Die harmonisierte Republik – Warum wir unbeweglich bleiben wollen

Spitzmarke:
Der Ausgangstext zu diesem Beitrag liegt schon seit 13 Monaten hier in den Entwürfen und dort liegt er auch immer noch. Ich habe mich verzettelt, weil mir das Thema zu groß erscheint. Aber das #NetzfragtMerkel-Interview von LeFloid mit der Kanzlerin und die mediale Rezeption davor und danach hat mich angespornt, das einmal runter zu brechen. Vielleicht reicht die Motivation danach, um das noch einmal richtig auszurollen. So here we go.

tl;dr
Wir Deutschen sind auf breiter Front harmonisiert worden. Wir werden ruhig gehalten, asymetrisch demobilisiert. Weil wir es so wollen. Wir delegieren gesellschaftliche Verantwortung an die Politik und Medien. Wir wollen keine Veränderung, Sicherheit ist uns gut genug und vertrauen denjenigen, die uns diese versprechen.

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Die Annahme

Ich habe keinerlei wissenschaftlichen Hintergrund, keine Studien, um etwas zu belegen, einzig Erfahrungswerte aus 14 Jahre Kommunikationsarbeit, einen wesentlichen Anteil davon in der politischen Kommunikation. Man wird mich also widerlegen können, ganz unbedingt sogar widersprechen, worum ich hier auch explizit bitte.

Um sich diesem Thema zu nähern, ist es zunächst einmal wichtig, sich ein Bild vom wirklichen Durchschnittsdeutschen zu machen. Elitäre Twitter- und Blogdiskurse führen dabei komplett in die Irre, vergangene Facebook-Phänomene wie „Wir wollen Guttenberg zurück“ schon eher auf die richtige Spur.

Wenn man sich umhört und einliest, interpretieren die meisten Deutschen die hohe Komplexität der politischen Themen, der Globalisierung, der Digitalisierung, das mediale Dauerfeuer und der hohe Konsumdruck als Bedrohung, gar als Gefahr. Nicht lebensbedrohlich verstanden, sondern als eher tiefen Eingriff in die Privatsphäre und der persönlichen Identifikation in der Gesellschaft. Diese permanente Befeuerung suggeriert Veränderungen und die damit verbundenen Risiken, dabei gibt es nichts mehr, dass die Deutschen am liebsten vermeiden und ausschließen würden. Im tagtäglichen Leben gilt zumeist: Konfrontation vermeiden. Es wird nicht gesprochen im Fahrstuhl!

Dass man sich für irgendetwas rechtfertigen muss, gilt als reale Angst, stattdessen sucht man sich die Bestätigung im Freundeskreis, dass man mit seinen Ansichten richtig liegt. Bitte like meine Meinung! Akzeptanz ist ein riesiger Antriebsfaktor, also wird man eher mit dem Strom schwimmen, als anzuecken. Daraus resultiert auch ein sehr starkes schwarzweiß denken, was einen immer auf der richtigen Seite wähnt, durchaus getrieben von dem starken Wunsch nach einer besseren Welt. Deshalb fühlen wir Deutschen uns sooft missverstanden, obwohl wir uns als rücksichtsvoll und fürsorglich empfinden. Nur: Dieses Selbstbewusstsein begründet aus traditionellen Werten, die wir emotional aufladen. Die fleißigen Deutschen, die pünktlichen Deutschen, die disziplinierten Deutschen. Wer will dagegen schon etwas sagen, das sind doch sehr ehrbare Attribute.

Unser gesamtes Auftreten wirkt zurückgenommen. Außerhalb gentrifizierter, urbaner Räume, also im großen Teil der Fläche Deutschlands kann man sie noch erleben: Die Dominanz des grau-beigen Sterbeflanells. Gedeckte Farben everywhere.
Unsere persönlichen Wünsche orientieren sich an unserer kleinen, privaten Scholle: Gesundheit für sich selbst und die Familie, ein eigenes Haus und Sicherheit. Die Sicherheit im Job, die Sicherheit zuhause, die Sicherheit auf der Straße, die Sicherheit des Ersparten, die Sicherheit vor der Zukunft.

Die Sicherheit, die Sicherheit, die Sicherheit.

Einfache Lösungen versprechen Sicherheit. Einfache Lösungen protegieren das schwarzweiß. Unsere reichweitenstärksten Medien geben diese Sicherheit: BILD hat die Lösung. Die RTL-Gruppe liefert die linearen Unterhaltungsshows. Folgen einer Serie haben bei uns ein Anfang und ein Ende, horizontale Erzählweisen bleiben eine Ausnahme. Wir quizen gern und mit, denn dabei können wir uns beweisen und abgrenzen. Man ist die blöd, bei der 500€-Frage schon raus! Wir suchen immer noch nach der großen Samstagabend-Show, die wieder alle vor dem Fernseher vereint und auf die sich alle verständigen können. Zum Glück gibt es den #Tatort noch.

