nur Länder verleihen können, wer weiss? Immerhin fällt auf, dass nach dem anfänglichen weltweiten Hype, der seinesgleichen suchte, nunmehr gegen Null tendiert. Grüße aus Berlin

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