Die Parabel von der Netzpolitik.

Es war einmal ein kleines Dorf, das von allen anderen Dörfern in der Gegend bewundert wurde. Denn in diesem Dorf wohnten die besten Sternegucker. Die Bewohner des Dorfes wussten immer schneller Bescheid: Wann es regnen wird, wann die Saat auszubringen war, wie lange die Trauben noch hängen und wann das Vieh geschoren werden musste. Die Fähigkeit in die Zukunft sehen zu können und so frühzeitig Gefahren und Kriege zu verhindern, ließ dieses Dorf immer größer, stärker und reicher werden.

Dieser Wohlstand schürte aber auch den Neid der anderen Dörfer. Die Bewohner der umliegenden Gemeinden kannten nur die traditionellen Techniken, um ihre Felder zu bestellen und wurden meist von den Naturereignissen überrascht. So manche Ernte wurde überschwemmt, oder Keimlinge vertrockneten. Sie nahmen diese Widrigkeiten aber hin und machten das Beste draus. Sie waren zwar allesamt nicht arm und darbten nicht am Hunger aber sie lebten eben nicht im Luxus.

Ganz anders das Dorf der Sternegucker. Dennoch konnten auch sie nicht autark in ihrem Dorf nicht leben. Ihr Reichtum wuchs durch den Handel mit Wissen, dessen Ursprung in ihrer hellseherischen Fähigkeit bestand. Mit diesem Wissen um die Zukunft ließen sich hervorragende Geschäfte machen. Das Wissen wurde zum Beispiel gegen Fisch getauscht, über den sie selbst nicht verfügten oder gegen andere Naturalien gehandelt, die sie selbst nicht verarbeiten konnten. Sie waren gefragte Experten der Naturwissenschaften und über das Land hinaus bekannte Heiler und Schreiber. Über die vielen Jahre blieben aber ihre Lesetechniken nicht geheim, denn die Dorfältesten der anderen Gemeinden schauten sich einige Methoden ab und entwickelten ihrerseits eine leidliche Fähigkeit der Sternleserei. Das Wissensmonopol des Sterngucker-Dorfes war dadurch in akuter Gefahr.

Die Dorfältesten der Anderen fühlten sich gestärkt durch die neuen Fähigkeiten, auch wenn sie oft nicht verstanden, was sie taten und diese zum Schaden aller anwendeten. Nicht selten führten ihre Fehlprognosen zu größeren Katastrophen, als es die, ursprünglich mit der Prophezeiung zu verhindernden, jemals getan hätten. Diese falschen Entscheidungen spürten auch die Bewohner des Seherdorfes, wenn zum Beispiel der Fisch aus der Fischerdörfer nicht kam, weil die Schleusen zu früh geöffnet wurden, oder das Mehl aus den Mühlen der Region nicht pünktlich eintraf. Die Bewohner des Seherdorfes beschlossen daher die Stadtmauern zu erhöhen, die Stadtgräben zu vertiefen und die Bürgerwehr zu verstärken. Man schottete sich ab, vor den Eingriffen der mächtiger werdenden Dorfältesten, um den Wohlstand in der eigenen Siedlung zu sichern. Sie erschwerten damit aber auch den Austausch von Waren und den Handel mit ihrem Wissen.

Die Mächtigen der anderen Dörfer erkannten das als ihre historische Chance und schlossen sich zusammen, um vor den geheimnisvollen Menschen hinter den Mauern des Seherdorfes zu warnen und deren benutzten Techniken zu verteufeln. Stattdessen erhoben sie ihre eigenen Fähigkeiten zum heiligen Gral des Handelns, an dem jetzt alles andere zu messen war. Ihre Seher-Fähigkeiten verbesserten sich aber natürlich nicht mehr, weil die wahren Seher immer öfter ausblieben und sich stattdessen hinter die eigenen Mauer zurückzogen. Und so wurde gefährliches Halbwissen zum allgegenwärtigen Handeln.

