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Johnny hat Recht. Bevor ihr hier weitermacht, ist es deshalb sinnvoll, seinen Text zu lesen. Alternativ ein tl;tr von mir:

Unsere Inhalte gehören in erster Linie in eine eigene, dezentrale Publikationsinfrastruktur und nicht in primär auf zentrale Plattformen einzelner Unternehmen.

Richtig, Johnny? ;)

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Wie gesagt, Johnny hat Recht. Facebook, Twitter & Co. fungieren nicht nur als Häfen, sondern kontrollieren auch die Zugänge:
Welche Inhalte bleiben sichtbar, durchsuchbar und sind durch eineindeutige Links immer wieder auffindbar? Damit enteignen sie nicht die Nutzerinnen und Nutzer, aber sie bestimmen über die Zugänge. Und wer die Zugänge kontrolliert, kontrolliert auch den Markt. Aber Johnny greift an einer entscheidender Stelle zu kurz.

Natürlich ist es richtig, dass wir mehr in selbstgehosteten Blogs schreiben und wieder, back in the days, mehr untereinander verlinken und dadurch eine eigene, beständige Netzstruktur erhalten oder wieder schaffen.

Aber: Es gibt kein öffentlich-rechtliches Netz.

Unsere Seiten liegen in großen Serverfarmen globaler Hostprovider. Host- und Accessprovider sind heute nicht mehr getrennt. 1&1 bietet zum Beispiel Customized Webpakete an, die nicht nur Zugang zum Web, sondern auch gleich die eigene URL, die eigene Webseite/Blog und Mailadresse bietet und das Ganze praktischerweise zum Spottpreis gleich bei 1&1 gehostet. Strato zieht dieser Tage nach. Und was macht eigentlich Google in Zukunft? Mit Android bzw. mit seinem Nexus-Programm ist die Suchmaschine längst zum Zugangsprovider geworden. Die abrechnenden Telkos nur noch nützliches Vehikel. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Google eigene Datentarife anbietet. Und dann noch? Das lang erwartete Facebook-Handy?

Der Backbone, unsere Netzinfrastruktur, ist nicht frei und wird es auch nicht werden, nur weil wir im Frontend den Plattformanbieter wechseln. Und das ist nur eine grobe Beschreibung, über Clouddienste möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst anfangen.

Wir brauchen 2013 eine intensive Diskussion über öffentliche Räume im Netz, was sie uns bedeuten und wie wir sie erhalten bzw. wie wir sie erst einmal schaffen können!

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Ganz konkret: Wir brauchen Public Space Server!

Die österreichische Stadt Linz macht in einem Pilotprojekt vor, wie es geht. Alle Bürgerinnen und Bürger mit Hauptwohnsitz in der Stadt haben das Recht auf 1GB Speicherplatz. So werden alle zum Teil des öffentlichen Netzraums und Speicherplatz zur Daseinsfürsorge. Alle können dadurch im öffentlichen Raum eigene Blogs und Webseiten hosten. Gleichzeitig bietet Linz kostenlose Hotspot-Zugänge an, um ins Internet zu kommen.

Natürlich kann dieses Angebot nicht die Breite und Tiefe, nicht einmal alle Anforderungen an das Netz erfüllen, aber es setzt die Grundversorgung, den Universaldienst, zielführend ein, während wir noch (notwendigerweise) darüber reden, wie wir mit Breitbandausbau möglichst viele Menschen ans schnelle Netz angeschlossen bekommen.

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Und wer soll das bezahlen?
Das ist das Einfache: Die Telkos.

Ich plädiere für eine Abgabe der Accessprovider pro Anschluss.
Und weil es so schön griffig ist: Der Netzeuro.

Pro Anschluss (IMHO z.Zt. ca. 55 Mio deutschlandweit) führen die Telkos 1€ der monatlichen Nutzerentgelte ab. Das ist ausreichend, um dieses Vorhaben zu finanzieren (55Mio mtl./660Mio jährlich) und niedrig genug, damit dieser Euro im Preiskampf nicht auf die Nutzer umgeschlagen werden kann.

Das geht nicht? Doch das geht: Kinos zahlen von jedem Eintrittspreis 2,8% an die Filmförderung.

