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	<title>Mathias Richel &#187; Neue Bodenständigkeit Refurbished</title>
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	<description>Politik und anderes Dings</description>
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		<title>Wie viel Mensch braucht ein Mensch? (März 2007)</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Nov 2009 12:51:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mathias</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Bodenständigkeit Refurbished]]></category>

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		<description><![CDATA[

So viele wie möglich.
Ich bin Rolf Eden. Ich trage meinen weißen Anzug und schare Frauen um mich. Nach dieser Definition könnte ich also auch Reiner Langhans sein, dann ohne Disko, aber mit Uschi Obermaier. Ich weiß es halt nicht, ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.flickr.com/photos/matt_in_a_field/163606083/"><img src="http://blog.mathias-richel.de/ftp://mathias-richel.de.dd10824.kasserver.com/html/blog/wp-content/uploads/2009/11/163606083_633d843a6a_o.jpg" alt="163606083_633d843a6a_o" title="163606083_633d843a6a_o" width="313" height="662" class="alignnone size-full wp-image-1977" /></a></p>
<p><strong>So viele wie möglich.</strong><br />
Ich bin Rolf Eden. Ich trage meinen weißen Anzug und schare Frauen um mich. Nach dieser Definition könnte ich also auch Reiner Langhans sein, dann ohne Disko, aber mit Uschi Obermaier. Ich weiß es halt nicht, sehe mich da nur so stehen und versuche mich irgendwie vorwärts zu bewegen. Und erst ganz spät merke ich, dass dieser weiße Anzug mir nicht passt und ich ihn mir angezogen habe, weil sie alle gesagt haben, dass er mir steht. Die Frau bei P&#038;C, meine geschmacksentbundene beste Freundin, mein stilresistenter bester Freund, meine harmoniesüchtigen Kollegen und die verkaufsorientierte Modezeitung. Ich höre auf all diese Menschen und ziehe mir die Jacke über.</p>
<p><em>Unter den Achseln zieht es ein wenig und am Rücken spannt es gewaltig. Ich möchte meine Arme ausstrecken, um zu sehen wie weit der Ärmel vom Handgelenk nach oben rutscht. Zu Weit. Ich fahre nacheinander mit meinen Beinen in die Hose und merke, wie sich der Bund gegen den Knopfverschluss wehrt. Mein Bauchumfang und diese Hose werden niemals Freunde. Am Beinende zeichnet sich ein wenig Hochwasser ab und beim laufen zwickt eine Naht im Schritt.</em></p>
<p>Ein Kompromiss für 449,- €. Keine Probleme, die man nicht mit einem Eingriff vom Schneider auf Vordermann bringen könnte, allein die Motivation dazu fehlt mir. Ich soll ihn nehmen, sagen sie alle. Und ich kaufe ihn. In die Tüte packt die Verkäuferin noch einen Spring 2007 Katalog und das Gefühl, etwas absolut richtiges getan zu haben.<br />
<strong><br />
Die Richtigen.</strong><br />
Ich bin nicht Rolf Eden. Ich hatte mir überlegt einen weißen Anzug zu kaufen. Ich glaube, der könnte mir stehen. Dazu noch die guten Stan Smith II und das würde wirklich richtig gut aussehen. Ich habe ihn gesehen und wusste, dass ich diesen Anzug will. Die Frau von P&#038;C nickte zustimmend, die geschmackssicherste meiner Freundinnen schaute skeptisch, meine Stilikone und bester Freund brach fast zusammen vor Spott, meine intriganten Kollegen hätten über eine hohe dreistellige Gehaltserhöhung spekuliert und seit zwei Jahren höre ich nicht mehr auf Lifestyle-Magazine a.k.a. die größtgedruckte Lüge. Ich höre nur auf die Verkäuferin, die natürlich ein eigenes bonusverseuchtes Modeinteresse an meiner Person hat. Ich ziehe mir die Jacke über.<br />
