Gut, dass ihr da seid! Oder: Warum das Netz konservative Bewegungen braucht.

2009 war die politische Netzwelt noch scheinbar in Ordnung. Auf der einen Seite ein Großteil der netzpolitisch ambitionierten und engagierten Menschen, die auf der von mir unterstellten links-progressiven Grundnatur vernetzender Technologien, eigene Wertvorstellungen, Ideen und Utopien entwickeln, um diese dann gegen reale netzpolitische Idiotie aber auch gegen kompromissbereite Konsenspolitik in Stellung zu bringen und auf der anderen Seite die anderen.

Mit denen hatte man nichts zu tun und die nichts mit uns. Und das ist nicht nur so ein Gefühl. Der Wahlradar belegt das anschaulich, durch die Visualisierung der Vernetzung der politischen Lager innerhalb des Internets. Der blaue Haufen ganz rechts – genau, das sind sie, diese anderen. Die Konservativen. Das Lager der CDU/CSU.


Quelle: wahlradar.de

Keinerlei Vernetzung außerhalb des konservativen Lagers weit und breit, während es in der Mitte schön gelbt, grünt und rotet. Das Konservative Lager spielte in der netzpolitischen Farbenlehre einfach überhaupt keine Rolle, ja es war nicht einmal im gleichen Theater, wie die anderen Tanzgruppen. Jetzt kann man das ganz toll finden, weil man von denen eh netzpolitisch nichts erwartet oder man ist kein ignoranter Dummkopf und findet das für alle netzpolitischen Prozesse und weit darüber hinaus fatal. Jeder freilaufende Konservative, der mit mir über das Netz spricht, wird bestätigen, dass ich immer als erstes frage: Wo sind sie, die Konservativen? Wo sind die konservativen Blogs? Wo die schwarzen Meme, Aktionen, etc. …? Wo bleibt der konservative Aufstand im Netz? Wo ist die Konfrontation außerhalb des eigenen Lagers? Ich sehe all das nicht. Es gibt auch kein konservative Netzprojekt, kein Blog, keine Initiative oder ähnliches, was bei mir nachhaltig in Erinnerung geblieben ist. Ach doch stimmt: Das hier.

Aber Spaß beseite.
In der netzpolitischen Realität ist ja tatsächlich so, dass alle Entscheidungen, die das Internet betreffen heute von Konservativen getroffen werden (mit Hilfe der Libera… mit der FDP als kleines Regulativ). Die Opposition kann da noch ein bisschen im Gegenwind kreuzen und beim Netzwahlvolk hin und wieder punkten, oder macht schlimmstenfalls gleich noch gemeinsame Sache mit den sich selbst vom Diskurs ausgrenzenden Unionsparteien.

Genug der Realität, hin zur Vision — Augen auf den Titel des Beitrags.
Spätestens mit den großen Erfolgen der ProGuttenberg-Facebookseiten (unabhängig davon wie viel davon echt ist, oder möglicherweise generiert worden sind – sie sind ein aufmerksamkeitsstarker Erfolg für das bisher unsichtbare Lager im Netz), wurde vielen auf einmal klar: Wir sind nicht allein. Und auf einmal twittert auch noch der Seibert.

Die schöne Ordnung der Netzwelt ist dahin. Aus unsichtbar wird sichtbar, aus inaktiv wird aktiv. Und das wird allen Lagern gut tun.

Drei Gründe, warum ich das begrüße und gut finde.

1.
In fast jedem netzpolitischen Diskurs der letzten Jahre, kam es zu einem erstaunlichen Effekt: Während sich das progressive Lager im Netz immer wieder in der eigenen Meinung bestätigte, sich gegen- und wechselseitig protegierte und so die vermeintlichen Mehrheiten für die eigene Position auf seiner Seite wusste, wurde dieses Gefühl immer wieder am Boden der realnetzpolitischen Politik zerschmettert. Im tagtäglichen politischen Betrieb wurden Kompromisspflichten sichtbar, die es im Netz überhaupt nicht gab und gibt. Ein Akt der Selbsttäuschung sondergleichen also. Umso größer dann die Enttäuschungen, wenn am Ende politische Ergebnisse herauskommen, die überhaupt nichts mit den gefühlten Mehrheiten im Netz zu tun haben. Ein starker und gut argumentierender konservativer Netzaktivismus könnte viel schneller dazu beitragen, die Kompromissfähigkeit einzelner Initiativen herauszufordern. Im besten Fall bringt das am Ende dieser Diskurse einvernehmliche Lösungen – ach nee, das ist zu viel Utopie. Aber ich hoffe, ihr versteht was ich damit meine.