So, jetzt lasst uns ab 2013 mehr bloggen, mehr verlinken, mehr Inhalte dezentral erstellen und die Plattformen vor allem zur Distribution benutzen, aber lasst uns vor allem darüber reden, was es wirklich bedeutet:

Die Netze in Nutzerhand!

— LINK-UPDATES ZUM TEXT Samstag, 29.12. —

Comments 41

  • Ja, alles rührend, der Trend zum eigenen Blog usw. Aber ehrlich gesagt ist es angesichts der meisten getwitterten Gedanken und geinstagramten Bilder doch gar nicht tragisch, dass sie alsbald im digitalen Jenseits versickern. Es ist doch heute schon bei den allermeisten Beiträgen so, dass längere und wichtigere Dinge in Blogs wandern, während der Link zum lustigen Katzenbild, das übermorgen niemanden interessieren wird, an irgendeiner Gesichtsbuch-Pinwand verlinkt wird.

    Letztendlich wird es immer beides geben müssen: Während wichtigere und hochwertigere Inhalte möglicherweise auch auf solitären Plattformen wie Blogs zu ihren Lesern finden, so wäre doch ein Blog mit Handyfotos von vertrockneten Salatblättern eine – im Vergleich zu Instagram – verhältnismäßig einsame und traurige Angelegenheit.

    Weiterhin gebe ich zu bedenken: Was bringt ein Gigabyte-Speicher für jeden, wenn kaum einer etwas Gescheites damit anzufangen weiß. (Es ist doch in erster Linie eine Bildungs-Herausforderung und kein Wir-machen-mal-wieder-irgendeine-neue-Abgabe-für-irgendwas-das-keiner-braucht-Ding.)

    PS “Gates sollten Häfen sein, keine Kopfbahnhöfe.” – Forderungen sollten allgemein verständlich sein, keine blumigen Metaphern.

    Posted by bosch28 Dez ’12 23:28
    • Ja, völlig einverstanden. Der Speicherplatz soll aber vor allem die erreichen, die heute eben die Angebote der Zugangsprovider nutzen und sich damit binden. Wenn wir sagen, das Netz gehört dazu und verändert unsere Gesellschaft fundamental, dann muss man das Netz auch konsequent als einen Teil der Gesellschaft betrachten. Und dabei beginnt und endet die staatliche Verantwortung nicht bei der Bildung, sondern schon beim Zugang. Und weitergedacht, wie ich oben versucht habe, auch ein öffentlich-rechtlicher Sektor. Das ist ein Zusatzangebot, das es aber braucht, um nicht das Netz den frei marktwirtschaftlichen Kräften zu überlassen, die wir überall sonst versuchen zu regulieren.

      Posted by Mathias28 Dez ’12 23:34
  • Ach, und es ist ja nicht auch so, als hätte es nicht schon vor zwanzig Jahren engagierte Bürger gegeben, die gemeinnützig Server eingerichtet haben, Leuten Webspace für gemeinnützige Projekte oder persönliche Spielereien überlassen, E-Mail-Zugänge über UUCP(!) eingerichtet …  – da gab es eine ziemlich aktive Szene (in Aachen ist mir da oche.de im Kopf; in Bremen kannte ich auch mal ein paar der Beteiligten). Inwieweit es die immer noch gibt, oder die sich vornehmlich in den kommerziellen Bereich zurückgezogen haben, das habe ich persönlich nicht weiter verfolgt. (Ich bin schließlich auch kommerziell geworden.) Ich sehe das also nicht so sehr als kommunale Aufgabe; viel eher ist das doch auch eine Frage nach bürgerschaftlichem Engagement und Stiftungen oder e.V.s – aber ich bin immer sehr skeptisch, wenn auf strukturelle Herausforderungen im Internet durch zentralistische oder monolithische Systeme geantwortet werden soll. Irgendwie passt das nicht.

    Was aber in der Diskussion in meinen Augen aus den Augen verloren wird ist, dass es auf den werbeorientierten Sozialnetzwerken so viel einfacher ist, sich ein soziales Umfeld zu basteln – für eine interessierte Zuhörerschaft zu sorgen. Das dem so ist, liegt natürlich in der Natur der Sache: die Produkte sind darauf ausgerichtet, die Aufmerksamkeit und Loyalität der Benutzer zu binden. Was liegt da näher, als sie möglichst schnell und effektiv in ein soziales Geflecht zu ziehen – der wohl stärkste Bindungsfaktor, den man für solche Software erreichen kann. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass man für ein Wald- und Wiesenblog einfach viel, viel mehr Zeit, Energie und Arbeit investieren muss, um das auch nur halbwegs relevant zu bekommen und zu halten. Die Leserschaft auf Facebook und Twitter gibt es einfach schneller.