<em><br />
Unter den Achseln zieht es ein wenig und am Rücken spannt es gewaltig. Ich möchte meine Arme ausstrecken, um zu sehen wie weit der Ärmel vom Handgelenk nach oben rutscht. Zu weit. Ich fahre nacheinander mit meinen Beinen in die Hose und merke, wie sich der Bund sich gegen den Knopfverschluss wehrt. Mein Bauchumfang und diese Hose werden niemals Freunde. Am Beinende zeichnet sich ein wenig Hochwasser ab und beim laufen zwickt eine Naht im Schritt.</em></p>
<p>Der letzte Scheiß für 449,- €. Wir können nicht mehr auf hören zu lachen. Ich sehe aus wie ein japanischer Sektenanführer auf Viagra, unterwegs um die Charlottenburger Clubs zu rocken. Ich lasse die Hosen runter und ziehe mir die Jacke aus. In Unterhosen stehe ich Geschäft und habe das Gefühl, das absolut richtige getan zu haben.<br />
<strong><br />
Gar keinen.</strong><br />
Ich bin nicht mehr Rolf Eden. Ich hatte mir einen weißen Anzug gekauft und mich damit vor eine S-Bahn geworfen.</p>
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		<title>Kontrollverlust Mash-Up &#124; Phase zwei</title>
		<link>http://blog.mathias-richel.de/2009/10/22/kontrollverlust-mash-up-phase-zwei/</link>
		<comments>http://blog.mathias-richel.de/2009/10/22/kontrollverlust-mash-up-phase-zwei/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 22 Oct 2009 19:28:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mathias</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Bodenständigkeit Refurbished]]></category>

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		<description><![CDATA[

Julia steht an der Kasse. Die Frau in der Kassierbox schiebt nacheinander die Sachen rüber. Grundnahrungsmittel, denkt Julia bei sich. Irgendwie kauft sie keine Lust-Produkte mehr. Keine Schokolade, oder Gummibären. Keine Schokoschaumküsse, kein Kuchen. Die zahlreichen Molkereiprodukte tragen keine ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.flickr.com/photos/piterart/2522646672/"><img src="http://blog.mathias-richel.de/ftp://mathias-richel.de.dd10824.kasserver.com/html/blog/wp-content/uploads/2009/10/2522646672_1f5ed33267_b.jpg" alt="2522646672_1f5ed33267_b" title="2522646672_1f5ed33267_b" width="722" height="1024" class="alignnone size-full wp-image-2009" /></a></p>
<p>Julia steht an der Kasse. Die Frau in der Kassierbox schiebt nacheinander die Sachen rüber. Grundnahrungsmittel, denkt Julia bei sich. Irgendwie kauft sie keine Lust-Produkte mehr. Keine Schokolade, oder Gummibären. Keine Schokoschaumküsse, kein Kuchen. Die zahlreichen Molkereiprodukte tragen keine Sahnehaube, sondern sind einfach Erdbeerjoghurt, oder Natur pur mild. Die Flasche „Le Filou“, die ist immer dabei. Sie öffnet ihr kleines Lederportmonee und Robert lacht sie an. Sie beiden lachen sie an. Dieses kleine Schwarzweiß-Foto aus dem Zwei-Euro Automaten auf der Kastanienallee. „Verdammt, ich habe die Leberwurst vergessen!“ schimpft sie halblaut in sich hinein, aber gerade noch verständlich für die Kassiererin. Die hält kurz inne und schaut fragend in Julias Gesicht. „Nicht so schlimm.“ sagt Julia und packt etwas schneller, weil verlegen, das schon Gescannte in den Plastikbeutel.</p>
