Sonntagsfrage: Warum ein bedingungsloses Grundeinkommen?
Die Berliner Piraten forderten in ihrem Wahlprogramm ein bedingungsloses Grundeinkommen und viele kluge Köpfe beschäftigen sich damit. Aber mir will nicht in meinen Kopf, wie das funktionieren soll und habe deshalb versucht meine Zweifel, in Deklarativsätzen zu verpacken, hinter denen aber eigentlich ein Fragezeichen stehen sollte. Und ich hoffe auf Antworten von euch in den Kommentaren.
Ein bedingungsloses Grundeinkommen, das durch die Einkommenssteuer finanziert werden würde, bei dem aber sonst alle anderen Sozialleistungen wegfielen (im Moment sind das 155 ihrer Art), ist ein Segen für konservative und liberale Marktprediger.
Wenn alle Menschen, egal ob Hartz IV-Empfänger, ich oder Superverdiener wie Götz Werner monatlich 1500,-€ bedingungslos ausgezahlt bekommen, ist das für den Markt wie Weihnachten.
Die Lebenshaltungskosten, aber auch alle Konsumgüter würden sich sehr schnell verteuern, denn für eine kurze Zeit scheint mehr Geld frei verfügbar zu sein. Allerdings bewirken diese Preissteigerungen auch sehr schnell, dass alles was mit dem bedingungslosem Grundeinkommen angedacht war, obsolet wird.
Die, die vorher wenig hatten, haben dann ebenso wenig und für die, die schon vorher mehr oder viel hatten, ändert sich de facto gar nichts.
Der Staat aber reibt sich die Hände, muss er doch nichts mehr unternehmen, um diejenigen, die es brauchen zu unterstützen. Das heißt, die Schere zwischen arm und reich würde sich noch weiter öffnen, weil der Staat sich aus den letzten Nischen der Ermöglichung von soziale Teilhabe für alle zurückzieht. (Wenn ich das richtig überblicke, würde dies auch unmittelbar zur Privatisierung der Krankenversicherung führen.)
Das ist in meinem Augen ungerecht und vor allem zutiefst unsozial. Und das gilt somit auch für das bedingungslose Grundeinkommen.
Wäre eine negative Einkommenssteuer nicht viel viel geiler?
Keine Zeit für Fehler.
Nachdem ich gestern Sebastian Nerz, den Bundesvorsitzenden der Piratenpartei beim Bowle-Pelzig gesehen hab und heute morgen die teilweise vernichtenden Kritiken seiner Mitpiraten in meine Timeline spühlten, war ich leicht irritiert. Ungläubiges Kopfschütteln allerdings übermannte mich, als sich mir dieses Interview von Nerz auf heute.de und die Reaktion der Berliner Piraten vor meinen Augen auftat. Ungläubig deshalb, weil die Piraten schneller im politischen Medienzirkus angekommen sind, als ich es für möglich hielt.
Und dann entwickelte ich beim Zähnputzen folgende noch unausgegorene steile These: Die Geschwindigkeit des Digitalen wird die Eingliederung der Piraten-Partei in das alteingessene Parteiensystem und der damit einhergehenden strukturellen Assimilation, mit allen Vor- und Nachteilen, der Partei in das politische Getriebe wahnsinnig beschleunigen. Die Piraten werden nicht so lang wie die Grünen brauchen, um sich nahtlos einzufügen.
Warum? Nun, entgegen ihrer offensiv nach außen getragenden Koketterie des “noch nicht Bescheid wissens”, des “sich noch einlesen müssens” in politische Themen und Sachzusammenhänge, das bewusste spielen auf Zeit, die viele Wählerinnen und Wähler und Beobachter bereit sind zu geben, geben sich die Piraten diese notwendige Zeit intern überhaupt nicht.
Da wird sofort zurückgeschossen, auf Twitter zurückgemeint, auf Presse-Anfragen zu “ihr Mitpirat hat das und das gesagt – Wie ist denn ihre Meinung dazu?” sofort geantwortet – aus allen digitalen Rohren werden die Stellungen befestigt.
Das ist natürlich grandios blöd. Denn was ist denn die logische Folge aus all dem? Ein jetzt schon vollkommen verunsicherter Bundesvorsitzender, der einem Grantler wie Pelzig gegenübersitzt und ihm nichts entgegensetzen kann – nicht nur persönlich, sondern auch inhaltlich, weil er weiß, dass er danach nicht in seine Twitter-Timeline schauen sollte, wenn er noch einen entspannten Abend haben möchte. Also sagt er lieber gar nichts und druckst rum, wenn es konkret werden sollte und kichert verschämt, wenn es um´s kiffen geht. Ein waidwunder Vorsitzender, schon jetzt eine “Lame Duck”.
