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Es wurde viel gesagt: In Interviews und über Interviews.

Fakt sind: Zwei umstrittende Äußerungen.

1. Behauptung:
Peer Steinbrück möchte, dass KanzlerInnen mehr Geld verdienen.
Hier dazu der betreffende Interviewabschnitt:

“Gerhard Schröder wollte nach dem Ende seiner Kanzlerschaft mal richtig Geld verdienen. Hatten Sie nach dem Ende Ihrer Ministerzeit auch so ein Gefühl?

Nein. Dieses Gefühl gab es nie. Im Übrigen finde ich allerdings, dass manche Debatte über die Bezahlung unserer Abgeordneten bis hin zur Spitze der Bundesregierung sehr schief ist. Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin. Abgeordnete des Bundestags arbeiten fast sieben Tage die Woche, durchschnittlich zwölf bis 13 Stunden. Sie sind gemessen an ihrer Leistung nicht überbezahlt. Manche Debatte, die unsere Tugendwächter führen, ist grotesk und schadet dem politischen Engagement.

Verdient die Kanzlerin zu wenig?

Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient in Deutschland zu wenig – gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt.

Ist es nicht so, dass in der Wirtschaft zu viel und nicht in der Politik zu wenig verdient wird?

In der Wirtschaft werden Managergehälter in der Regel privatrechtlich ausgehandelt. Da hat die Politik nichts zu suchen. Die Politik kann höchstens Sorge dafür tragen, dass durch Steuern einiges abgeschöpft wird von den exorbitanten Gehältern, die teilweise gezahlt werden, oder diese nicht als Betriebsausgaben voll absetzbar sind.”

2. Behauptung:
Peer Steinbrück unterstellt Angela Merkel einen Frauenbonus.

“Angela Merkel ist beliebt, weil sie einen Frauenbonus hat. Die weiblichen Wähler erkennen in hohem Maße an, dass sie sich in ihrer Partei, aber auch jenseits davon, besonders in Europa, seit langem durchsetzt. Das ist nicht mein Nachteil, sondern ihr Vorteil.”

Nahezu alle Journalisten wolltenhaben überlesen, dass sich der “Frauenbonus” auf einen vermeintlichen Bonus bezieht, den Angela Merkel bei den Frauen hat und nicht etwa, weil Angela Merkel eine Frau ist.

In nachrichtenarmer Zeit, mit urlaubsausgedünnten, notbesetzten Redaktionen reicht ein Interview, um zwei Tage lang unterschiedliche Überschriften zu produzieren. Auch wenn nach intensiver eigenen Lektüre nichts von “Mehr Geld für Kanzler”-Interpretation übrig bleibt und vor allem nichts vom Vorwurf des Frauenbonus. Beispielhaft SPIEGEL ONLINE vom 29.12.: “Steinbrück beklagt sich über geringes Kanzler-Gehalt” und SPIEGEL ONLINE vom 30.12.: “Merkel hat einen Frauenbonus

Es wäre ein leichtes zu unterstellen, ich betriebe Medienschelte.
Es ist aber ebenso leicht zu unterstellen, die Medien betrieben Steinbrückschelte.

Ich erwarte mehr von beiden Seiten: Vom Kanzlerkandidaten (und seinem Team) und von den Medien, vor allem von solchen, die sich einmal als “Sturmgeschütz der Demokratie” bezeichneten.

Und ich erwarte, dass man das gesamte Interview liest und nicht nur Klicklieferant für Boulevardpostillen ist.

Und wenn man das getan hat, kann man sich das obige Video mit Peer Steinbrück anschauen. Wer, wie Moritz von Uslar, den “Maschinengewehr-Steinbrück” erwartet, bekommt ihn dort geliefert.

Achso, und dann noch dieser Fakt:
Bildschirmfoto 2013-01-02 um 11.53.05

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