<p>Heute ist nicht ihr Tag. Ihr Vater hat heute Morgen angerufen und erzählt, dass ihre Tante gestorben ist. Herzattacke mit 56 Jahren, geschiedene Mutter von zwei Töchtern und einem Sohn. Julia kannte sie kaum, attestiert für sich selbst keine emotionale Verbindung. Trotzdem komisch, ist ja ein Familienmitglied. Nur was bedeutet das schon – Familie. Bei ihr zuhause in Dresden-Gorbitz lief alles gegen den Prototypen einer glücklichen familiären Verbindung. Sie ist die einzige Tochter, hat noch zwei ältere Brüder. Tobias ist beim Zoll in Bremen und Marko wartet in Dresden auf die nächste Maßnahme vom Amt. Julia hat das Hirn in der Familie abbekommen. Für sie mehr Fluch als Segen. Zu DDR-Zeiten hat sie noch russisch lernen dürfen – ab der dritten Klasse. Dann gleich auf das Gymnasium. Während Mutter und Vater sie lieber in der Lehre als Reisekauffrau stecken wollten. Bei „Sunny-Reisen“ arbeitete ihre Nachbarin aus dem Reihenhaus. „Die würden dich sofort nehmen. Das ist ein guter Beruf.“ Endlose Diskussionen um das Abitur. Julia sollte helfen beim Geld nach Hause bringen.</p>
<p>Seit der Wende schlug sich der Vater mit Gelegenheitsjobs in Dresden durch. Früher war er Polier, später trug er Dämmwolle, kehrte den Schutt und buckelte die 36ger Heizkörper in die sanierten neuen Häuser. Jetzt sitzt er nur noch zu Hause. „Billiger wie die Polen und Russen kann keener arbeiten.“, schnauzt er sich sächsisch durch den Tag vor der Glotze. Richter Hold, das Familiengericht, Lenzen &#038; Partner – das kleine Fenster zur Welt in Gorbitz. Julias Mutter arbeitet im großen Kino-Palast im Zentrum von Dresden. Popcorn, Cola, Tortillas, manchmal Kartenverkauf. Es läuft mies. Die Gerüchte um den Konkurs stehen mittlerweile in der Zeitung. Wenn die Eltern reden, schreien sie, meistens aber schweigen sie sich an. Sie sind nicht angekommen in der Mitte der Gesellschaft. Keine Chance. Früher sind sie noch demonstrieren gefahren, rüber nach Leipzig und später auch in Dresden. Und auf den Alexanderplatz nach Berlin, als Heym gesprochen hat und die Wolf. Als sie Schabowski auspfiffen und an den Westen glaubten. Da waren die Palmen schon näher als Krenz und die Banane wichtiger als Planerfüllung. Und dann kam alles, wie sie es niemals wollten. Niemand hatte ihnen gesagt, dass sie früher defizitär arbeiteten. Alles in treuer Treuhand Hand. Für einen Euro ging es damals an Hoch-Tief und Vater saß auf der Straße. Auffanggesellschaften, die ihn in eine Umschulung nach der anderen stecken. Er kann jetzt Briefe mit Word schreiben. Bewerbungen vielleicht. Aber einen Computer gab es nie zu Hause. Noch zwei Jahre bis zum Vorruhestand. Dann muss er nicht mehr stempeln gehen, bei den pro forma Vorstellungsgesprächen. Jetzt steht er bei Hartz vier. Und hofft weiter auf kleine Anstellungen auf den großen Bauvorhaben. Noch vier Wochen, wenn er dann nichts hat, muss er den Ein-Euro-Job nehmen bei der Stadtreinigung. Die Eltern gehen schon lange nicht mehr wählen. „Die da oben machen doch eh was sie wollen.“</p>
<p>Julia hat das alles mit- und abbekommen. Während ihre Brüder die Wohnung verlassen haben, war sie das einzige Kind im Haus. Sie war nicht gern da. Solange es ging blieb sie draußen auf der Straße. Die Hausaufgaben machte sie bei Freundinnen und für die Klausuren lernte sie in der Cafeteria in der Schule. Daheim wurde nur noch geschrieen und manchmal setzte es auch eine Ohrfeige – für Mutter und Tochter. Aber das schien normal. In ihrem Umfeld ging es vielen so. Erst auf dem Gymnasium lernte sie andere Erfahrungen kennen. Ihren Lehrern aus der Grundschule ist sie heute noch dankbar, dass sie damals in das Gutachten eine gymnasiale Bildung empfohlen haben. Und das sie es schafften, in etlichen persönlichen Gesprächen, die