    Und nicht zuletzt: auch wenn WordPress Fortschritte gemacht hat. Was so die Verwendbarkeit, das „einfach loslegen und publizieren“ betrifft – da laufen Google Plus und Facebook noch Runden um alle selbst-gehostete Software. Auch diesen Faktor darf man bei der Debatte nicht aus den Augen verlieren.

    Ich find’ es übrigens sehr ironisch, dass auch unter diesem Beitrag die Facebook und Twitter-Buttons zu finden sind :-)

    Posted by Konrad29 Dez ’12 00:32
    • Wie gesagt, ich begreife das Netz als öffentlichen Raum und schon heute als fundamentalen Bestandteil unserer Gesellschaft, der sich in Zukunft noch drastischer in alle Lebensbereiche einschneiden wird. Aus diesem Grund braucht es dafür mehr als ehrenamtliches Engagement, oder privat finanzierte Stiftungen – es braucht den public sector – öffentlich-rechtliche Räume.

      Es ist ein zusätzliches, aber notwendiges, weil marktregulierendes Element, was allen Bürgerinnen und Bürgern Zugang zum Netz einräumt und vor allem allen die Möglichkeit vorhält, selbst aktiv im Netz zu sein.

      Deshalb gilt: Nur weil man das eine macht, muss man das andere nicht lassen. In diesem Licht sind FB- und Twitterbuttons gar nicht ironisch, sondern nützliche Werkzeuge. Ich will der Privatwirtschaft nichts verbieten – ich möchte nur, dass wir darüber nachdenken, wie frei unser Netz eigentlich wirklich ist und was zu tun ist, den gesamtgesellschaftlichen Anspruch, den wir formulieren, auch wirklich in die Tat umzusetzen.

      Posted by Mathias29 Dez ’12 00:44
  • @Bosch: Das Ding ist doch aber, dass nicht der Nutzer oder irgendwer darüber entscheidet, was “erhaltenswert” ist, oder das eben nicht ist, sondern der, der das Zeug ins Netz packt. Dafür braucht es eben auch ein wenig Vertrauen in das, was man dem geneigten Leser zumuten mag. Auf einem Blog ist das für mich spürbar, auf Facebook ist es das nicht wirklich, weil die vielleicht dafür einzusammelnden Likes langsamer kommen, als das System Facebook das hergibt.

    Und wer entscheidet denn darüber, was wichtig und hochwertig ist? Doch der, der sich heute noch die Mühe macht, dass im besten Fall in sein Blog zu packen, oder? Auch um es irgendwie zu fixen, es nicht nur der Aufmerksamkeitsspanne von 7 Minuten Twitter- oder 4 Stunden Instagram-Timeline zu überlassen.

    Und na klar, wenn es beides nicht geben müsste, wäre eines von beiden nicht da. Es geht vielleicht nur darum, das alles nicht immer nur den anderen Plattformen zu überlassen. Weil es so verdammt einfach und auch gut gemacht ist. Man sich dabei um nichts weiter mehr bemühen muss.

    Btw: Wenn du deine Instagram-Bilder gesondert auf einem Blog ablegen würdest, würde ich den Feed abonnieren. Weil das dafür sorgen würde, dass wirklich immer alles bei mir ankommen würde, was es bei Instagram nicht tut. Der kurzen und meist mobilen dafür nötigen Zeit wegen.

    Posted by Ronny29 Dez ’12 00:45
  • Portale wie Google, Facebook und Twitter, Provider wie T-Online und Vodafone sind entstanden und haben Bestand, weil da jemand einen sich stark entwickelnden Markt sah, einen mit dem Bedürfnis nach einfacher Bedienbarkeit. Der hat den früheren, zusammengesetzt aus Insellösungen technisch Versierter, nicht abeglost, sondern ergänzt, aber er droht ihn zu verdrängen und zu ersticken.