Wenn man sich diesen wirklich guten Text über die Piraten durchliest, kann man sich leicht ausmalen, wohin die Reise gehen könnte: Flügelbildungen, nicht nur entlang inhaltlicher und programmatischer Fragen, sondern jetzt auch schon sichtbar zwischen einzelnen Landesverbänden.
Und all das geschieht im digitalen Raum, gegeneinander, übereinander, wahnsinnig schnell, irrsinnig verknappt. Keine Atempause, Politik wird gemacht, es geht voran. Aber wohin?
Mitten hinein in ein politisches System, in dem man sich für ein bißchen Ruhe und Zeit, Nischen und Räume sucht, die nicht unter permanenter Beobachtung und Begleitung stehen. Soziale Parallelstrukturen, die nicht dem Geschwindigkeitsdiktat der Öffentlichkeit unterliegen. Vorabsprachen, Flügelentscheidungen- und Mehrheiten, die auch nicht Liquid Feedback verhindern kann. Und das nicht erst in fünf, zehn Jahren, sondern rasant spätestens bis Ende 2012, sollten sich die Umfragen der Piratenpartei bundesweit verstetigen und es in den Bundestagswahlkampf geht und darum, eigene Interessen durchzubringen.
Aber um das bestehende zu erhalten, braucht es keine Piraten.
Warum das Mitmachen in der Politik so schwierig ist – Das Video von der Social Media Week Berlin 2011
Auf der Social Media Week saß ich relativ spontan auf einer Bühne und habe ein wenig über Partizipation gesagt. Das Video dazu gibt´s hier.
Robin Meyer-Lucht.
Es gibt nicht viele Menschen, vielleicht sind es gerade einmal zwei Hand voll, die ich während meiner gesamten Zeit, die ich mich in diesem Internet nun rumtreibe, immer beobachtet habe und die für mich eine echte Inspiration waren. Robin Meyer-Lucht war einer dieser Menschen.
Als ich noch für Verlage und Medienunternehmen gearbeitet habe, waren seine Texte oft mein Bohrer für die dicken Bretter. Ich habe ihn mehr als einmal als Kronzeugen für die Veränderungen des Journalismus durch das Netz gebraucht, auch weil er immer wieder versuchte zu beweisen, dass der Journalismus von diesen Veränderungen profitiert, wo andere diese Tatsachen noch bis heute verteufeln.
Robin Meyer-Lucht war einer der ersten, der mir die Augen dafür geöffnet hat, wie weitreichend diese Veränderungen in unsere Gesellschaft hinein reichen und mir Wege gezeigt und Argumentationshilfen an die Hand gegeben hat, wenn es darum ging, das auch in die politischen Prozesse zu übertragen.
Robin Meyer-Lucht war ein inspirierender Mensch mit vielen Ecken und Kanten. Und dabei ein sehr sympathischer und kommunikativer Typ.
Heute wurde bekannt, dass Robin Meyer-Lucht am 16. September 2011 verstorben ist.
Mein Mitgefühl gilt seiner Familie und allen Angehörigen.
Wurst comes to Wurst – Mett ist tot.
Mett ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Mett „is to big to fail“. Niemand wird bestreiten, dass ohne Mett heute so gut wie nichts mehr geht. Es ist Zeit, weiterzudenken. Eine Streitschrift.
500g Mett, Brötchenhälften mit daumendicken Mettaufstrich, Fertigmett aus dem Discounter, Mett auf Konferenzen, Mett auf Barcamps, Mett im Bauchnabel – Mett ist heute überall und es war ein langer Weg dorthin. Zeichnete sich Deutschland bis vor drei, vier Jahren noch durch besonders ausgeprägte Copycat-Strategien aus (man beachte den Import von neumodischen lukullischen Köstlichkeiten wie Bagels, Coffee-to-Go, oder für die New-Economy-Veteranen unter uns – Stichwort: Sushi), so kann man am Beispiel Mett ein neues Selbstbewusstsein im Bereich Pausenverpflegung konstatieren.
Mett hat sich erfolgreich als perfekter Steigbügelhalter für jeden Gesprächseinstieg angedient und selbst die Eltern- und Großeltern-Generationen verschließen sich nicht mehr dieser Entwicklung (Siehe Nielsen-Studie zu: “Silver-Mettler”). Auch die Mettpolitik ist bei Leibe des Schweins kein Nischenthema mehr. Zahlreiche Politiker versuchen sich auf dem Gebiet und suchen nach Positionierungen innerhalb ihrer jeweiligen politischen Heimat. Gleichwohl bisher auch nur mit mäßigem Erfolg. Dennoch, auch ein Blick in deutschen Medien-Landschaft bestätigt: Mett ist überall. Kaum ein neues, erfolgreiches Format kommt ohne Mett aus. (Verweis: Die Alm, Bauer sucht Frau, oder Kochshows mit Tim Mettzler)
Darf´s ein bisschen mehr sein?