Die Menschen verließen sich irgendwann nicht mehr auf das traditionelle Wissen, das ihnen wenigstens ein anständiges, wenn auch nicht luxuriöses Leben ermöglichte, sondern nur noch auf die Proklamationen der Herrschenden, die über das ganze Land verkündet wurden. Und so musste mit immer mehr Missernten gekämpft werden, die Infrastrukturen verfielen und die Bevölkerungen verarmten zusehends.

Nach langer Zeit des Niedergangs regte sich Widerstand. Der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war das gemeinsame Ansinnen der Mächtigen und der Innung der Straßenbauer, unterschiedlich hohe Zölle für die Benutzung der Wege durch das Land zu verlangen. Dabei sollte der oberste Stand am wenigsten bezahlen und der niedrigste Stand am meisten. Sie begründeten das damit, dass die Reichen zumeist schon mit den neumodischen gefederten Rädern an ihren Kutschen fuhren und so weniger Schäden auf den Straßen verursachten, als die Bauern, die immer noch mit ihren beschlagenden Holzrädern unterwegs waren.

Ein paar Menschen wollten sich nun nicht mehr von dieser Dummheit und der Ignoranz regieren lassen und kritisierten diese geplante Ungerechtigkeit scharf. Sie wussten aber, dass sie noch nur eine kleine Minderheit waren – schwach und schlecht gerüstet im Kampf gegen die Dorfältesten. Sie mussten sich Verbündete suchen und das konnten nur die Bewohner des Seherdorfes sein. Nur sie hätten das Wissen, um die Mächtigen zu stoppen und die Fähigkeit die Menschen zu überzeugen, so dachten die Aufständischen und so machten sie sich auf den langen beschwerlichen Weg in das Seherdorf.

Als sie vor den hohen Stadtmauern um Einlass baten, um ihre Vorhaben vorzutragen, entbrannte innerhalb der Mauern ein heftiger Streit zwischen den Sehern. Sollte man die Aufständischen empfangen, um sie zu unterstützen, oder sollte man die Tore geschlossen halten, um das eigene Wissen und den eigenen Wohlstand zu behüten?  Einige der Seher waren es leid, nur noch von den Speisen zu leben, die sie selbst anbauen konnten. Sie sättigten zwar, aber schmeckten auf Dauer nicht. Den anderen war es wichtiger, das eigene Wissen zu bewachen und sie vertrauten den Menschen vor den Toren nicht.

Würden sie sich verbünden, könnten sie vielleicht die Bevölkerung aller Dörfer überzeugen, gegen die Vorhaben und das Handeln der Mächtigen aufzubegehren. Die Seher sollten die Argumente liefern und die Aufständische wollten diese übersetzen und verständlich machen,  damit alle begreifen konnten, was für die Zukunft auf dem Spiel stand, ließe man die Dorfältesten weiter so gewähren. Die Aufständischen würden auch besser die Strukturen kennen, die es bräuchte um mit eigenen Proklamationen durchzudringen und so in das Bewusstsein  aller zu gelangen, argumentierten sie vor dem Tor. Durch diese Verbindung von Wissen und Einfluss sollten so die Mächtigen gestoppt werden.

Einige Seher konnten die Aufständischen überzeugen, einige jedoch nicht. Und so machte sich ein kleiner Trupp aus Aufständischen und überzeugten Seher auf um Unterstützer für ihr Vorhaben in der Landbevölkerung zu finden. Schnell wuchs ihre Zahl auf eine beträchtliche Armee, dennoch war sie viel zu klein, um schlagkräftig vorzugehen. Trotzdem erschienen binnen kürzester Zeit zahlreiche Proklamationen im Land, die vom Wegzoll-Vorhaben der Mächtigen und dem Widerstand dagegen berichteten und viele Menschen verstanden so zum ersten Mal, was der neue Wegezoll für sie selbst bedeuten würde.