    Das Netz entstand aus technischer Notwendigkeit und für eng umrissene hochprofessionelle Zielgruppen: Wissenschaftler, Militärs. Es wurde von den Providern überall als Wurmfortsatz ihres Telefonnetzes weiterentwickelt, und ist darüber nie hinaus gewachsen. Es ist der erste weiche Standortfaktor, zugleich Bestandteil der Daseinesvorsorge, beides geworden. Es war dezentral und wird mühsam versucht es in eines zentraler Natur zu verwandeln: mit technisch unzulänglichen Lösungen bis hinauf in die Finanzen und das Rechtswesen: mit De-Mail erwähne ich nur ein glänzendes Beispiel.

    Die Ursache für unser hiesiges Versagen liegt einzig daran, das wir einem “ehemaligen” Staatsunternehmen seines auf allen Ebenen konsequenzlos durchgehen lassen: De-Mail, TollCollect & Co. wachsen auf dem selben privaten Mist wie die unzureichende Infrastruktur auf dem Land.

    Dabei wäre, und da ist ja über die Kommune Linz ein erstklassiges Beispiel angeführt, eine staatliche Lösung der einzig gangbare Weg – sowohl für den technischen als auch den inhaltlichen Zugang.

    Den Telkos gehört die Netzinfrastuktur entschädigt abgenommen, für deren Nutzung sie dann zahlen sollten. Das bei der Bahn alltägliche sollte für eine so moderne Infrastruktur wie der für das Netz auch kein Problem darstellen. Ergänzend und alternativ könnte in den Städten mit flächendeckendem WLAN Ortsungebunden der Entwicklung hin zum überwiegend mobilen Internet Rechnung getragen und Netzabdeckung auch da gewährleistet werden, wo der Einwohner in zweierlei Hinsicht kein Kabel hat.

    Gatekeeper sind das kleinste Rädchen, das es zu drehen gilt, wenn denn eine zentrale Infrastruktur erstmal geschaffen ist.

    Posted by Udo29 Dez ’12 09:52
  • Bei dem Begriff “öffentlich-rechtlich” zucke ich zusammen: Da habe ich eine existierende Infrastruktur vor Augen, die faktisch von Politikern der großen Parteien kontrolliert wird, sich “Beiräte” aus so genannten “gesellschaftlich relevanten Gruppen” – de facto: Parteien, Kirchen, Gewerkschaften – gibt, die sorgfältig darauf achten, dass die Belange ihrer Klientel gewahrt bleiben… und ähnliche lustige Entwicklungen bis hin zum neuen so genannten “Haushaltsbeitrag” über den so genannten “Beitragsservice” der öffentlichen-rechtlichen Rundfunkanstalten.

    So was dann auch noch fürs Netz, und das soll besser sein als privatrechtliche Lösungen?

    Vor Jahren, nach meiner Erinnerung auch unter einem SPD-geführten Berliner Senat, gab es kurzzeitig mal die Einrichtung einer kostenlosen (!) E-Mail-Adresse für alle Berliner, und wie viele habe ich mir auch die Adresse vorname.name@berlin.de geholt. Die dann nach relativ kurzer Zeit kostenpflichtig wurde, weil es dann auf einmal doch keine öffentlich bereitgestellte Infrastruktur war, sondern von einer Privatfirma bereedert wurde.

    Mit anderen Worten: ich bin mehr als skeptisch. Weil der Staat – immer noch? – dazu neigt, Einrichtungen der Daseinsvorsorge zu privatisieren, wenn er nur eine Chance sieht, sich da Kohle zu besorgen. Und wenn es die von Dir vorgeschlagene Netzstruktur gibt, wird sich bei genügend Teilnehmern doch bestimmt ein Unternehmen finden, dass darin Gewinnchancen sieht, und Politiker, die es gerne versilbern.

    Eine Stiftungsstruktur wäre, vielleicht, ein Ausweg. Aber gibt es auch nur annäherungsweise etwas in der absehbaren Größenordnung, was mit einer solchen Struktur funktioniert?

    • Steuerfinanzierte Netze gehören in Bürgerhand. Das gilt für alle Netze und das ist meine politische Überzeugung. Natürlich besteht deine beschriebene Herausforderung, aber ich bin in erster Linie Bürger und als der möchte ich Ansprüche an die staatliche Daseinsfürsorge stellen können und eben nicht in die “daran ändert sich eh nichts”-Resignation verfallen. Zumal man auf beschriebenen Rechenweg zumindest mal denken darf.