2.
Während es im Bereich Netzpolitik zwischen den Netzpolitikern und Anhängern aller Parteien und Lager sogar noch am meisten Schnittmengen gibt, die Reibungsflächen also vergleichsweise gering sind, könnte eine konservative Netzkultur auf anderen politischen Feldern zu einem echten Plus an politischer Meinungsbildung führen. Im Internet wird mir nach wie vor viel zu wenig über realpolitische Themen diskutiert: Arbeit, Gesundheit, Bildung, Soziales, Kultur und so weiter — es gibt nicht die bekannten politischen Blogs in Deutschland, die diese heißen Eisen angehen. Ihr fragt euch, warum so etwas wie Huffington Post in Deutschland nicht gibt? Weil wir keine Eier haben uns aneinander zu reiben, es vielleicht sogar verlernt haben. Und nein, Projekte wie Carta und The European lasse ich nicht gelten; mir geht es nicht ums Rumgemeine im öffentlichen Raum, denn ich brauche keine in das Internet hinein verlängerte Talkshow. Nein, ich möchte echten Austausch von und mit fachlich versierten Menschen. Eine anwachsende konservative Netzkultur könnte das befördern, ja sogar einfordern und auf diesem weitgehend unbestellten Feld sogar die Meinungshoheit besetzen. Und dann müssen wir erst einmal kommen. Eine hervorragende Situation für einen fruchtbaren Diskurs!

3.
Erst wenn wir unsere eigenen Präsentationen akzeptieren, in denen wir erzählen, dass im sozialen Netz der Querschnitt der Bundesbürger vertreten ist, erst dann sind wir wirklich im Internet angekommen. Deshalb ist der dritte Grund ein rein egoistischer: Wahlkampf im Internet 2009? Ja, besser anders, aber auch: Wie denn, wenn der Gegner fehlt? Was die Union als Strategie im Wahlkampf ausrief – also nichts machen, nichts sagen, nicht bewegen, war auch ein Segen für die Konservativen im Netz. Man brauchte sich nicht stellen. Das würde sich mit einer starken und sichtbaren konservativen Netzkultur verändern. Ich hätte meinen Spaß.

In diesem Sinne – begrüßen wir die neuen Netzbewohner unter uns.
Kommt doch her, liebe Konservativen, wir warten schon! Buy Windows 7 Ultimate
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7 Kommentare zu “Gut, dass ihr da seid! Oder: Warum das Netz konservative Bewegungen braucht.”

  1. drikkes sagt:

    Die Konservativen nehmen das Netz in erster Linie als Dagegen-Medium wahr. (Womit sie meiner Meinung nach nicht ganz unrecht haben.) Prognose also: Die Rechten kommen im Netz erst dann richtig aus der Deckung, wenn sie auch mal Opposition sein werden.

  2. Sanníe sagt:

    Ich bitte Dich, Mathias. Das ist doch keine konservative Bewegung im Sinne von “etwas bewegen wollen”. Die kriegen ja kaum ne Demo angemeldet, geschweige denn, daß da auch Leute hingehen! Die klicken auf “Gefällt mir” und wenn sie von einem Meinungsforschungsinstitut angerufen werden, dann wählen sie wie aus den Menüs bei Burger King.

    > Ein starker und gut argumentierender konservativer Netzaktivismus
    Entschuldigung, in welchem Parallelinternet warst Du die letzten Wochen unterwegs? Hast Du Argumente vernommen,die mir entgangen sind? Nein, wir haben gerade die Bekanntschaft der Nichtwähler, Uninteressierten, ja der Unwissenden gemacht. Nach der Hamburg-Wahl habe ich mich noch geärgert, daß an diesem schönen Sonntag kaum 60% wählen gegangen sind, aber inzwischen bin ich froh darüber.

  3. Mathias sagt:

    Hallo Sannie,

    mir geht es dabei ganz wenig um Guttenberg, sondern um die Gewissheit, dass es ein konservatives Potenzial gibt, das für das Netz gehoben werden will. Zum Vorteil aller. Entwicklung, Meinungsbildung Entscheidungsprozesse geschehen nur im Diskurs – aber dafür braucht es immer ein Gegenüber. Niemanden ist geholfen, wenn man sich nur um sich selbst dreht. Aber wie geschrieben: Das ist eine Vision und ich habe die Umsetzung nicht in der Hand.

  4. Mathias sagt:

    @drikkes Könnte passen. Aber vielleicht überraschen uns ja mal ein paar von ihnen …

  5. drikkes sagt:

    Lobos letzten SpOn-Text zum THema Dagegenkultur. Hattest Du aber auch getwittert, glaube ich.
    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,753974,00.html

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  7. Johne510 sagt:

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