Wie mir Fleischwurst in Aspik einmal half, eine Schachmeisterschaft zu gewinnen.

Ihr habt euch wirklich dafür entschieden, hier ist der Text.

Ich spielte Schach, seit ich drei Jahre alt war. Mit fünf erreichte ich die leidlich gute Elo-Zahl von 1850 und setzte den Schatzmeister unseres Schachclubs in 9 Zügen matt. Das brachte mir einen Heidenrespekt im Vereinsheim ein, aber ich wusste, wenn ich gegen 17.00 Uhr nach Hause und ins Bett musste, lästerten die alten Herren hinter meinem Rücken. Als ich eingeschult wurde, durfte ich jedes Jahr in sozialistische Bruderstaaten reisen, um an den legendären „Schachmeisterschaften des Warschauer Paktes“ teilzunehmen. So besuchte ich schon in jungen Jahren die Sowjetunion, Kuba und den marxistischen Teil des Mondes. Ich spielte immer „Nato“ – das war das „Schwarz“ bei diesen Turnieren. Der Erstschlag, der Eröffnungszug lag mir nicht.

Ich lies die kleinen Toljas und Olgas und Chés und Kims lieber erst einmal kommen, um dann zurückzuschlagen. Meine Eröffnung war immer dieselbe und gipfelte immer in einer Rochade. Wenn ich das Standardprogramm abgespult hatte, konnte ich kreativ werden. Meist reichten zwei, drei Züge und meine weißen Gegner des „Paktes“ fragten kleinlaut nach Coca-Cola und Levis-Jeans. Natürlich konnte ich ihnen nichts dergleichen anreichen, war ich doch auch ein Kind des real existierenden Mangels, aber ich fühlte mich wie Colt Seavers im springenden Pick-Up. Mit acht Jahren setzte ich durch einen blöden Zufall Gorbatschow matt, was zu gesellschaftlichen Umbrüchen führte, die er bis heute für sich proklamiert. Mir soll das egal sein, aber manchmal sah ich mich als ein sozialistischer Forrest Gump. Zumindest fühlte ich mich rückwirkend so, als der Film in die Kinos kam. Aber wie jeder anständige Superheld hatte ich eine Achillesverse, ein Kryptonit, mein Lindenblatt: Es war meine schwer zu verbergende Leidenschaft für Fleischwurst in Aspik. Dabei ging es nicht um einfachen Genuss (möglichst direkt aus der Büchse gegabelt), sondern um beinahe religöse Rituale, die ich mit dieser Fleischwurst in Aspik vor dem Beginn einer Partie durchführte.

Es begann mit der Wahl der richtigen Marke. Ich hatte einmal einen tschechischen Brigadeleitersohn eines Wurst- und Verwurstkollektives aus Böhmen in vier Zügen geschlagen und bekam, quasi als Besänftigung und aus Angst vor meinen göttlichen Zorn, jeden Monat ein Paket mit 64 Fleischwurstdosen, randvoll gefüllt mit meinem Glücklichmacher.

Dann hatte ich noch eine Gabel, die Gabel, die einzige Gabel. Sie gehörte vormals Siegfried Seibt. Bevor er mir das Essinstrument in einer feierlichen Zeremonie überließ, war er DDR-weit bekannt als das Rumpelstilzchen aus „Spuk unterm Riesenrad“. Außerdem brauchte ich immer drei Kerzen und ein „Weltall, Erde, Mensch“-Lexikon. Warum, daran kann ich mich heute aber nicht mehr erinnern. Sei´s drum, nur mit diesen Insignien war es mir möglich, die Fleischwurst in Aspik zu verzehren und mich für die anstehende Partie zu stärken.

Bis zu jenem denkwürdigen Turniertag im polnischen Swiebodzin. Alles war vorbereitet, alles war bereit für das Fleischwurst Ritual. Nur nicht die Seibt-Gabel. Die Seibt-Gabel lag zu Hause in der elterlichen Küche und ließ Tränen über ihre Zinken kullern. So konnte ich unmöglich das Turnier spielen, ohne konnte ich unmöglich gewinnen. Ich wollte es auch nicht probieren, obwohl ich schon damals ahnte, dass dieses ganze Fleischwurst in Aspik-Zeugs grober Aberglaube ist, der nichts mit meinen tatsächlichen Qualitäten als Schachspieler zu tun hatten. Dennoch – es ging nicht.

Der veranstaltende Schachclub drängte zum Start, das Publikum forderte meinen Auftritt, Wolfgang Lippert kündigte mich permanent an, der „Kessel Buntes“ unterbrach seine Sendung. Ich musste das durchziehen. Ich musste spielen. Ich ging also ans Brett und setzte mich.

Aber: Ich schaffte es nicht.

Ich war ganz allein, auf dieser Seite der Welt. Niemand da, der mich rettete. Nur die ungeöffnete Büchse Fleischwurst in Aspik in der Hand. Mein Anker, mein Griff.

Ich drückte die Dose so fest, das sich der Aludeckel aufbog und ein bißchen Wurstwasser freigab, das nun zwischen meinen Fingern zu Boden tropfte. Mir wurde schwarz vor Augen und schwindlig. Da saß ich nun, das neunjährige Schachgenie, auf Wurstentzug und konnte diese kleine Turnier nicht spielen. Dieses läppische kleine Turnier in Swiebodzin.