Eltern vom Talent ihrer Tochter zu überzeugen. Dort fühlte sie sich wohl. Darstellendes Spiel, Kunst, Musik, keine Neonazi-Idioten. Und wirkliches Interesse an ihr. Das Abitur hat sie spielend geschafft. Und gleich auf nach Berlin. Ein Tag nach ihrem Abitur stand der Umzugswagen vor der Tür. Freunde halfen. Vater stand im Türrahmen. Sie hatten sich alle nichts mehr zu sagen. Julia war ihren Eltern weit voraus. So wie sie es immer wollte. Dafür hat sie gelernt und gebüffelt. Niemals wollte sie so resigniert durch die Landschaft laufen, wie ihre Erzeuger. Das Verständnis für den jeweils anderen fehlte nun auf beiden Seiten. Und Mutter schwieg.</p>
<p>Berlin – Julias Stadt. Im Internet hat sie eine WG gefunden, mitten im Prenzlauer Berg. Einmal ist sie hingefahren hat sich die Mitbewohner angeschaut und fand das alles toll. In der ersten Woche hat sie sich gleich den Job in einem Telefon-Umfrage-Callcenter bekommen. Und dann stand er da, am ersten Tag im Unigebäude – Robert. Niedlich sah er aus und so unsicher. So unsicher wie Julia sich auch gerade fühlte. Ganz gegen ihre Art steuerte sie direkt auf ihn zu und sprach ihn bewusst selbstbewusst an: „Hey du, weißt du wo es hier zum Audimax geht?“</p>
<p>Julia packt die letzten Sachen in die Tüten und versucht alles so zu greifen, dass es nicht einschneidet in den Fingergelenken. Die Geschäfte in der Passage machen dicht und sie fährt die Rolltreppen hoch zum Ausgang. Ab nach Hause. Scheiß Tag heute, vergessen und einen Wein aufmachen.<br />
<strong><br />
to be continued >>></strong></p>
<p><a href="http://blog.mathias-richel.de/2009/10/20/kontrollverlust-mash-up-phase-eins/"><br />
Hier Kontrollverlust Mash-Up | Phase eins lesen</a>
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		<title>Die perspektivlose Euphorie</title>
		<link>http://blog.mathias-richel.de/2009/10/20/die-perspektivlose-euphorie/</link>
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		<pubDate>Tue, 20 Oct 2009 19:29:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mathias</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Bodenständigkeit Refurbished]]></category>

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Ich lobe den Tag wirklich niemals vor dem Abend. Ich glaube an nichts, nur an mich selbst. Denn selbst ist der Mann. Wundere dich nicht, wenn ich Lager wechsel. Der Wind steht schief. Ich richte meine Nase immer in ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.flickr.com/photos/realname/3985011394/"><img src="http://blog.mathias-richel.de/ftp://mathias-richel.de.dd10824.kasserver.com/html/blog/wp-content/uploads/2009/10/3985011394_c633506cfd_b.jpg" alt="3985011394_c633506cfd_b" title="3985011394_c633506cfd_b" width="1024" height="752" class="alignnone size-full wp-image-2001" /></a></p>
<p>Ich lobe den Tag wirklich niemals vor dem Abend. Ich glaube an nichts, nur an mich selbst. Denn selbst ist der Mann. Wundere dich nicht, wenn ich Lager wechsel. Der Wind steht schief. Ich richte meine Nase immer in die Luft. So geht das. Und wem das nicht passt, der wird passend gemacht. Ich bin mir selbst am nächsten, denn ich lasse keinen an mich ran. Dann bin ich unangreifbar. Unbesiegbar. Ich bin stark und laut. Denn nur die feste Stimme setzt sich durch. Hier schau, unter dem Balkon, meine treuen Freunde. Sie alle stimmen ein. Willfährige Lautaffen im Kanon, denke ich mir manchmal. Aber sie geben mir Stärke und Kraft. Ich steck mir eine an und schau auf mein Werk. Kinderlein, kommet. Hier gibt es vom Onkel einen Lolli. Ich muss mir immer ein neues Hobby suchen, für mich und den langweiligen Kaffeesatz. Apropos, willst du eine Tasse?</p>
