2013: Unsere Zukunft im Netz ist öffentlich-rechtlich.

Johnny hat Recht. Bevor ihr hier weitermacht, ist es deshalb sinnvoll, seinen Text zu lesen. Alternativ ein tl;tr von mir:

Unsere Inhalte gehören in erster Linie in eine eigene, dezentrale Publikationsinfrastruktur und nicht in primär auf zentrale Plattformen einzelner Unternehmen.

Richtig, Johnny? ;)

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Wie gesagt, Johnny hat Recht. Facebook, Twitter & Co. fungieren nicht nur als Häfen, sondern kontrollieren auch die Zugänge:
Welche Inhalte bleiben sichtbar, durchsuchbar und sind durch eineindeutige Links immer wieder auffindbar? Damit enteignen sie nicht die Nutzerinnen und Nutzer, aber sie bestimmen über die Zugänge. Und wer die Zugänge kontrolliert, kontrolliert auch den Markt. Aber Johnny greift an einer entscheidender Stelle zu kurz.

Natürlich ist es richtig, dass wir mehr in selbstgehosteten Blogs schreiben und wieder, back in the days, mehr untereinander verlinken und dadurch eine eigene, beständige Netzstruktur erhalten oder wieder schaffen.

Aber: Es gibt kein öffentlich-rechtliches Netz.

Unsere Seiten liegen in großen Serverfarmen globaler Hostprovider. Host- und Accessprovider sind heute nicht mehr getrennt. 1&1 bietet zum Beispiel Customized Webpakete an, die nicht nur Zugang zum Web, sondern auch gleich die eigene URL, die eigene Webseite/Blog und Mailadresse bietet und das Ganze praktischerweise zum Spottpreis gleich bei 1&1 gehostet. Strato zieht dieser Tage nach. Und was macht eigentlich Google in Zukunft? Mit Android bzw. mit seinem Nexus-Programm ist die Suchmaschine längst zum Zugangsprovider geworden. Die abrechnenden Telkos nur noch nützliches Vehikel. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Google eigene Datentarife anbietet. Und dann noch? Das lang erwartete Facebook-Handy?

Der Backbone, unsere Netzinfrastruktur, ist nicht frei und wird es auch nicht werden, nur weil wir im Frontend den Plattformanbieter wechseln. Und das ist nur eine grobe Beschreibung, über Clouddienste möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst anfangen.

Wir brauchen 2013 eine intensive Diskussion über öffentliche Räume im Netz, was sie uns bedeuten und wie wir sie erhalten bzw. wie wir sie erst einmal schaffen können!

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Ganz konkret: Wir brauchen Public Space Server!

Die österreichische Stadt Linz macht in einem Pilotprojekt vor, wie es geht. Alle Bürgerinnen und Bürger mit Hauptwohnsitz in der Stadt haben das Recht auf 1GB Speicherplatz. So werden alle zum Teil des öffentlichen Netzraums und Speicherplatz zur Daseinsfürsorge. Alle können dadurch im öffentlichen Raum eigene Blogs und Webseiten hosten. Gleichzeitig bietet Linz kostenlose Hotspot-Zugänge an, um ins Internet zu kommen.

Natürlich kann dieses Angebot nicht die Breite und Tiefe, nicht einmal alle Anforderungen an das Netz erfüllen, aber es setzt die Grundversorgung, den Universaldienst, zielführend ein, während wir noch (notwendigerweise) darüber reden, wie wir mit Breitbandausbau möglichst viele Menschen ans schnelle Netz angeschlossen bekommen.

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Und wer soll das bezahlen?
Das ist das Einfache: Die Telkos.

Ich plädiere für eine Abgabe der Accessprovider pro Anschluss.
Und weil es so schön griffig ist: Der Netzeuro.

Pro Anschluss (IMHO z.Zt. ca. 55 Mio deutschlandweit) führen die Telkos 1€ der monatlichen Nutzerentgelte ab. Das ist ausreichend, um dieses Vorhaben zu finanzieren (55Mio mtl./660Mio jährlich) und niedrig genug, damit dieser Euro im Preiskampf nicht auf die Nutzer umgeschlagen werden kann.

Das geht nicht? Doch das geht: Kinos zahlen von jedem Eintrittspreis 2,8% an die Filmförderung.

So, jetzt lasst uns ab 2013 mehr bloggen, mehr verlinken, mehr Inhalte dezentral erstellen und die Plattformen vor allem zur Distribution benutzen, aber lasst uns vor allem darüber reden, was es wirklich bedeutet:

Die Netze in Nutzerhand!

— LINK-UPDATES ZUM TEXT Samstag, 29.12. —