Der Wocheneinkauf in einem großen Center, dabei den Händlern noch ein Schnäppchen schlagen und IKEA. Das alles ist praktisch, man kennt die Laufwege und im Kühlschrank zuhause wird man nicht überrascht, außer wir gönnen uns mal etwas. Überhaupt: Das sich etwas gönnen. Ein Scherz muss auch mal sein. Es darf gelacht werden, aber nur an den richtigen Stellen, wenn auch mal in veränderten Stimmlagen: Hohoho, hat der das gerade wirklich gesagt?

Das sind wir. Ganz doll pauschalisiert. Das ist gar nicht schlecht, nicht zu stigmatisieren, aber das sind eben wir. Im Durchschnitt. Und die Politik hat gelernt darauf zu reagieren.

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Die Wirkung

Die politischen Neunziger und der Anfang der 2000er waren geprägt vom Reformeifer: Reformstau, Gesundheitsreform, Agrarreform, Rentenreform, Arbeitsmarktreform und am Höhepunkt, die HartzIV-Reform. Zunächst unabhängig von den jeweiligen Auswirkungen betrachtet, wurden wir Deutschen kommunikativ von der Politik überfordert. Die damalige rot-grüne Bundesregierung war angetreten, den Mehltau der Achtziger abzuschütteln. In einem rasendem Tempo wurde und musste regiert werden. Die Veränderungen waren gesellschaftlich notwendig, aber beschissen kommuniziert. Wie gesagt, ich möchte jetzt nicht auf die individuellen Auswirkungen der einzelnen Maßnahmen eingehen, sondern nur darauf, wie die gesellschaftliche Rezeption jede Politik danach massiv verändert hat.

Die SPD war dabei die Partei, die in diesem Prozess, für den es zu Beginn, nämlich 1998 nicht nur Verständnis sondern sogar den absoluten Willen seitens der Wähler gab, alte Gewissheiten beseitigte und die Deutschen um das so wichtige Gefühl der Sicherheit brachte. Alles stand auf dem Spiel. Nein, die Renten waren plötzlich nicht sicher, die Arbeitsplätze sowieso nicht, das Gesundheitssystem lange nicht und die Pflege schon gar nicht. Alles, worauf sich die Deutschen politisch Zweijahrzehnte lang verlassen konnten, verlor im Reformeifer seine Bedeutung. Wer waren wir eigentlich noch? Das deutsche Gefühl der Einheit, im Herzen von Europa, verlor sich angesichts schrumpfender Wirtschaft, massiv steigender Arbeitslosenzahlen, hoher Jugendarbeitslosigkeit ohne Ausbildungsgarantie und dem ausbluten ganzer (vor allem ostdeutscher) Landstriche. Identitäten gingen verloren, Sicherheiten mussten aufgegeben werden. Der ganze Fleiß, die Pünktlichkeit, die ganze Disziplin hatten nichts gebracht, angesichts sich durch die Globalisierung verstärkender Marktprozesse. Wir waren nicht mehr wer.

Schröder versuchte auch zunächst mit der ‚Politik der ruhigen Hand’ nicht vorschnell auf diese Entwicklungen zu reagieren, obwohl der Reformdruck immens war und schon vieles angestoßen, worauf ihm von Seiten der konservativen und liberalen Opposition „Untätigkeit“ vorgeworfen wurde. Getrieben von der Wirklichkeit und von der Opposition kamen dann die Hartz-Reformen.

Schröders Charisma und Fischers Wandel vom Revoluzzer zur fleischgewordenen Solidität reichten dafür als Narrativ nicht mehr aus. Rot-Grün hatte die Menschen überfordert, ausgebrannt. Das Ziel dieser Politik mag richtig gewesen sein, aber auf dem Weg dahin wurde keine Rücksicht auf notwendige konsolidierende Atempausen genommen.

Dass der SPD diese Politik heute noch nachhängt, daraus hat sie gelernt. Aber vor allem die CDU und Kanzlerin Merkel.

Das Leitthema aller politischen Debatten ist heute Stabilität und Sicherheit. Quer durch alle Ressorts. Die ‚Politik der ruhigen Hand’ Schröders ist heute der ‚Sie kennen mich, ich schaue mir das einmal an’-Politik Merkels gewichen. Wir haben die politische Art der Kommunikation erhalten, die wir im Herzen wollen: Simulierte Stabilität, verantwortungsvoller Gestus, immer um einfache, schnelle Lösungen bemüht und um diese auch so zu vermitteln, die dann möglichst keine Konsequenzen für den einzelnen bedeuten.