<p>Kommt ja sonst keiner vorbei. Der Starrummel hat auch seine Schattenseiten. Ich werde nie angesprochen – im Club, oder an der Bar. Traut sich ja keiner. Deshalb lande ich auch keinen Stich. Aber ich bin in den Charts ganz oben. Wenn mich einer anpissen will, drop ich halt einen neuen Hit. Ich muss immer liefern. Aber ich schlafe schlecht. Komme kaum noch zu Ruhe. Den Druck brauche ich. Baue mir meinen eigenen Arschtrittapparaten. Los, mach, produziere. Denn damit kann ich mich selbst produzieren. Das bin ich. Getrieben, umtrieben, vertrieben. Wenn ich nicht mitspielen darf, baue ich halt meinen eigenen Sandkasten. Als Kind stand ich vor dem Süßigkeitenregal und habe laut aufgestampft, wenn ich meine Lieblingsbonbons nicht bekommen habe. Noch heute liebe ich die Werthers Echten. Sie geben mir ein Gefühl von zu Hause und bringen mich meiner Mutter näher. Sie war überhaupt die Einzige, die mich je verstanden hat. Ich schreibe Lieder, Symphonien aus Leidenschaft. Denn das was ich tue, muss jeder hören. Mir ist die Kryptik der beste Freund. Zeigt sie dir doch meinen Intellekt. Hast du das, kommst du noch hinterher? Die Welt ist noch nicht reif, für das was es noch zu sagen gibt. Morgen vielleicht, morgen. Wie wäre es, wenn ich mir mein Auto nehme, eine Allee durchfahre und mir den schönsten Baum suche, für den lautesten Imperativ, den ich je gehört haben wollte. Der Urknall, das Absorbium. Könnt ihr mich alle hören? Versteht ihr mich endlich? Manchmal habe ich die Hoffnung schon aufgegeben. Aber dann, aber dann schreibe ich einfach noch einen Superhit.
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		<title>Kontrollverlust Mash-Up &#124; Phase eins</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Oct 2009 19:26:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mathias</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Bodenständigkeit Refurbished]]></category>

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		<description><![CDATA[

Robert blättert in dem Buch, ohne es zu lesen. Din A4, Herlitz. Ein Schimpansenpärchen feixt ihn frech vom Hochglanz gedrucktem Hardcover an. Ein Mädchenbuch. Seines Mädchens Buch. Der Strichcode sagt vierneunzig und meint noch D-Mark. Diese 90-seitige Klebebindung ist ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.flickr.com/photos/hebe/2600756121/"><img src="http://blog.mathias-richel.de/ftp://mathias-richel.de.dd10824.kasserver.com/html/blog/wp-content/uploads/2009/10/2600756121_0f1384e526_b.jpg" alt="2600756121_0f1384e526_b" title="2600756121_0f1384e526_b" width="1024" height="683" class="alignnone size-full wp-image-1999" /></a></p>
<p>Robert blättert in dem Buch, ohne es zu lesen. Din A4, Herlitz. Ein Schimpansenpärchen feixt ihn frech vom Hochglanz gedrucktem Hardcover an. Ein Mädchenbuch. Seines Mädchens Buch. Der Strichcode sagt vierneunzig und meint noch D-Mark. Diese 90-seitige Klebebindung ist ein kitschiges Frauending – ein Tagebuch. Er brauchte so etwas nie. Keine Schimpansen, keine Pferde, keine Poesiealben, keine Freundschaftsarmbänder. Das sind Frauenrituale. Mädchenreflexionen. In einer Liga mit Pyjamapartys, Ferrero Küsschen und Ki-Ba. Das haben nur Frauen. Solche Frauen, wie Julia eben.</p>
<p>In ein Tagebuch schreibt man Sachen, von denen man glaubt, dass sie in ein Tagebuch gehören. Und meistens sind es schlechte Dinge, Gefühle oder mädchenhafte Jungsinterpretationen, vielleicht noch flüchtige Schwärmereien.<br />
