Die Sache mit dem digitalen Anscheissen.

Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass ich gescheitert bin. Dass ich das, was ich gemacht habe, als digitale Notwehr betrachte. Aber es ist der dümmstmögliche Ansatz. In Wirklichkeit der unsympathischste. Ich, die Petze. Aber guess what: It fucking works! Warum das so ist, möchte ich nur ganz kurz mal runterschreiben.

Darum geht’s:

Mach dein Nazikommentarproblem zu deren Problem.

Ein von mathiasrichel (@mathiasrichel) gepostetes Foto am

Vor zwei Tagen habe ich folgendes Posting auf Facebook

Schnell mal zusammengegoogelt: Nur falls das jemand gerade zufällig schon wieder vergessen haben sollte. Ist ja schon lange her.

Posted by Mathias Richel on Montag, 27. Juli 2015

und Twitter geteilt:

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Und wie man an den RT, Shares und Likes sehen kann, das hat ganz schön drive bekommen.

Was sichtbar wird, zieht die Menschen an. Zumal im Netz, wo sich jede Diskussion das eigenen Publikum sucht. Nun ist natürlich vollkommen klar, warum diese Postings und mein Kommentar so abgehen: Inmitten einer aufgehitzten Debatte, die täglich in den Medien und von brennenden Flüchtlingsheimen angeheizt wird und auf die die Politik kaum Antworten findet (IMHO weil sie sich nicht traut, oder es verlernt hat), ist so ein, in bestem Sinne populistisches Posting, natürlich Treibstoff, wenn die eigenen Gewissheiten hinterfragt werden.

Es dauerte nicht lange und natürlich meldeten sich die zu erwartenden Stimmen, die fernab von jeder sachlicher Kritik an der Asylpolitik, vor allem ihrem Stolz Ausdruck verleihen wollten, den sie einzig aus der Gnade ihrer deutschen Geburt ableiten und allen anderen, nennen wir es mal, eine auf Anstand, Respekt und Augenhöhe basierenden Kommunikation und Behandlung versagen wollten. Community ManagerInnen aller Gattungen kennen diese prototypischen Erscheinungsformen.

Natürlich ist es einfach eben solche Kommentare zu löschen und die AbsenderInnen zu blocken. Nur, was bringt das wirklich? Ich behaupte nichts. Die Geblockten fühlen sich bestätigt im geblockt werden und ich habe einfach wahnsinnig viel zu tun damit und in Wirklichkeit doch so viele bessere Sachen, die ich erledigen könnte.

Warum toben sich eigentlich so viele Menschen im Netz aus? Warum eskalieren Einzelmeinungen so stark, die man in einem Vieraugengespräch relativieren oder zumindest sachlich erötern könnte, vielleicht sogar mit (Achtung: KRASS!) gegenseitigen Erkenntnisgewinnen, die zum punktuellem Umdenken führen könnten?

Ich glaube fest daran, dass das die negativen, verstärkenden Effekte der eigenen Filterbubble sind, in die nur Menschen und Meinungen Zutritt bekommen, die die eigenen Meinungen reflektieren und belohnen. Durch Followings, Freundesanfragen, Likes, Faves, RTs etc. Aber dieses Belohnungssytem schleift sich irgendwann ab, man formuliert zunächst pointierter, dann deutlicher, irgendwann krasser und bald schon vollkommen vernunftsbefreit. Die eigene Filterbubble wirkt dort wie ein digitaler Schutzraum, voll mit Bestätigung und total entkoppelt von der Wirklichkeit, die sich ja vor allem oftmals darüber definiert, dass sie sich aus unterschiedlichen Kräften, für und widers, ja und nein, usw. generiert.