So konnte ich nicht abtreten, ich musste etwas tun.

Ich stand auf, ging um meinen Stuhl und lief drei Schritte rückwärts. Meine Augen immer auf meinen 12jährigen Gegner Czesław gerichtet. Ich blieb stehen, fixierte das Brett und holte aus. Mit einem gekonnten Schwungwurf landete die Fleischwurst-Dose auf dem Brett, dass ein paar Figuren vom Brett flogen. Einer meiner Läufer traf Czesławs am Kopf. Nach einer kurzen Schockpause realisierten alle was gerade passiert war und Applaus brandete auf.

Etwas physikalisch völig unmögliches war geschehen, aber das schaut ihr euch am besten selbst an!

Sechs Aufgaben an eine sozialdemokratische Netzpolitik.

Drüben bei “Das ist sozialdemokratisch!” haben wir zur thematischen Fokussierung -klar- Themenwochen installiert. Dazu gibt es pro Woche immer ein bis zwei Beiträge, die den Nutzerinnen und Nutzern einen Impuls für ihre eigenen Ideen und Erwartungen liefern sollen.

Wir hatten schon Matthias Groote zur sozialdemokratischen Europapolitik, Valentina Kerst zur Wirtschaftspolitik, Björn Böhning zur Arbeit, Klaus Wowereit zur Kommunalpolitik und Karl Lauterbach zur Gesundheit.

Gestern ist die Themenwoche Netzpolitik gestartet. Mit einem Impulstext von Martin Oetting, Lars Klingbeil und mir.

Darin werden anhand von sechs Aufgaben Leitlinien einer echten sozialdemokratischen Netzpolitik formuliert. Große Aufgaben, mit nicht einfachen Lösungen und vor allem langen Wegen dorthin –
sowohl innerparteilich als auch gesellschaftspolitisch.

Hier könnt ihr euch das durchlesen und dort eure eigenen Ideen und Erwartungen an eine sozialdemokratische Netzpolitik formulieren.

Und hier gibt es übrigens Unterstützer-ShirtsHoodies.

Verstärkung gesucht!

Hallo Leute, eine Seite wie “Das ist sozialdemokratisch!” braucht ständige Pflege und Support. Für die Zukunft haben wir noch einiges vor. Vor allem geht es um technische Erweiterungen und neuen Ideen für die Seite.

Dazu brauchen wir dich!

Um Dennis zu entlasten, brauchen wir Unterstützung von dir.

Du kennst WordPress in- und auswendig?
Buddypress sagt dir auch etwas und du bist bereit dich da einzuarbeiten?

Du hast schon was vorzeigbares ins Netz gebracht und kannst uns das auch mal zeigen?

Du weißt, dass das eine absolut ehrenamtlich betriebene Seite ist, die nicht einen Cent Entlohnung abwirft, viel Arbeit bedeutet und trotzdem wichtig ist?

Du bist konzeptionell stark und kannst dir auch vorstellen, die Plattform mit weiter zu entwickeln?

Irre, dann gehörst du zu uns!

Da die Zeit ein wenig drängt, wäre es toll, wenn du dich bis Freitag, den 22.07. bei uns melden würdest.

Schicke dazu einfach eine Mail und eine kurze Vorstellung und Beispielen an: dasistsozi (at) gmail.com

Wir freuen uns auf dich!

Red nicht soviel, geb ihnen Küsse! Das große auf die Fresse.

Malakoff Kowalski macht auch Klaus Lemke
bei VESTO CAINOs “Dolce Vita”.

Nächste Woche ist Premiere. Auch hier. Release dann am 02.09.

Gefilmt von Lucia Zaparozhchanka, Anna Eckold (Berlin, May 2011) und Roberto Beani (Interview Italy, July 2011)

Und live geht das so:

via Malte

The European und ich.

Für die Leser hier, die es vielleicht noch nicht mitbekommen haben: Seit zwei Wochen schreibe ich eine wöchentliche Kolumne über die SPD im Allgemeinen und im Besonderen bei The European. Die dortige Redaktion hat sie “Rotes Tuch” genannt und ich finde das ganz passend.

Das ist bereits der zweite Anlauf zwischen “The European” und mir. Eine erste Anfrage von Alexander Görlach hatte ich im Sande verlaufen lassen. Ich habe mir eine zeitlang das Portal angeschaut und ich mache das jetzt mal. Ein bisschen mehr “Links” täte(n) dem Projekt ganz gut.

An jedem Mittwoch Morgen steht meine Kolumne online und wartet darauf von euch gelobt, kritisiert, diskutiert und in der Luft zerrissen zu werden. Ich halte das aus, aber das wisst ihr ja.

Hier verlinke ich mal noch kurz meine ersten beiden Stücke:

Text Eins: “Regieren wollen müssen” – über das Definitionsproblem der SPD durch Macht.

und Text Zwei: “Der Megahit: Kanzlerkandidat” – über die mediale Debatte um den möglichen Kanzlerkandidaten der SPD.

Viel Spaß.