Der Wahlkampf der Anderen.

Snowden, du alter Schlingel. Du alter Whistleblower-Banause. Du, du, du! Da sitzt du auf deinem Moskauer Flughafen ganz entspannt rum und während wir uns alle fragen, was du denn da so machst und ob du die ganze Zeit auf diesen harten Stühlen schlafen musst, da hast du nichts anderes zu tun, als Wahlkampf zu machen. Für die Sozis! Also ehrlich, alter Junge, das hättest du auch leichter haben können …

Über Prism wurde viel geschrieben, aber ein Aspekt geht mir doch ganz gehörig gegen die Latichte: Die permanente Unterstellung, gerade des CDU/CSU-Lagers, sowohl von den Verantwortlichen als auch aus der schwarzen Fankurve, die gesamte Berichterstattung, der gesamte Versuch der Aufklärung, all das sei nur Wahlkampf der Opposition. Davon bin ich nicht nur genervt, mir geht da richtig einer ab, bei soviel Einblick in das Demokratieverständnis dieser Menschen.

Wir erleben den schwersten Grundrechtseinbruch seit der Wiedervereinigung und die Mädels und Jungs mit den schwarzen Shirts finden das alles nicht schlimm. Nicht aufklärungswürdig. Normal. Und alle die das Gegenteil behaupten, machen Wahlkampf.
SPIEGEL, FAZ (in linksradikalen Teilen), ZDF, Süddeutsche Zeitung, ZEIT Online, die BILD, die Bundespressekonferenz, das Parlamentarische Kontrollgremium, Fragenkataloge an Pofalla … – alles eine Teil der großen Kampagne der Opposition, um Mutti ans Leder zu wollen. Alle irren. Alle getrieben. Nur durch den Gedanken, Merkel zu stutzen, Pofalla zu stürzen und Friedrich zu fällen.

Wisst ihr was? Ein bisschen weniger Corpsgeist wäre eigentlich angemessen. Na klar, das Ding kommt zur Unzeit für die Union, denn ja, es ist Wahlkampf. Aber vielleicht ist euch, liebe UnionistInnen, schon einmal in den Sinn gekommen, dass das dem Herrn Snowden scheißegal ist. Das der Presse, die ja in Form des SPIEGELs auch noch auf Material sitzt, nichts egaler sein könnte. Das es den ParlamentarierInnen, die lieber wirklich Wahlkampf in ihren Wahlkreisen machen wollen, stattdessen aber, neben der Eurohawk-Geschichte (auch so eine Wahlkampf-Nummer der Opposition), in einer zweiten Aufklärungsrunde sitzen und versuchen ein wenig Licht in Dunkel zu bringen, auch scheißegal ist.

Liebe UnionIsten, wie hättet ihrs denn gern? Soll die Presse warten bis zum 23. September? Das Parlament bis zur neuen Legislatur? Der Herr Snowden solange ausharren am Flughafen und bitte keine Interviews? Sagt ruhig, vielleicht bekommen wir das ja noch hin und alle werfen sich vor euch in den Staub.

Kinder, eine Sache wäre doch mal schön: Schön wäre es, wenn ihr eure eigene Angst um euren eigenen Wahlkampf in dieser Sache einfach mal über Bord werfen und euch konstruktiv einbringen würdet, bei der Aufklärung. Aber das, das könnt ihr gar nicht, stimmt‘s? Ist ja Wahlkampf.

Disclaimer: Ich arbeite selbst für die Kampagne der SPD, verliere deswegen aber nicht meinen Zorn als regierter Bürger.

2 Antworten zu “Der Wahlkampf der Anderen.”

  1. drikkes sagt:

    Wir werden sehen, was vom Aufklärungswillen der SPD übrigbleibt, sollte sie Juniorpartner in einer großen Koalition werden.

  2. …und wir werden sehen, was mit der SPD passiert, wenn während des Aufklärungsprozesses herauskommt, dass die ganzen Dinge unter Ihrer Regierung oder Co-Regierung gestartet wurden!!!
    die 4 Parteien da oben sind doch alle gleich!!! AUCH DIE GRÜNEN!!!

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