Jede Meinung, die dann plötzlich abweichend vom Common Sense der eigenen Filterbubble formuliert, in sie eindringt, muss bekämpft werden. Der Schutzraum wird verteidigt. Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Löschen und blocken bringt also gar nichts, denn das würde nur den effektlosen Rückzug in die eigene Bubble bedeuten, in der es vor Bestätigung nur so wimmelt. Deshalb funktionieren die Pegida-Facebookseite und andere als Organisations- und Deutungsraum so gut, weil diese weitgehend befreit von Gegenrede bleiben. Irgendwann platzt der Raum und es drängt in die Wirklichkeit und Politik und Medien zeigen sich überrascht, woher plötzlich diese Bewegungen herkommen. Dabei ist die Antwort leicht: Sie greifen eine Tendenz auf, multiplizieren sie durch Masse im Netz, formieren sich über gegenseitige Verstärkung (ah, ich bin doch nicht allein), motivieren so auch unentschlossene (endlich trauen sich welche, was ich mich bisher selbst nicht traute) und kanalisieren bei vielen ein Gefühl, das bisher noch nicht verortet war, außer dass sie sich nicht ernst genommen fühlen. Dann bricht das irgendwann auf. Im Grunde kann man das mit jeder Tendenz durchspielen, aber natürlich bieten radikale Richtungen dafür mehr Potenzial, weil sie in der Mitte der Gesellschaft kein Gehör finden oder aus sie heraus gedrängt werden. Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Aber zurück zu den Facebook-Kommentaren und warum diese Taktik (bisher) funktioniert:

Wenn das ignorieren, löschen und blocken nicht funktionieren, muss man konsequenter denken und versuchen, die Filterbubble einzureissen. Und das ist natürlich leicht: Verknüpft man reale Lebenswelt mit Onlineauftritt ergeben sich plötzlich interessante Einsichten, denn den meisten Menschen ist klar, dass der sich verstärkende Mechanismus der Filterbubble keinerlei Exitenzberechtigung im normalen menschlichen Miteinander hat. Dort, wo es einem persönlich betrifft: Am Arbeitsplatz, im Klassenzimmer, auf Familienfesten. Dort gibt es nicht nur keine Likes, sondern auch Gegenrede und vielleicht sogar ernsthafte Konsequenzen. Im Grunde ist das auch allen vollkommen klar, nur verhindert oftmals der Schaum vor dem Mund, die klare Sicht auf das eigene Verhalten.

Diesen kurzen Moment der Reflektion: Ist mir jetzt dieser Kommentar wert, dass ich mich dafür in meiner sozialen Wirklichkeit der Offline-Welt für rechtfertigen möchte, dieser kurze Moment der Reflektion stoppt schon viel unsägliches.

Denn eines ist klar: Die Debatte um die „Anonymität im Netz“ ist nicht nur falsch sondern auch gefährlich, mit der PolitikerInnen aller Parteien diese Entwicklungen als nichtig, weil nur im Netz und dadurch nicht relevant abtun.
Das Internet ist aber einer der zentralen Organisationsräume unserer Gesellschaft geworden, Meinungsbildung findet hier in Sekundentaktung statt. Die Menschen sind nicht anonym, auch wenn ich ihren Namen nicht kenne. Alle haben soziale Verbindungen im Netz, die ihr offline Leben reflektieren. KollegInnen, Vorgesetzte, MitschülerInnen, Freunde, Familie etc. Damit ist man sicht- und identifizierbar. Diesen Fakt den Menschen ins Bewusstsein zu rücken und das einmal deutlich zu formulieren, wo sie es in ihrer gemütlichen Filterblase vielleicht vergessen haben, das ist ein wirkungsvoller Hebel.

Aber wie ich schon sagte: Es ist unsympathisch. Es fühlt sich nicht gut an. Aber für mich ist das digitale Notwehr. Ich möchte nicht ausblenden, durch löschen und blocken. Ich möchte, dass wir alle unsere Handlungen reflektieren. Und ich tue mich ernsthaft schwer mit dieser Entwicklung, die ich selbst jetzt ausgenutzt habe. Aber wenn wir von der digitalen Gesellschaft sprechen, müssen wir das endlich weitgehend von technisierten Debatten entkoppeln und soziologische Aspekte viel stärker einbinden und nutzen.

Der Welpenschutz ist vorbei. Und das gilt für alle Beteiligten.

Ist das Marketing oder kann das weg?

