This is the beginning.

Es war ein schöner Freitagabend im letzten Oktober, an dem ich schweigend in einem kleinem Büro im Willy-Brandt-Haus saß. Soeben wurde mir erklärt, was die SPD für den Wahlkampf 2013 plant und ich war beeindruckt. Endlich wollte die SPD das, was sie schon 2009 aus dem Obama-Wahlkampf lernen hätte können:
Die Online-Organisation aller Aktivitäten, Aktionen und vor allem eines echten Tür-zu-Tür-Wahlkampfs.

Die Idee: Zwei Plattformen – eine interne, die alle hauptamtlichen Wahlkämpfer/innen bundesweit untereinander vernetzt und auf der alle miteinander auf Augenhöhe kommunizieren, diskutieren, Materialien und vor allem Ideen und Erfahrungen austauschen sollen – hierarchiefrei und permanent. Und eine zweite Plattform, auf der sich alle Menschen anmelden können, die es wollen. Einfach nur mit der Emailadresse und der eigenen Postleitzahl. Zu diesen beiden Ideen gab es jeweils zwei Seiten DinA4 aufgeschrieben.

Ich lehnte mich zurück im Stuhl und war wirklich begeistert. Wir parlierten so eine Weile hin und her, ich gab meine ersten Ideen, Einschätzungen über mögliche Zeiträume und zu erwartende Aufwände wieder, nicht ohne auch gleich hinterher zu schieben: Freunde, ich mache das nicht. Auf gar keinen Fall. Much too big.

Dann war die Hälfte der Gesprächszeit um und ich weiß bis heute nicht, was in der zweiten Hälfte geschehen ist, was die beiden anderen Anwesenden in der Zeit mit mir gemacht haben, aber am nächsten Tag began ich das erste Grobkonzept zu schreiben.

Jetzt haben wir Mitte April. Sechs Monate, in denen nicht nur meine Haare grauer wurden und die Augenringe tiefer, sondern auch sechs Monate, in dem ich nicht nur mit einem fantastischen Team die Dinger stemmen konnte. Dennis Hantke, der als Technischer Projektleiter alles wegrockte, was in den Weg rollte und 3PC, die eine großartige Agenturleistung bei der Realisierung hingelegt haben. Interessiert, klug, lösungsorientiert, vorausschauend, schnell. Und mein Backoffice, in dem Hans-Gerd und Guido sicher nicht nur einmal in die Tischkante bissen, wenn ich wieder irgendwas Wichtiges irgendwie nicht so wichtig fand und mir trotzdem immer den Rücken freihielten. Was für ein Team! Das sich das in dieser kurzen Zeit auf diese Art und Weise zusammengefügt hat, war sicher eine der glücklichen und wichtigen Fügungen des gesamten Projekts.

Neben dem gesamten technischen Gedöns war eine andere Herausforderung, von SPD Gewünschtes mit von uns Konzipiertes in Einklang zu bringen und sich gegenseitig wieder einzufangen, wenn zu viel Luft unter die Flügeln kam oder zu bestärken, wenn auf der Strecke mal die Knie weich wurden. Das war vor allem mein Job und fast immer habe ich das auch gern gemacht.

Der SPD-Claim im Wahljahr lautet “Das Wir entscheidet.” Das kann man finden, wie man Geschmack eben findet. Und was die einen Expert/innen sagen, wird sogleich von anderen widerlegt werden. Für mich ist eines wichtig: Mit diesen beiden Plattformen wird dieser Claim mit Inhalt unterfüttert. Er ist Anspruch, der sich durch das SPD-Wahlprogramm zieht und durch den gesamten Wahlkampf. Eben nicht Top-Down, sondern im Vertrauen auf die Mobilisierungsfähigkeit der Parteimitglieder und verbunden mit der Einladung an alle, ein prägender Teil der gesamten Kampagne zu sein.

Diese Offenheit ist ein erster wichtiger und so nachhaltiger Schritt für die SPD, zu der Partei, die ich mir wünsche – die ich von der SPD erwarte zu sein.

Insbesondere nachhaltig deshalb, weil beide Plattformen eben nicht nur für den Wahlkampf da sind – sie werden auch über den 22. September hinaus genutzt werden. Sie sind Opensource, gehören vollständig der SPD, sind modular aufgebaut, deshalb einfach erweiterbar und werden permanent weiterentwickelt. Das greift tief in die Parteiorganisation ein und die Verantwortlichen im Willy-Brandt-Haus gehen bewusst diesen Schritt.

Heute ist die erste der beiden Plattformen: mitmachen.spd.de online gegangen. Die zweite folgt dann auf dem Fuße.

Es ist bis hier hin geschafft. Jetzt muss die Partei das alles mit Leben füllen und so viele Menschen wie möglich außerhalb der eigenen Parteistrukturen finden, dabei zu helfen.

In diesem Sinne, ihr seid alle eingeladen mitzumachen auf:

mitmachen.spd.de

Für mich geht die Reise weiter. Ab morgen sitze ich selbst im Willy-Brandt-Haus und unterstütze dort die Mannschaft konzeptionell und kreativ im Onlinewahlkampf.

Das Wir entscheidet. Nur so kann es gehen. Rock’n’Roll!

11 Kommentare zu “This is the beginning.”

  1. Jens sagt:

    Wow, das hast du ja wirklich echt toll gemacht.

  2. ben_ sagt:

    Wow, eine Community-Plattform auf Typo3 … ein tragisch-schöne Metapher zum Bundestagswahlkampf 2009. Weil mein Herz aber immer noch links schlägt und für Dich sowieso schon immer: Allen denkbaren Erfolg euch!

  3. Hans sagt:

    Ist das Absicht, dass bei eineme Klick auf “Alle Termine” oder “Zu den Ergebnissen” nach der Abstimmung unter “Meine Meinung” die normale SPD-Seite in einer 300px großen Kachel geöffnet wird? Ist der “Ich habe eine Stunde Zeit usw.”-Text in Kombination mit dem Zeitarbeitsclaim echt so schlau? Bräuchtet ihr nicht am dringendsten eine “Argumentationskarte” mit dem Titel “Nein, Peer Steinbrück ist nicht komplett unglaubwürdig, weil…”?

    • Mathias sagt:

      Nein, das ist ein Bug, der vom Banner selbst erzeugt wird. Das Banner wird von spd.de eingebunden und die sind beim entbuggen dran.

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