      Posted by Mathias29 Dez ’12 11:03
    • Dergleichen passierte übrigens auch in Hamburg: Jedem Hamburger seine @hamburg.de-Adresse, die dann später kostenpflichtig wurde – und als Ganzes hamburg.de dann zu allem Übel auch noch an den Axel-Springer-Verlag verhökert wurde.

      Was ich mich auch noch frage: Was heißt denn öffentlich-rechtliches Internet? Ein Netz, das plötzlich von Verwaltungsgremien, die aus abgehalfterten Politikern zusammensetzten, kontrolliert wird, wie es in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Fall ist? Ein Netz, aus dem dann auch unliebsame Blogger, wie einst ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender, von Politikern wie Ronald Koch einfach ausgeschaltet werden können? Was wäre dadurch gewonnen?

      Posted by bosch29 Dez ’12 15:34
    • @Thomas @bosch Genau diese Privatisierungen bei berlin.de und hamburg.de sind doch ein konkretes Beispiel für das fehlende politische Bewusstsein. Wir haben gerade einen leichten Gegenwind bei den Privatisierungen in anderen Infrastrukturen (Die “PPP nee”-Kampagne, der erfolgreiche Bürgerprotest bei den Berliner Wasserbetrieben).
      Ebenso heisst ja ein Wandel auch ein Wandel in den Institutionen. Natürlich gäbe es kein “von abgehalfterten Politikergremien” verwaltetes öffentliches Netz. Die Umsetzung ist natürlich nur dann sinnvoll, wenn es Strukturen gibt, die Bürgern Eigenständigkeit vermitteln und ermöglichen. Da würden ja nicht einfach ein paar öffentlich-rechtlicher Server hingeknallt und fertig ist der Lack.

      Naja, wie auch immer, ich wünsche mir für 2013 auf jeden Fall mal eine Diskussion über ein gemeinsam finanziertes konvergentes Medium, die nicht bereits nach 10 Zeilen in den üblichen tralala-Vorurteilen und Gedanken stecken bleibt. Reformen brauchen auch mal ein wenig Weitblick und frische Luft, damit sie überhaupt Sinn machen.

  • Been there, done that.

    1993 hatte sich in Lübeck aus der Mailboxszene ein Verein gegründet, der seinerzeit alles ehrenamtlich angeboten hat: Modem/ISDN-Einwahl, Webspace, Mail, News (auch per UUCP) — und das alles frei von Kommerz zu 100% in Bürgerhand. Das Problem ist nur, dass so eine Infrastruktur auch gepflegt werden muss, weshalb der Verein leider nach zehn Jahren gescheitert war. Und zwar auch deswegen, weil (zu) viele gerne den Nutzen haben, sich in der Freizeit aber nicht engagieren wollen. Und dann bleiben eben T-Online, GMX und Co. über. So einen Verein gibt es in Kiel übrigens noch: die Toppoint.

    Des Weiteren gibt es übrigens auch außerhalb des Web noch viele selbst verwaltete und demokratisch bestimmte Angebote, wie etwa das Usenet und IRC. Und wer das erhalten will, muss es schlicht nutzen und sich dort engagieren.

    Und das mache ich jetzt (wieder nach längerer Abwesenheit): http://blog.kbojens.de/die-freiheit-die-wir-verschenken-oder-warum-ich-bei-twitter-raus-bin/

  • Erinnert sich übrigens noch jemand wie das war, als das Telefonnetz rein hoheitliche Aufgabe war? Sagt das Stichwort FTZ-Zulassung noch jemand was? Ich bin mir nicht so sicher, dass wir die Infrastruktur so sehr politischen Prozessen ausliefern wollen.

    Und wenn, dann sehe ich da Dinge, wo solch eine Vergemeinung noch viel eher ansteht; nicht zuletzt die Energiewende hat uns vor Augen geführt, dass es da noch andere Infrastruktur gibt, die danach ruft.

    Posted by Konrad29 Dez ’12 13:06
  • Es geht um Daten- und Datenmengen, die “ausgelagert” werden. Wie sinnvoll! Wenn irgendwo ein Crash ist, sind sie weg. Gestern stand in der SZ ein Artikel, ob der PC bald ausgedient habe.

