Hier entstehen drei Teile über unsere 14tägige Rundreise durch Israel. In Teil 1/3 ging es um die Streetart in Tel Aviv und im dritten Teil wird es im weitesten Sinne über Israel als Gesellschaft gehen. Heute aber Teil 2, über das Reisen in Israel.

Bevor wir uns in den Flieger nach Israel setzen, hatten wir uns nicht auf dieses Land vorbereitet. Ich brachte ein rudimentäres Grundwissen mit, was sich aus meinem jahrelangen Wunsch speiste, Israel zu bereisen. Seit meiner Schulzeit wollte ich dahin. Eigentlich keine Ahnung wieso, aber das Land hat mich angezogen. Im letzten Jahr mussten wir Flugtickets umbuchen und weil es im selben Preisbereich lag haben wir die Gelegenheit beim Schopf gepackt. Bis drei Tage vor Abflug haben wir uns dann nicht mehr wirklich damit beschäftigt.

Grob war klar, wir mieten uns ein Auto und fahren dann quer durchs Land. Aber dann:

Nun ist ja hinlänglich bekannt, dass ich nicht im Besitz des Führerscheins bin und so übernimmt normalerweise sie relativ klaglos die Beförderungstätigkeit. Warum sie allerdings meinte, ihren Führerschein vor Urlaubsbeginn zu Hause aussortieren zu müssen (Achtung: Nicht zu vergessen, sondern aussortieren!), ist bis heute noch nicht endgültig geklärt. Es führte allerdings dazu, dass wir den einzigen Plan, also den der Autoanmietung, vor Ort in den Papierkorb werfen konnten und wir versuchen mussten, uns so durchs Land zu kämpfen.


Das war das Beste was uns passieren konnte.

Bevor ich hier auf die Reisebesonderheiten eingehen möchte, hier ein Blick auf unsere Route. Die ersten drei Tage waren wir in Tel Aviv (H), danach drei Tage Jerusalem (E), ein Tag in En Gedi am Toten Meer (C), dreizig Minuten in Jericho (D) in den Palästinensischen Autonomiegebieten, zwei Tage in Haifa (F), drei Tage Tiberias (G) am See Genezareth und noch einmal zwei Tage Tel Aviv (H).
Den Süden von Israel haben wir dabei auf anraten ziemlich vernachlässigt.


Ohne Mietwagen mussten wir uns also auf die öffentlichen Verkehrsmittel Zug, Bus, Taxi oder Sherut verlassen. Die Sheruts fahren in und von Tel Aviv ab und sind vor allem am Sabbat ein großartiges Fortbewegungsmittel, weil der öffentliche Nahverkehr an diesem komplett ruht. Die Routen und Linien von Zug und Bus sind grundsätzlich in hebräisch ausgeschildert, was nicht abschrecken sollte: Mit englisch bekommt man meist die Information, die man braucht. Dennoch haben wir es geschafft, schon nach Ankunft am Flughafen “Ben Gurion” zwar in den richtigen Express-Zug ein-, aber fünf Stationen zu spät auszusteigen. So dass wir nicht im Tel Aviver Stadtzentrum ankamen, sondern eine Station vor Haifa.


Die Hilfsbereitschaft der Israelis ist allerdings schon fast legendär. Oft wurden wir gefragt, ob wir Hilfe bräuchten und wenn wir das verzweifelt bejahen konnten, hatten wir binnen kürzester Zeit alles was wir brauchten. Und so haben wir es dann auch nach Tel Aviv geschafft.

Entscheidend für´s Fortkommen hat sich allerdings mein iPhone erwiesen. In Israel ist die Kultur des Free-WiFi eine beneidenswert selbstverständliche. Nahezu alle Cafés und Restaurants, alle Hostels sowieso und viele private Wlans standen offener, als mein Mund deswegen.


Thema Hostels. Gebucht haben wir die mit der Hostelworld-App. Hostels sind auch in Israel eine der preiswerteren Möglichkeiten zu übernachten. Es gibt sie in nahezu jeden größeren Ort, in den wichtigsten allemal. Allerdings empfiehlt es sich, die User-Bewertungen der Hostels in der App genau zu studieren und auch danach zu buchen, auch wenn es nicht immer das billigste Hostel vor Ort ist. Ein wichtiger Hinweis, den wir selbst erst ungefähr zur Hälfte des gesamten Urlaubs beherzigten, was uns zur Einstimmung tolle Übernachtungsüberraschungen bescherte. Nicht.