Die hinter den Mauern zurückgebliebenen Seher bestätigten sich indes noch, dass es richtig war, sich den Aufständischen nicht anzuschließen. Man konnte den Menschen, auch wenn es glaubhafte Widerständler waren, nicht vertrauen. Zu groß waren die Verletzungen der letzten Jahre.

Ein Ass hatten aber die Dorfältesten noch im Ärmel gegen die immer lauter werdenden Aufständischen und Seher. Und das zogen sie jetzt. Sie lenkten mit einer landesweiten Proklamationskampagne den Blick der Menschen auf die Gilde der Kartografen, die das Land vermessen und aufzeichnen wollten, um dadurch ein Gesamtbild aller Ländereien zu erhalten. Das sollte helfen Wege zu verkürzen, Landschaften kennenzulernen und Menschen zu verbinden. Die Herrscher schürten Ängste in den Menschen, warnten vor Wegelagerern, die dieses Wissen für Überfälle nutzen könnten. Die Bevölkerung beachtete immer weniger die Aufständischen und die mitreisenden Seher, sondern schlief nun in Sorge vor den Kartografen schlecht ein.

Die Aufständischen und die Seher drangen mit ihren Forderungen immer schwerer durch, fanden kein Gehör mehr bei den Menschen. Und die Innung der Straßenbauer wusste zusätzlich diese Situation vortrefflich  für sich zu nutzen.

Überall traten sie nun in den Hinterzimmern der Gemeindehäusern und Dorfkirchen auf, sprachen bei die Prioren und Dorfältesten vor und beklagten die vornehmliche Ungerechtigkeit der bisherigen Bezollung der Wege, bei der alle dasselbe für die Abnutzung zahlten, weil die Straßen auch von den Steuern aller erbaut wurden und verlangten, dass ihr Modell der abgestuften Besteuerung einzuführen und durchzusetzen sei. Sie verwiesen dabei auch immer wieder auf den Haufen, der sich da zusammengetan hatte, um gegen die Vorhaben zu opponieren. Sie betonten permanent die Zerstrittenheit der Seher untereinander und ächteten die aufständigen Verräter.

So einer Truppe konnte man nicht trauen, ganz anders als der ehrwürdigen Innung der Straßenbauer, auf die stets Verlass gewesen sei und die auch in Zukunft alles tun würde, um die Macht der Herrschenden zu erhalten, versprachen sie. Von den Straßen des Landes sollte auch weiterhin keine Gefahr ausgehen. Dieser Argumentation folgten die Machthaber nur zu gern und schlugen rasch den um die entzogene Unterstützung der Bevölkerung geschwächten Widerstand der Aufständigen und Seher nieder.

Die überlebenden Aufständischen zogen sich in ihre Heimatgemeinden zurück und versteckten sich vor den Häschern. Die geschlagenen Seher verkrochen sich wieder in ihre Festung, in der sie schon von den zurückgebliebenen Sehern mit einem hämischen Grinsen empfangen wurden. Sie hätten ja gesagt, dass das alles nichts brächte und das den Aufständischen nicht zu trauen sei und die aufständischen Seher sein selbst schuld, an ihrem Zustand. Die schwere Tore schlossen sich und das Seherdorf schottete sich wieder ab.

Währenddessen errichtete die Innung der Straßenbauer die neuen Zollstationen und setzte ihr Prinzip der gestaffelten Bezollung durch. Viele Bauern konnten sich diese erhöhten Zölle nicht leisten und verließen deshalb kaum noch ihr Dorf um Handel zu treiben. Nachrichten verteilten sich nicht mehr im Land und Wissen verkümmerte.

Noch manchmal erzählen heute die damals dabeigewesenden, altgewordenen Aufständischen ihren Enkeln diese Geschichte, während sie ihre tagtäglich immer gleiche Brühe schlürfen, immer verbunden mit der Hoffnung, dass unter ihren Enkeln einer ist, der die Fähigkeit hat, alle zu verbünden und den Dorfältesten die Stirn zu bieten. Was aus dem Dorf der Seher geworden ist, kann aber keiner erzählen – nichts drang mehr aus ihren Mauern.