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Das Ergebnis

JournalistInnen und LeFloid scheitern (regelmäßig) an Angela Merkel, etwas substanzielles, oder gesellschaftlich bewegendes aus ihr herauszubekommen. Warum das so ist, nähert man sich am besten über die Frage, was denn von ihr breitgesellschaftlich erwartet wird? Die Antwort muss lauten: Genau das eben nicht.

Will man eine breite (beinahe absolute) Mehrheit erhalten, muss kommunikativ absolut vermieden werden, zu kontroversen Themen Stellung zu beziehen. Denn das polarisiert unnötig und würde die politischen Gegner mobilisieren. Nur wenn Merkel das Bild vermittelt, ab zu warten, zu zögern, zu überlegen und erst dann vermeintlich handelt, dann gibt sie uns das Gefühl von Sicherheit. Einer Sicherheit, der man vertrauen kann. Vertrauen und Sicherheit. Nicht umsonst fielen in der Griechenland-Diskussion besonders oft diese beiden Begriffe: „Verlorenes Vertrauen müsse wieder hergestellt werden, damit die Gläubiger sicher gehen können, dass …“ Das wollen wir Deutschen hören, das lässt uns zuhause auf den Sofas sitzen.

Jeder, der Merkels Position, bleiben wir kurz bei Griechenland, in dieser Frage also laut hinterfragt, gar widerspricht, argumentiert immer gegen ‚Vertrauen und Sicherheit’. Gegen diese Debattenführung, die über ihre Alternativlosigkeit argumentiert (siehe schwarzweiß-Denke), also verschärfte Austerität oder Grexit, kommt man mit einer ausgewogenen Betrachtungsweise kommunikativ nur schwer an. Und noch mehr verliert man darüber Wahlkämpfe.

Und das zieht sich durch: Die SPD hält für sich hoch, dass in ihr wenigstens diskutiert wird, beispielsweise bei der Vorratsdatenspeicherung, während die CDU diese einfach so beschließt, vergisst aber in dieser Argumentation, dass Diskussion (auch wenn sie absolut notwendig und angebracht war und ist, wie bei der VDS) vom Wähler absolut nicht gewünscht ist. Nur geschlossene Parteien vermitteln glaubwürdig ‚Vertrauen und Sicherheit’. Jetzt noch irgendwelche Fragen, warum die Piraten in der Versenkung verschwunden sind und die AfD ihnen nachfolgen wird? Es geht immer um Vertrauen und Sicherheit.

Wir Deutschen sind satt. Der Mehrheit geht es gut und für die Minderheit, der es nicht gut geht, wird angemessen gesorgt. Das ist das Bild, auf das wir vertrauen sollen. Wir nehmen das an, denn Problematisierung hilft uns nicht, in unserer harmonisierten Umgebung. Wir Deutschen sind müde. Die rot-grünen Reformen haben uns viel Kraft gekostet, aber schaut, was für ein tolles Land wir geworden sind. Und Weltmeister! Warum machen es nicht einfach alle so, wie wir. Hallo ihr Griechen, nähert euch uns an, dann wird alles gut. Ja, das kostet Kraft und Entbehrungen, aber wir haben es auch geschafft und wir wollen uns selbst auch nicht mehr bewegen. Weil wir es auch nicht mehr müssen.

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Die Perspektive

Über diese teilnahmslose Beobachtung, über das wegdelegieren von Verantwortung auf ‚Mutti’ und über das Erheben von ‚Vertrauen und Sicherheit’ als Grundmaxime und Säulenheilige jeder Politik, verlieren wir aus dem Blick, dass wir längst wieder in einen Reformstau geraten sind und uns das aufarbeiten genauso viel Kraft kosten wird:

  • Das Verschleppen der Digitalisierung durch die Betonung der Risiken, statt der Chancen.
  • Die fehlende gesamteuropäische, gesellschaftliche und soziale Perspektive.
  • Deutschland als Einwanderungsland und Ziel vieler Flüchtlinge.

Darauf werden wir keine Antworten finden, wenn wir nur einseitig auf ‚Vertrauen und Sicherheit’ setzen. Darüber bräuchte es breite gesellschaftliche Diskurse, in denen man sich verorten müsste. Laut und deutlich. Dazu gehört es auch einmal ‚Oxi’ zu sagen und zu hinterfragen. Denn diese Veränderungen werden einschneidend und massiv sein und wir sollten sie mitgestalten als nur ab zu warten, bis sich das irgendjemand irgendwann mal anschaut.