Ich möchte nicht mehr Teil der mit diesen Entwicklungen einhergehenden Mett-Kommerzialisierung sein. Deutschland wird metttrifiziert. Es wird Zeit neu zu denken und neue Pforten aufzustoßen. Breitenwirksamkeit bremst aus, auf in neue Nischen!
Wer mich kennt weiß, dass ich nicht einfach so in den Raum hinein postuliere, sondern auch meistens versuche gleich möglichst gangbare Wege aufzuzeigen. Deshalb habe ich mir Gedanken über die Perspektiven gemacht. Wo liegen die möglichen oder notwendigen Anknüpfungspunkte zum Mett? Wie kann man Mett weiterdenken, ohne die Herkunft zu verleugnen? Wie bleibt man den Mettidealen treu, ohne sich selbst zu verkaufen? Damit wir uns nicht falsch verstehen, dass ist keine Flucht aus dem Mettversium, es ist eher eine Reise in bisher unbekannte Dimensionen.
Ohne neue Orientierungspunkte wird es in Zukunft nicht gehen, deshalb habe ich mal versucht in einem Manifest zu entwickeln und möchte es hier zur Diskussion stellen. Es heißt „Wurst comes to Wurst“ und beschreibt in aller gebotenen Knappheit, die weitreichenden Möglichkeiten einer neuen Fleisch- und Wurstwarendenke.
“Wurst comes to Wurst” – Das Manifest.
1. Fleisch bleibt Fleisch
Auch in Zukunft muss eine neue Fleisch- und Wurstwarendenke frei von vegetarischen oder veganen Einflüssen bleiben. Die neuen Perspektiven sind aus Tieren fleischgemacht und kein Ersatzstoff.
2. Vielfältige Verwendungsmöglichkeiten
Niemanden ist geholfen, wenn sich mögliche neue Perspektiven nur einseitig verwenden lassen. Ein klares Bekenntnis zur Nische, aber in dieser breit aufgestellt. Zur Singulärnutzung aufgestellte Produkte stellen deshalb keine Alternative dar.
3. Kein Schnellschuss sondern langsame Exploration
Niemanden ist geholfen, wenn die möglichen Weiterentwicklungen in sich geschlossenen Lösungen anbieten. Das Gegenteil ist der Fall. Eine neue Fleisch- und Wurstwarenideologie braucht größtmögliche Offenheit, um eine Vielzahl an Kreationen zu ermöglichen. Dazu gehört auch, dass man neue Entwicklungen genug Raum und Zeit gibt, gut abzuhängen und sich auf dem Markt durchzusetzen. Die sofortige Mett-Wachablösung ist dabei nicht angedacht, sondern eine schrittweise Entwicklung absolut essentiell.
4. Streichfähigkeit
Ohne geht’s nicht.
5. Wurst it yourself
Absolut notwendig ist die Reproduzierbarkeit einer neuen Denke in den heimischen Gefilden. Industrielösungen können Anknüpfungspunkte bieten und gerade den Einstieg für Neulinge erleichtern, dürfen aber nie marktbestimmend agieren. Die Innovation muss weiterhin aus der Crowd kommen, sonst holt man sich den industrialsierten Mettzgermeister wieder in die Küche, den man eigentlich mit der Negierung der Mett-Kommerzialisierung außen vor lassen wollte.
6. Gute Produkte
Gute Herkunft, Nachhaltigkeit und beste Verarbeitung der Ursprungsprodukte sind Pflicht.
7. Aktive Verwurstung durch die Community
Natürlich braucht eine neue Fleisch- und Wurstwarendenke auch eine aktive Bewerbung durch die Fleisch- und Wurstwarencommunity. Hier sollten Synergien und Gemeinsamkeiten zu progressiven Mett-Jüngern gesucht werden, um erstens, von den Erfahrungen zu profitieren und zweitens, ein breites Akzeptanzfeld zu schaffen.
8. Popularität durch Auswahl
Der beste Club einer Stadt ist immer der, in den man nicht reinkommt. Demzufolge sollte gerade am Anfang der Zugang zur neuen Fleisch- und Wurstwarendenke beschränkt werden. Beta-Versionen, wie wir sie aus dem Internet kennen, können ein probates Mittel dafür sein.
9. Geschmack
Geschmack spielt nur eine sekundäre Rolle, darf aber nicht vernachlässigt werden. Ein Common Sense-Geschmack ist abzulehnen.
10. Die Parole
Wurst comes to Wurst.
Es ist Zeit für diese Debatte. Wann, wenn nicht jetzt?
Und nun: Die Hymne.
Was ich will. Eigentlich.
Das ganze Album “Büchse der Pandora” kann man sich direkt bei shoRdy herunterladen. Dies sei an dieser Stelle empfohlen.