Julia ist fleißig. „12“ hat sie mit Edding vorn darauf geschrieben. Gerade so, dass die Ziffern nicht auf einem Affengesicht stehen. Das zwölfte Band. Ihr Leben füllt schon zwölf Bücher. Wenn er richtig rechnet, müsste er seit drei Bänden ein Thema sein. Vier Jahre sind sie jetzt zusammen. Zwei davon leben sie in dieser Wohnung, macht insgesamt drei Bände. Seine längste Beziehung. Und wahrscheinlich steht alles hier drin. Kleinlich dokumentiert.<span id="more-1849"></span><br />
Von der Bremsspur in der Unterhose, bis zum Elternbesuch. Weihnachten, Urlaube, Kino, Studium, Klamotten, Freundinnen, Konzerte, Streits, Sex, Krankheiten, Gefühle, Zukunftspläne. Orgasmusprobleme, Kinderwunsch, andere Kerle? Würde sie auch über andere Typen schreiben? Julia weiß, dass Robert weiß, wo ihre Bücher liegen. Sie gibt sich nicht Mühe etwas zu verbergen. Andererseits, warum sollte sie auch etwas vor ihm verstecken? Sie kann Robert vertrauen. Sie reden über alles.<br />
Neben der Beziehung sind sie beste Freunde. Es gibt keinen Menschen, der ihn besser kennt oder versteht. Sie war ihm nie fremd. Beide haben sie verloren in diesem großen Hörsaal gestanden und hatten dabei keine Lust auf dieses Studium. Was sollten sie mit Kulturwissenschaften?<br />
Robert hatte allen Grund: er musste nur weg, weg von zu Hause.<br />
Am Ende hat er das Dorf nur noch gehasst. Polizistensohn und Scheidungskind, doch auf dem Baumblütenfest waren sie immer vorzeigbar. Ein Lächeln hier, ein Zuprosten da. Dieses kleine Schaustück der Fassaden. Die Anonymität ist kein Phänomen der Großstadt. Nein, das Dorf ist schon in sich eine verlogende, eingeschworene Gemeinschaft. Der Bürgermeister hatte seine Frau verdroschen, regelmäßig. Und alle haben es gewusst. Andererseits hat er auch Geld für einen neuen Radweg rangeschafft. Da wurde dann auch mal weggeschaut und er eben wieder gewählt, ohne Gegenkandidaten. Es entscheidet immer der Pragmatismus.<br />
Irgendwann musste dann Roberts Vater zu der zur zum Wohnhaus ausgebauten Scheune des Bürgermeisters ausrücken und den Arsch da rausholen. Fast ins Koma gesoffen hatte er sich und dabei seine Frau halb tot geboxt. „Mensch Klaus, wat machs´de denn für Sachen?“, hörte er seinen Vater zum geschulterten Bürgermeister sagen. Robert hätte kotzen können.<br />
Weg, nur weg,<br />
Er hat hier nie reingepasst. Er war immer der Grübler, einer der immer nachfragt. Diesen Tick zu interessiert am Leben &#8211; dort wo die Schwelle zum Auf-die-Nerven-gehen übertreten wird. Dann, wenn man lieber alles so laufen lassen will, wie es gerade läuft. Denn, es funktioniert ja.<br />
Robert war das immer zu wenig. Sooft es ging schnappte er sich die alte Karre, die er sich von dem frisch gebackenem 21-jährigen Vater, und einer seiner wenigen Freunde in Personalunion, ab und zu ausleihen konnte und fuhr raus, einfach nur raus.<br />
Martin, der junge Vater, war eigentlich ganz anders als er und dennoch irgendwie ganz ähnlich. Beide wollte immer mehr. Viel zu eng saß das Korsett der Kleinbürgerlichkeit. Martin wollte Mädchen, Parties und Drogen. Und diese Dreisamkeit suchte und fand er – alles in schöner Regelmäßigkeit. Irgendwann hat er dann Kristin kennen gelernt, wobei kennen gelernt hier nur bedeutet, gesehen. Im „Crash“. Das einzige Entertainmentprogramm im Umkreis von 35 Kilometern. Das „Crash“ zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass man immer wusste, was einen erwartete. Ein Qualitätsmerkmal, neben den exzessiv mikrofonbenutzenden DJ, den 99-Pfennig Parties und den Single-Flirt-Nächten.<br />