Ein weiterer Tipp unter Freunden: Nehmt ruhig ein “Shared Bathroom”, anstatt eines eigenen Bads im Zimmer. Im “Shared Bathroom” wird es nicht weniger schimmlig sein, aber man hat das Zeug wenigstens nicht im Zimmer. Ein Problem, was sich ein wenig durchzog und wir auf die klimatischen und bautechnischen Vorraussetzung geschoben haben, weil die Nasszellen immer nachträglich in den Raum geklöppelt wurden und meist nicht mehr waren, als diese Plastik-Duschkabinen in groß und natürlich ohne die notwendige Belüftung. Zwei tolle Hostels kann man allerdings bedenkenlos empfehlen:
Das Citadel Youth Hostel in Jerusalem und als absolutes Highlight das Old Jaffa Hostel in Tel Aviv. Großartig, atmosphärisch und preiswert.


Apropos preiswert: Israel ist teuer. Als Berliner sind wir natürlich bei der allgemeinen Preisgestaltung verwöhnt, wundern uns also auch über beispielsweise Münchner Preise für alles, aber genau mit solchen muss man Israel auch rechnen. Wir haben zu zweit durchschnittlich 100,- Euro pro Tag ausgeben, bei völlig normalen Konsumverhalten. Sicher geht es auch noch ein bisschen billiger, allerdings wollten wir unseren Aufenthalt im heiligen Land nicht mit gleichzeitiger Askese verbinden.


Was uns nahtlos zur Religion bringt. Um die kommt man natürlich hier nicht herum. Ich weiß nicht wie viele Pilgerfahrten ich in wie vielen Religionen dieser Welt innerhalb dieser Reise hinter mich gebracht habe, aber ich müsste jetzt auf der todsicheren Seite sein. Mehr zum Verhältnis zur Religion in Israel dann morgen im dritten Teil dieser Miniserie.


Soviel nur vor weg und weil es besser hier rein passt: Fast alle Sehenswürdigkeiten, ob nun die offensichtlichen oder die zufälligen, haben irgendwie etwas mit Religion zu tun. Das ist eine einfache Gleichung:
Regionale Geschichte = (Religion x Religion)² + religiöse Orte und Gebäude.

Trotzdem kann man das auch alles ohne religiösen Bezug geniessen und mitnehmen. Das Schweben im Toten Meer gehört natürlich genauso dazu, wie das sich vor Ort mit Schlamm anzuschmieren (Sehen Sie sich das doch einmal an!).


Das wirklich spannende an diesem Land ist allerdings, dass man sich genau auf der Grenze zum Orient und zwischen Europa und Asien befindet. Irre viele Menschen unterschiedlichster Herkunft prallen hier aufeinander, noch nicht einmal mitgerechnet die massenweise Touristen und Pilger (vor allem in Jerusalem) aus der ganzen Welt. Aber so sind die sprichwörtlichen Grenzen an vielen Stellen fließend (zu den statischen Grenzen morgen mehr). Gerade in Jerusalem ist man binnen zwei Schritten im christlichen, jüdischen, muslimischen oder im armenischen Viertel und an vielen Stellen vermischt sich das alles auch unmerklich.


Das merkt man nicht zuletzt auch an den vielen Feiertagen, die allein wir mitnehmen konnten und unsere Reiseplanungen danach ausrichten mussten: Das jüdische Neujahr “Rosch ha-Schana“, das Ende des muslimischen Fastenmonats “Ramadan” und zu unserer Abreise begann “Jom Kippur“, das jüdische Versöhnungsfest.


Was wir glauben von Israel zu wissen, ist im zwei wesentlichen Faktoren geprägt: Dem Holocaust und dem Nahost-Konflikt. All das ist auch vor Ort präsent (wieder ein Verweis auf den morgigen Text), aber sofort nach der Landung im Land wird klar, dass da noch viel mehr ist. Zum Beispiel sind mehr als die Hälfte der Einwohner von Tel Aviv zwischen 20 und 30 Jahre alt. Diese Stadt lebt und vibriert, wie ich es von kaum einer anderen Stadt kenne und wir hatten tatsächlich nur einen kurzen, sehr oberflächlichen Eindruck. Die Streetart der Stadt zeigt ein wenig stellvertretend, was da geht.

Ich denke, dass die knapp zwei Wochen zu kurz waren, um Israel zu bereisen. Es zu begreifen ist sowieso unmöglich. Fest steht allerdings, dass wir wieder hinfahren.

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