11 Antworten zu “Die harmonisierte Republik – Warum wir unbeweglich bleiben wollen”

  1. Nils Greffenius sagt:

    Hallo Herr Eichel, das ist eine sehr feine Analyse. Die Deutschen leiden an einer Art kognitive Dissonanz. Es zählt nur die Wahrnehmung Sicherheit. Dem wird Alles untergeordnet. Ein „Kleines Mann Syndrom“. Habe Ihren Text aufgesogen. So, jetzt reicht’s, wird ja peinlich mit der Lobhudelei. Danke.

  2. „Vertrauen und Sicherheit“ — wenn die Grundannahme deines Artikels stimmt, wird er in der Versenkung verschwinden, denn er argumentiert gegen Vertrauen und Sicherheit.

    Vielleicht wäre eine mögliche Argumentation:

    – Sichere Digitalisierung durch starke Fundamente (Datenschutz, Freie Software, Kulturflatrate, …)
    – Eine starke, gesamteuropäische, gesellschaftliche und soziale Vision
    – Deutschland als Einwanderungsland, so wie wir in der vorletzten Generation Einwanderer eingeladen und gut integriert haben. Griechisches Restaurant, Italienisches Eis und Dönerladen als erprobtes Erfolgskonzept

    • Mathias Richel sagt:

      Ich überschätze diesen Text nicht. Ich gehe davon aus, dass er nur extrem wenig Menschen erreicht und noch weniger interessiert. ;) Ja, er wird versenkt.

  3. Jens Best sagt:

    Danke für den Text. Mir fallen etliche Gedankenstränge ein, um hier und da im Text anzusetzen, ihn fortzuschreiben, zu ergänzen, aber für heute erstmal Danke.

  4. R_Winter sagt:

    Sehr geehrter Herr Richel,

    die Gedankengänge sind lobenswert, aber teilweise n.M.n. falsch und oberflächlich. Es ist kaum möglich auf alle Ungereimheiten einzugehen.

    „Wir suchen immer noch nach der großen Samstagabend-Show, die wieder alle vor dem Fernseher vereint und auf die sich alle verständigen können. Zum Glück gibt es den #Tatort noch.“

    Hier wird von bestimmten Bevölkerungskreisen wird die gesamte Bevölkerung gleichgesetzt.
    Wer sieht schon die von Ihnen beschriebenen hirnfreien Sendungen? Es mögen 6 Mill. bis 10 Mill. von 80 Mill. möglichen Bürgern sein. Diese Verallgemeinerung ist unzulässig.

    „Getrieben von der Wirklichkeit und von der Opposition kamen dann die Hartz-Reformen.“

    Unkenntnis des Verfassers? Der Ursprung wurde mit den Lamsdorff-Papieren gelegt und der Bertelsmann-Stiftung mit Roland Berger in neoliberaler „Form“ gebracht.. Hartz hatte den Namen gegen und Schröder hat sich in den Widersinn „gesonnt“.
    Schröder wurde nicht „getrieben von der Wirklichkeit“, sondern von seinem Ego und neoliberaler Spekulanten

    „JournalistInnen und LeFloid scheitern (regelmäßig) an Angela Merkel, etwas substanzielles, oder gesellschaftlich bewegendes aus ihr herauszubekommen.“

    Es gibt viele Journalisten die Merkel weit überlegen sind (was auch nicht überrascht, aber in unseren Merkel-hörigen Medien ist nicht so sichtbar. Merkel ist politische sehr gegrenzt – wenn nicht einfältig.

    „Nicht umsonst fielen in der Griechenland-Diskussion besonders oft diese beiden Begriffe: „Verlorenes Vertrauen müsse wieder hergestellt werden, damit die Gläubiger sicher gehen können, dass …“

    Diese Bezeichnung wurde auch in der kommunistischen Partei zur Selbstbezichtigung unter Stalin genutzt. Merkel war ja bis zum 28. Lebensjahr Propaganda und Agitationssekretärin der FDJ.

    „Wir Deutschen sind satt. Der Mehrheit geht es gut und für die Minderheit, der es nicht gut geht, wird angemessen gesorgt.“

    Dummes Zeug. Die Vermögensverteilung in Deutschland wird nachweislich immer ungerechter.