Die Musik war grausam, die Menschen schrecklich. Aber die Alternative war immer nur Kiff, Bong und dann zocken am Rechner. Zu zweit schießen. Mal mit, meistens gegeneinander. Längst kannten sie alle Kombinationen auf den Controllern und waren zu Meistern im virtuellen Töten geworden. Viel sagen mussten sie sich dabei nicht, denn beide wussten, dass das nicht das Ende hier sein kann.<br />
Und dann kam Kristin. Zunächst aber erst einmal Martin in ihr. Ohne Gummi, ohne Nachdenken. Whiskey-Cola und Dorfsex. Kristin war bekannt-berüchtigt in der Umgebung. Nicht das sie sonderlich sexuell aktiv war, zumindest nicht mehr als andere Mädchen in ihrem Alter, aber sie war eine der Wenigen, die über die entscheidenden optischen Benefits für die pubertierende Landjugend verfügte. Sie war alldem auch nicht abgeneigt und es schmeichelte ihr sogar. Es brachte ihr jedes Jahr die Scherpe der Kirschblüten-Königin ein. Sie nahm das nicht wirklich ernst, aber damit war man schon wer und Kristin erst recht. Und nun wurde Kristin Mutter von Martins zum Kind angewachsenen Samen.<br />
Die Scherpe passte schon ab dem vierten Monat nicht mehr. Die anfänglichen Verzweiflung und die darauf folgenden Abfindung, sind nun dem Alttag als junges Elternglück gewichen. Für Martin das Ende der Dreisamkeit und der direkte, integrative Weg in die Dorfgemeinschaft. Für Robert der Verlust eines Leidensbruders und das Signal zum Aufbruch.<br />
Kulturwissenschaften. Der Erste seiner Familie an der Uni. Damit verband sich keine Erwartungshaltung an ihn, aber es war Ausdruck des Anspruchsdenkens an das Thema Bildung innerhalb seiner Sippe.<br />
Studenten waren immer die Idioten, die Demonstranten, die Faulenzer. Zumindest laut Stammtisch-Gebrauchskatalog für dörfliche Verbalakrobaten. Und dann auch noch Kulturwissenschaften. Robert hatte manchmal das Gefühl, sein Vater und dessen neue Freundin waren froh, dass er endlich das Haus verlassen hatte. Nicht wegen der vielen neuen Möglichkeiten, die sich nun für den Jungen ergeben sollten, sondern der Bequemlichkeit wegen. Robert war das eigentlich egal. Er war nur froh weg zu gehen. Weit weg und wirklich raus. Kein Neuanfang, sondern der erste Anfang. Der Startpunkt, der Pistolenknall. Peng, und da war dann auch schon Julia. Julia, mit ihrem braunen, schulterlangen Haar und dem frechen Pony. Sie hatte ihn nur nach dem Weg zur Einführungsveranstaltung gefragt und Robert dachte, ganz gegen seine Art, sofort an Sex.<br />
Manchmal holt Robert noch die Fotos von damals vor, die Julia unentwegt geschossen hatte. Den Campus, die Mensa, die Bibliothek, die Aushänge, die WG-Gesuche am Schwarzen Brett. Sie trinken ein Glas „Le Filou“ und fahren dann ihren eigenen Film.</p>
<p>&gt;&gt;&gt; to be continued.
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		<title>Beweg deinen Arsch</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Oct 2009 19:23:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mathias</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Bodenständigkeit Refurbished]]></category>

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Schlag deine Decke um. Ignoriere den dumpfen Geruch von Gebrauchten. Steig in die zerknitterten Shorts und stülpt dir dieses T-Shirt über. Trage deinen trägen Körper in die benutzte Küche. Schnapp dir den Espressokanne, vollziehe das notwendige.