Zum Frühstück mal was leichtes auf den Magen:
Wenn du heute durch den Supermarkt schlenderst, dann wundere dich nicht über die ganzen Produkte, extra für Frauen und Männer – Kauf sie und friss sie auf! Wenn du eine Frau bist, das für Männer und wenn du eine Mann bist, dann das für Frauen. Und wenn du dich Trans definierst, dann kaufe beides.
Fotografiert euch und nutzt die Hashtags

Männer essen Frauen das Essen weg. -> #mefdew

Frauen essen Männer das Essen weg. -> #femdew

Trans essen allen das Essen weg. -> #teadew

Lasst uns den Schwachsinn beenden.
Krass, wie das nervt!

Ich habe damit mal angefangen:

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Und der Taxifahrer: „Seit wann bezahle ich denn für Werbung?“

Als sich 2001 in Berlin eine leidenschaftliche Debatte darüber erregte, ob die Loveparade ihren Demonstrationsstatus verlieren sollte, habe ich die Diskussion nicht verstanden. Auf der einen Seite die, die laut riefen, dass das natürlich eine Demonstration sei, die friedlich unfassbar viele Menschen an einem Ort versammeln würde und das als Botschaft in die Welt transportiert und auf der anderen Seite diejenigen, die die Loveparade als rein kommerzielle Veranstaltung sahen, die nur einem Interesse folgt, nämlich dem des Veranstalters.

Ich hatte nur eine Frage:
Seit wann gibt es auf Demonstrationen Werbung?

Als dann Dr. Motte 2004 zunächst das letzte Mal in eine Muschel blies, um seine Botschaft einer voll schönen Welt an seine Jünger zu bringen, beantworteten die Veranstalter die Frage nach dem Aus für die Loveparade damit, dass der Verlust des Demostatus erhebliche finanzielle Mehrkosten nach sich zog: Man musste vollständig und selbst für die Reinigung des 17. Juni, für die Sicherheit der Gäste und für mögliche Schäden im Tiergarten aufkommen. Der Veranstalter konnte sich die Loveparade damit schlichtweg nicht mehr leisten, als Berlin dafür nicht mehr zahlte.

Und was war das doch alles voll toll auf der Loveparade: Tolle nackte Menschen, tolle Stimmung, tolles Wetter, tolle DJs, tolles Gefühl, dabei zu sein.

Und das alles: Kostenlos! Kein Eintritt.

Wobei, nicht ganz kostenlos: 1999, beim absoluten Berliner Teilnehmerrekord zappelten 1,5 Millionen Menschen zwischen den durch und durch durchgesponsorten Trucks und versorgten sich lukullisch an den teuer lizensierten Imbisständen. Zahlreiche Fernseh- und Radiosender berichteten stundenlang live von dieser ‚Demonstration‘ und bescherten der PlanetCom GmbH (damaliger Veranstalter der Loveparade) damit Millionenumsätze durch Merchandise und DJ-Compilations. Und Berlin hatte natürlich auch was davon: 1,5 Millionen Raver an einem Wochenende, an einem Ort, in diesem Berlin – da freut sich das Hotel- und Gaststättengewerbe der Stadt.
Die Raver bezahlten also mit Anwesenheit, Reichweite und Konsum.

Dieser kurze Ausflug in die Raving Society Anfang der Nullerjahre soll nur halbgut das Dilemma beschreiben, in das wir uns auch im Netz hinein bewegt haben: Wir bezahlen die kostenlosen Dienste von Google, Facebook usw. mit unseren Daten. Zwei einfache Binsen, die man an jeder Netzecke dazu hören kann:

  1. Daten sind die neue Währung und
  2. mit meinen Daten kann man für mich bessere und personalisierte Werbung schalten.

Und dann fahre ich mit dem Taxi zum Flughafen und der Taxifahrer fragt mich, nachdem wir über vieles dazu gesprochen haben, was ich so tue etc., diese Frage:

Seit wann bezahle ich denn für Werbung?

Das ist vielleicht naiv, aber genauso berechtigt, wie die Frage nach Werbung auf Demonstrationen. Das ist die Verständnisflughöhe da draußen.

Salto Mortale.

Der Artist steht oben auf dem Podest,
hoch über allen Köpfen.
staunend schauen Augen rauf,
muss einfach nur noch hüpfen.