    „……verlieren wir aus dem Blick, dass wir längst wieder in einen Reformstau geraten sind und uns das aufarbeiten genauso viel Kraft kosten wird:
    • Das Verschleppen der Digitalisierung durch die Betonung der Risiken, statt der Chancen.
    • Die fehlende gesamteuropäische, gesellschaftliche und soziale Perspektive.
    • Deutschland als Einwanderungsland und Ziel vieler Flüchtlinge.“
    Sehr naiv und unvollständig.
    Der Artikel ein Lobgeduddel auf die falsche „s“PD-Politik

    MfG
    R_Winter

    • Mathias Richel sagt:

      „Der Artikel ein Lobgeduddel auf die falsche „s“PD-Politik“

      Sie haben einen anderen Text gelesen, als ich geschrieben habe, aber vielleicht war das ja auch die Intention. Ich mag die Länge Ihres Kommentars, die ermöglicht den anderen LeserInnen einen guten inhaltlichen Vergleich. Vielen Dank dafür.

  5. Wolf sagt:

    Sichere Gesellschaften geben ihre Sicherheit ungern auf. An sich eine Bagatelle, aber wie sich Politik darin eingerichtet hat, ist sehr gut beschrieben.

    Interessant finde ich persönlich, dass bei allen drei genannten Herausforderungen Politik eher stört und im Weg steht, als dass ich von ihr Lösungen erwarten kann:

    „Das Verschleppen der Digitalisierung durch die Betonung der Risiken, statt der Chancen.“:
    Paradebeispiel. Politik sollte den Chancen schlicht Raum geben, indem sie ihn verlässt.

    „Deutschland als Einwanderungsland und Ziel vieler Flüchtlinge.“:
    Auch ein schönes Beispiel, da die heutige deutsche Sicherheit letztlich mit Unsicherheit zu anderen Zeiten oder an anderen Orten erkauft ist. Dazu gehört die Wahrheit, dass wir Einwanderung allein schon brauchen, um das Niveau der sozialen Absicherung in Deutschland zu halten. Hier steht die deutsche Hochsicherheitspolitik also „deutschen“ wie Einwandererinteressen im Weg.

    „Die fehlende gesamteuropäische, gesellschaftliche und soziale Perspektive.“:
    OK, das könnte auch eine politische Debatte sein. Da sämtliche Parteien, besonders aber die progressiven, nun aber schon seit mindestens drei Bundestagswahlkämpfen die versprochene Perspektive nie einlösen, sollte man sich einfach von dem Glauben lösen, dass sie es jemals können. Eigentlich sollte man ihnen untersagen, es überhaupt zu versuchen.

  6. Viele richtige Dinge in dem Text, an ein paar Themen möchte ich gerne anknüpften:

    Die Beschreibung einer „postliberalen“ Gesellschaft von Dir ist richtig: Wirtschaftspolitik und Wachstum werden delegiert, das Private wird entpolitisiert. Dabei ist postliberale Politik zunächst einmal strukturkonservativ (siehe http://www.danielflorian.de/2012/08/16/wie-merkel-die-cdu-neu-erfindet/).

    Als politischer Mensch finde ich das furchtbar, aber als Bürger auch nachvollziehbar. Wie also damit umgehen?

    Ich denke, es lohnt noch einmal ein zweiter Blick auf New Labour: damals wurden eine Reihe von Organisationen geschaffen, die meiner Ansicht nach in eine postliberale Gesellschaft passen und auch gesellschaftlichen Wandel bewirken, ohne dass die Menschen durch den Ausblick auf Veränderung verängstigt werden (Michael Barbers Buch „How to run a government“ ist in dieser Hinsicht sehr empfehlenswert).

    Kurz: der gesellschaftliche Wandel hat noch nicht zu einer Veränderung der politischen Institutionen und Organisationen geführt, weswegen der Eindruck entsteht, die Politik hinke der Entwicklung hinterher – gerade im Bereich der Digitalpolitik (siehe http://www.danielflorian.de/2015/01/04/ist-die-politik-zu-langsam-fuer-den-digitalen-wandel/).

    Und der gesellschaftliche Wandel braucht eben eine Story – hier kommt aber zu wenig gerade von der SPD. Und einen Kommentar zum erratischen Kurs unseres Parteivorsitzenden verkneife ich mir an dieser Stelle …

    • R_Winter sagt:

      @ Daniel Florian

      „Und der gesellschaftliche Wandel braucht eben eine Story – hier kommt aber zu wenig gerade von der SPD. Und einen Kommentar zum erratischen Kurs unseres Parteivorsitzenden verkneife ich mir an dieser Stelle …“

      „Story?“ – Inhalte brauchen wir und zwar keine neoliberalen Inhalte a´la „s“PD und Bertelsmann etc. Früher brauchten wir für „Dick € Doof“ zwei Personen – heute nur eine Person an der Spitze der „s“PD.

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