Herd an! Gehe in ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.flickr.com/photos/moritzmerkel/3482967136/"><img src="http://blog.mathias-richel.de/ftp://mathias-richel.de.dd10824.kasserver.com/html/blog/wp-content/uploads/2009/10/3482967136_d6f232f021_b.jpg" alt="3482967136_d6f232f021_b" title="3482967136_d6f232f021_b" width="1024" height="768" class="alignnone size-full wp-image-1997" /></a></p>
<p>Schlag deine Decke um. Ignoriere den dumpfen Geruch von Gebrauchten. Steig in die zerknitterten Shorts und stülpt dir dieses T-Shirt über. Trage deinen trägen Körper in die benutzte Küche. Schnapp dir den Espressokanne, vollziehe das notwendige.<br />
Herd an! Gehe in das Badezimmer und entleere deine Reste. Nimm die elektrische Zahnbürste, drücke das samt-weiß Versprechen auf die Borsten. Power. Führe sie langsam über deinen Schmelz. 3 1/2 Minuten lang. Bück dich zwischendurch und drehe das Radio auf. Weiterputzen. Off. Drehe mit der linken Hand den Hahn um eine Vierteldrehung. Kalt. Forme die Hand gleich einer Schöpfkelle. Fülle deine Hand mit Wasser und führe sie an deinen Mund. Spüle den Kauraum. Ausspucken. Reinige die Bürste und stelle sie anschließend in die dafür vorgesehene Haltvorrichtung. Nimm beide Hände voll Wasser und reinige dein Gesicht. Gründlich. Frische. Drehe den Hahn mit der rechten Hand zu. Nimm das blaue Frotteehandtuch zu deiner Linken. Trockene zunächst Gesicht und danach Hände. Nimm das Deo. Aus gebraucht mach neu. Parfümiere dich. Nimm das D&#038;G. Bücke dich und mach das Radio aus. Verlass das Badezimmer und gehe in die Küche. Mach den Herd aus. Nimm dir Milch aus dem Kühlschrank. Gieße den Espresso aus der Kanne, in eine nicht zu kleine Tasse. Fülle sie eins zu zwei Teile mit Milch auf. Zucker. Zwei Stück. Nimm aus dem Regal einen Teelöffel. Rühre den Kaffee um. Gehe mit der Tasse in dein Zimmer. Stell den Kaffee auf deinen Schreibtisch. Schaue dich in diesem Raum um. Suche deine Socken. Nimm die Socken von gestern. Anziehen. Rechts, links. Nimm die erste Hose, die du siehst, in die schon ein Gürtel eingeflochten ist. Stülp deine Beine rein. Rechts, links. Trinke zwischendurch zügig den Kaffee. Suche deine Jacke. Suche deinen Schlüssel. Suche dein Handy. Suche deinen Laptop. Suche deine Tasche. Befülle diese Tasche mit dem Gefundenen. Gehe vor in den Flur. Entscheide dich für ein paar Schuhe. Gehe raus in das Treppenhaus. Ziehe die Tür hinter dir in Schloss. Stecke die Kopfhörer in die Ohren. Rechts, links. Starte in den Tag.<br />
Es fällt mir schwer, mich zu motivieren.
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		<title>Ein Pint</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Oct 2009 19:21:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mathias</dc:creator>
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Ein betrunkenes englisches Mädchen schielt mich auf der Nuttenstraße an. Touristenfallen. In die Häuser hinein versetzt im Neonlicht, oder auf den Bordsteinen mit Gürteltasche. Sie spukt aus ihrem Mund. „Hoow läyd?“ und versucht dabei nicht einmal, mich anzuschauen. Die ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.flickr.com/photos/sovietuk/113627344/"><img src="http://blog.mathias-richel.de/ftp://mathias-richel.de.dd10824.kasserver.com/html/blog/wp-content/uploads/2009/10/113627344_d9387de281_b.jpg" alt="113627344_d9387de281_b" title="113627344_d9387de281_b" width="1024" height="768" class="alignnone size-full wp-image-1994" /></a></p>
<p>Ein betrunkenes englisches Mädchen schielt mich auf der Nuttenstraße an. Touristenfallen. In die Häuser hinein versetzt im Neonlicht, oder auf den Bordsteinen mit Gürteltasche. Sie spukt aus ihrem Mund. „Hoow läyd?“ und versucht dabei nicht einmal, mich anzuschauen. Die Augen suchen Halt, den ihr Körper auch brauchen könnte. U-gebücktes Insel-Etwas auf Sauftour.
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