    Das Markting für Clouds ist direkt und indirekt in vollem Gange und viele finden das auch äußerst praktisch. Wer sein Blog also einem “öffentlichen” Speicherplatz anvertraut, kann auch in den sozialen Netzen schreiben. Die Gefahr, dass seine Daten irgendwann im Nirwana verschwinden, dürfte absehbar sein.

    Clouds mögen technisch eine interessante Lösung sein, real aber mit diversen Klippen ausgestattet. Ich habe mir hierzu schon vor einiger Zeit in meinem Blog Gedanken dazu gemacht http://www.buerodienste-in.de/2012/03/die-cloud-jede-wolke-ist-auch-nebel/

    Seine Blogs nicht selbst nochmals zu sichern, birgt die Gefahr, dass die Daten mit dem Provider eines Tages verschwunden sind. Es wäre schade um die investierte Zeit und Kreativität.

  • Also so sympathisch ich die Idee auch finde: Funtkionieren wird sie nicht. Facebook und Twitter und Instagramm sind doch nicht so erfolgreich, weil sie kein Geld kosten, sondern weil sie für Bedrafe und Bedürfnisse der Nutzer einfachste Lösungen anbieten. Erklär mal Deiner Mutter, wie sie ein WordPress Blog auf einem eigenen Webspace einrichtet. Und dann erklär ihr mal Twitter. Das ist ja auch genau das, was Johnny schreibt.

    Das Internet wie es seit den späten 90er existiert ist kaputt. Alles Techniken, die nur für Nerds und Geeks funktionieren. Die Menge an Know-How, die nötig ist, um ein eigenes Blog auf einem eigenen Webspace zu führen, ist so absurd hoch und mich erinnert das immer ein wenig an die Anfangszeit des Automobils, als mal stets noch ein Kurbel zum Anlassen dabei haben musste, und jeder Fahrer auch ein halber Mechaniker war.

    Nein. Wenn etwas falsch gelaufen ist, dann ist es nicht Facebooks oder Twitters Schuld, sondern unsere, weil wir, die wir es gekonnt hätten, es versäumt haben, das Internet offen UND einfach zu machen.

    Posted by ben_30 Dez ’12 13:47
    • Sehe ich komplett so, wie du und Johnny. Aber (und das ist meine Hoffnung): Freiräume, OpenSpaces, getrieben durch OpenData, OpenSource und Public Services können genau diese Innovationen begünstigen, die sich nicht sofort dem Markt stellen müssten. Diese Räume wären einen Art Kulturförderung für das Netz. Das begreife ich als durchaus als staatliche Aufgabe. Eine Möglichkeit, neben dem Markt, Dinge wachsen zu lassen. Ergänzend, nicht ersetzend.

      Posted by Mathias30 Dez ’12 14:24
    • @matthias
      (warum kann ich keine Antworten auf eine Antwort schreiben?)

      Ben hat das schon richtig erkannt. Facebook, Twitter und Instagram sind erfolgreich weil es einfach und immer dabei ist. DAS ist der Grund, warum so viele Menschen glauben, das sei das Internet.
      Wenn ich OpenData und OpenSource höre, habe ich ein Bild im Kopf welches genau das Gegenteil von einfach zeigt.

      Posted by David1 Jan ’13 14:31
    • Keine Frage, dass öffentlich-rechtlicher Webspace auch eine Kulturförderung wären. Ganz ohne Zweifel. Allerdings nur für eine kleine Elite. Und sie wären (genau deswegen) lange lange kein Gegenpol zu den Netzkonzernen.

      Posted by ben_3 Jan ’13 13:07
    • Ich denke dabei weniger an die Atelierförderung für Bildende Künstler, sondern eher an “Bibliotheksstruktur” im digitalen Zeitalter. Und das halte ich nicht für elitär, sondern sehr niedrigschwellig.

      Posted by Mathias3 Jan ’13 14:08
  • Kurz und knapp: Ich finde die Idee einer Art öffentl.-rechtl. digitalen Grundversorgung sehr schön und wunderbar einleuchtend. So schön, dass ich mich frage, warum Mensch da noch nicht früher drauf gekommen ist.
    Im zweiten Schritt frage ich mich, welche Partei in Dtl. sowas politisch durchsetzen könnte? Aber erstmal: Netzeuro! Let’s do it!!

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