Gehalten von nur dünnen Seilen,
schwingt er schon auf und nieder,
erst ganz langsam, wenig, zögernd gar,
dann viel schneller und immer wieder.

Auf der anderen Seite wartet sie,
schwingt gleich von rechts nach links,
in die Mitte müssen beide,
irgendwann gelingt’s.

Unter dem großen Zirkusdach,
schwingen beide nun hin und her,
die Augen schauen staunend rauf,
erwarten aber mehr.

Als beide dann im Rhythmus schwingen,
kommt bejubelt das Finale,
und beide in die Manege springen,
Applaus für den Salto Mortale.

Auch dieses Mal springen sie,
wie schon hundert Mal,
aber er schaut sich um, verfehlt den Punkt,
bringt beide so zum Fall.

Das Publikum schaut nun entsetzt,
der Schreck macht alles laut,
gesichert liegen sie im Netz,
auf’s Podest geht’s nie mehr rauf.

Der Wahlkampf der Anderen.

Snowden, du alter Schlingel. Du alter Whistleblower-Banause. Du, du, du! Da sitzt du auf deinem Moskauer Flughafen ganz entspannt rum und während wir uns alle fragen, was du denn da so machst und ob du die ganze Zeit auf diesen harten Stühlen schlafen musst, da hast du nichts anderes zu tun, als Wahlkampf zu machen. Für die Sozis! Also ehrlich, alter Junge, das hättest du auch leichter haben können …

Über Prism wurde viel geschrieben, aber ein Aspekt geht mir doch ganz gehörig gegen die Latichte: Die permanente Unterstellung, gerade des CDU/CSU-Lagers, sowohl von den Verantwortlichen als auch aus der schwarzen Fankurve, die gesamte Berichterstattung, der gesamte Versuch der Aufklärung, all das sei nur Wahlkampf der Opposition. Davon bin ich nicht nur genervt, mir geht da richtig einer ab, bei soviel Einblick in das Demokratieverständnis dieser Menschen.

Wir erleben den schwersten Grundrechtseinbruch seit der Wiedervereinigung und die Mädels und Jungs mit den schwarzen Shirts finden das alles nicht schlimm. Nicht aufklärungswürdig. Normal. Und alle die das Gegenteil behaupten, machen Wahlkampf.
SPIEGEL, FAZ (in linksradikalen Teilen), ZDF, Süddeutsche Zeitung, ZEIT Online, die BILD, die Bundespressekonferenz, das Parlamentarische Kontrollgremium, Fragenkataloge an Pofalla … – alles eine Teil der großen Kampagne der Opposition, um Mutti ans Leder zu wollen. Alle irren. Alle getrieben. Nur durch den Gedanken, Merkel zu stutzen, Pofalla zu stürzen und Friedrich zu fällen.

Wisst ihr was? Ein bisschen weniger Corpsgeist wäre eigentlich angemessen. Na klar, das Ding kommt zur Unzeit für die Union, denn ja, es ist Wahlkampf. Aber vielleicht ist euch, liebe UnionistInnen, schon einmal in den Sinn gekommen, dass das dem Herrn Snowden scheißegal ist. Das der Presse, die ja in Form des SPIEGELs auch noch auf Material sitzt, nichts egaler sein könnte. Das es den ParlamentarierInnen, die lieber wirklich Wahlkampf in ihren Wahlkreisen machen wollen, stattdessen aber, neben der Eurohawk-Geschichte (auch so eine Wahlkampf-Nummer der Opposition), in einer zweiten Aufklärungsrunde sitzen und versuchen ein wenig Licht in Dunkel zu bringen, auch scheißegal ist.

Liebe UnionIsten, wie hättet ihrs denn gern? Soll die Presse warten bis zum 23. September? Das Parlament bis zur neuen Legislatur? Der Herr Snowden solange ausharren am Flughafen und bitte keine Interviews? Sagt ruhig, vielleicht bekommen wir das ja noch hin und alle werfen sich vor euch in den Staub.

Kinder, eine Sache wäre doch mal schön: Schön wäre es, wenn ihr eure eigene Angst um euren eigenen Wahlkampf in dieser Sache einfach mal über Bord werfen und euch konstruktiv einbringen würdet, bei der Aufklärung. Aber das, das könnt ihr gar nicht, stimmt‘s? Ist ja Wahlkampf.