Bitte dazu auch lesen:
Björn Böhning
„Pro Netzneutralität: Raus aus der Nische – die Mitte gewinnen!“

Bild unter CC-Lizenz auf Flickr.

Pro Netzneutralität!

Kaum ein Thema wird für die Zukunft des Internets, so wie wir es heute kennen und uns für morgen vorstellen können, so entscheidend sein wie die Netzneutralität. (⇒ auch hier kurz erklärt)

Wenn man diesen Begriff heute laut in der U-Bahn ausspricht, wird man meist noch angeguckt wie der Leibhaftige aus der Vorhölle der Theorie. Tatsächlich muss aber dieses, wieder einmal viel zu sperrige Wort, für etwas, für das es doch so viele Unterstützerinnen und Unterstützer zu sammeln gilt, eben auch solche, die nicht tagtäglich mit Nerdisms um sich schmeissen, also dieses Wort muss so schnell wie möglich Einzug in das Bewusstsein der internetnutzenden Menschen halten.

Denn die Netzneutralität ist in akuter Gefahr. Was zunächst fatalistisch klingt, bedroht das freie Internet meiner Meinung nach mehr, als es beispielsweise all die angedrohten deutschen Zensursulas jemals könnten.

Deshalb gehöre ich zu den 21 Erstunterzeichnern der
Initiative Pro Netzneutralität:

Netzneutralität ist der Schlüssel zur Wahrung des freien Internets!

Wir wollen ein freies und offenes Internet sicherstellen. Ein freies Internet ohne staatliche oder wirtschaftliche Eingriffe ist Garant für freien Meinungsaustausch weltweit und damit die direkte Ableitung des Rechts auf Meinungsfreiheit. Netzneutralität ist elementar für unsere Demokratie.

Netzneutralität fördert die Entfaltung kreativer und ökonomischer Potentiale und sichert damit das Innovationspotential des Internets. Die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft wird gestärkt wenn Entwicklungen frei online verfügbar sind und auch in neuen kollaborativen Ansätzen weiterentwickelt werden können. Innovationen brauchen Offenheit – die Möglichkeiten des Internets auf einige wenige Priviligierte zu beschränken, läuft dem entgegen.

Netzneutralität ist in unserer heutigen Gesellschaft sozial geboten. Sie verringert die digitale Spaltung, da die Übertragung von Internetinhalten nicht allein von der finanziellen Leistungsfähigkeit der Anbietenden oder Nutzenden abhängig ist. Netzneutralität sichert somit den Zugang zu Wissen und Informationen unabhängig von Herkunft, Aufenthaltsort, Einkommen, sozialer Schicht und ökonomischer Leistungsfähigkeit.

Die vollständige Erklärung bitte hier weiterlesen!

(Oder auch hier als PDF-Direktdownload runterladen.
Zum weiterversenden, ausdrucken und ins Büro hängen.)

Bitte unterstützt diese Initiative mit eurem Namen! Helft mit, sie dort zu verbreiten, wo ihr euch bewegt – ob nun im Netz, oder in der U-Bahn.

Sensibilisiert die Menschen für dieses Thema, denn: Diese Diskurse um das Internet werden nicht geführt, wenn sie nicht selbst von den Internet-Nutzern angestoßen werden!

Und ich hab wirklich keine Lust darauf, mir das Geheule durchzulesen, wenn plötzlich YouTube-Zuschläge oder Einzelvideonachweise auf den Monatsrechnungen des Providers deiner Wahl bei dir aufschlagen. Tue jetzt was!

Gleiche Rechte für alle Daten!

Soviel Pathos muss sein.

Ein besonderer Dank geht an Dennis Morhardt (@gigalinux),
der die Unterstützerseite gestaltet und aufgesetzt hat.

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