Disclaimer: Ich arbeite selbst für die Kampagne der SPD, verliere deswegen aber nicht meinen Zorn als regierter Bürger.

Peer Steinbrück, die Sprache und 99 Fragen.

Es wurde viel gesagt: In Interviews und über Interviews.

Fakt sind: Zwei umstrittende Äußerungen.

1. Behauptung:
Peer Steinbrück möchte, dass KanzlerInnen mehr Geld verdienen.
Hier dazu der betreffende Interviewabschnitt:

„Gerhard Schröder wollte nach dem Ende seiner Kanzlerschaft mal richtig Geld verdienen. Hatten Sie nach dem Ende Ihrer Ministerzeit auch so ein Gefühl?

Nein. Dieses Gefühl gab es nie. Im Übrigen finde ich allerdings, dass manche Debatte über die Bezahlung unserer Abgeordneten bis hin zur Spitze der Bundesregierung sehr schief ist. Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin. Abgeordnete des Bundestags arbeiten fast sieben Tage die Woche, durchschnittlich zwölf bis 13 Stunden. Sie sind gemessen an ihrer Leistung nicht überbezahlt. Manche Debatte, die unsere Tugendwächter führen, ist grotesk und schadet dem politischen Engagement.

Verdient die Kanzlerin zu wenig?

Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient in Deutschland zu wenig – gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt.

Ist es nicht so, dass in der Wirtschaft zu viel und nicht in der Politik zu wenig verdient wird?

In der Wirtschaft werden Managergehälter in der Regel privatrechtlich ausgehandelt. Da hat die Politik nichts zu suchen. Die Politik kann höchstens Sorge dafür tragen, dass durch Steuern einiges abgeschöpft wird von den exorbitanten Gehältern, die teilweise gezahlt werden, oder diese nicht als Betriebsausgaben voll absetzbar sind.“

2. Behauptung:
Peer Steinbrück unterstellt Angela Merkel einen Frauenbonus.

„Angela Merkel ist beliebt, weil sie einen Frauenbonus hat. Die weiblichen Wähler erkennen in hohem Maße an, dass sie sich in ihrer Partei, aber auch jenseits davon, besonders in Europa, seit langem durchsetzt. Das ist nicht mein Nachteil, sondern ihr Vorteil.“

Nahezu alle Journalisten wolltenhaben überlesen, dass sich der „Frauenbonus“ auf einen vermeintlichen Bonus bezieht, den Angela Merkel bei den Frauen hat und nicht etwa, weil Angela Merkel eine Frau ist.

In nachrichtenarmer Zeit, mit urlaubsausgedünnten, notbesetzten Redaktionen reicht ein Interview, um zwei Tage lang unterschiedliche Überschriften zu produzieren. Auch wenn nach intensiver eigenen Lektüre nichts von „Mehr Geld für Kanzler“-Interpretation übrig bleibt und vor allem nichts vom Vorwurf des Frauenbonus. Beispielhaft SPIEGEL ONLINE vom 29.12.: „Steinbrück beklagt sich über geringes Kanzler-Gehalt“ und SPIEGEL ONLINE vom 30.12.: „Merkel hat einen Frauenbonus

Es wäre ein leichtes zu unterstellen, ich betriebe Medienschelte.
Es ist aber ebenso leicht zu unterstellen, die Medien betrieben Steinbrückschelte.

Ich erwarte mehr von beiden Seiten: Vom Kanzlerkandidaten (und seinem Team) und von den Medien, vor allem von solchen, die sich einmal als „Sturmgeschütz der Demokratie“ bezeichneten.

Und ich erwarte, dass man das gesamte Interview liest und nicht nur Klicklieferant für Boulevardpostillen ist.

Und wenn man das getan hat, kann man sich das obige Video mit Peer Steinbrück anschauen. Wer, wie Moritz von Uslar, den „Maschinengewehr-Steinbrück“ erwartet, bekommt ihn dort geliefert.

Achso, und dann noch dieser Fakt:
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